
gespiegelt
fallen die worte
in ihr gegenteil
hüpfen
so verdreht
vor sich her
und finden
den sinn nicht mehr
zerschlagen der spiegel
fällt ihnen wieder ein
wer sie sind
und mir

gespiegelt
fallen die worte
in ihr gegenteil
hüpfen
so verdreht
vor sich her
und finden
den sinn nicht mehr
zerschlagen der spiegel
fällt ihnen wieder ein
wer sie sind
und mir

KEERRY JAMES MARSHALL
den poesiestern leicht
auf die geöffnete hand legen
ihm schöne augen machen
das losungswort verraten
flüstern
damit wir
seinen schlaf nicht stören
gewiss sein
dass er es hört
behutsam
an seiner seite gehen
wenn er sich langsam
in den tag bewegt

nahezu greifbar
der frühling
mit seinen
luftigen botschaften
in aller munde
hör ich das wort
frühling
frühling
kinderlied
Singt ein Vogel, singt ein Vogel,
singt im Märzenwald.
Kommt der helle, der helle Frühling,
kommt der Frühling bald.
Komm doch lieber Frühling,
lieber Frühling komm doch bald herbei,
jag den Winter, jag den Winter fort
und mach das Leben frei.

damals, entscheide du wie lange es her ist,
als wir uns rücklings in den schnee fallen liessen,
die arme ausbreiteten und wie mit flügeln schlugen,
damals,
als wir engel im schnee liessen: frühlingsschatten,
der abdruck unseres glücks -wir werden, liebe,
ich bin sicher, uns entgegengehen
und die flügel werden uns aus den schultern wachsen,
leicht und flüchtig
wie schnee.
aus
peter härtling
die gedichte

eins

zwei

drei
nun scheint eine sonne
die nicht mehr von winter spricht
die sich zu den menschen neigt
sie umspielt mit ihren wärmenden lichtfingern
ihnen mut macht für neues beginnen
eine sonne, so unwiderstehlich, so wärmend schon
und immer neu
das blendend helle licht, sein gold
in der stiebenden wolke, rosig, gebrochen, und wartet der schnee
hinter der ecke
hinter dem berg
hinter der röte
dann spitze die zähne, die stollen,
straffe den schritt, schärfe den blick;
prüfe das körpergewicht, probe das gleichgewicht.
achte (mit festem fuss) auf das eis
in der helle.
eben wegen all der elemente: aufstieben, rauhreif,
kälte im ganzen, atemhauchwolken.
vertrocknete rosen, blätter, verfaulte dahliensträusse,
kapriolen der katze.
jede scheibe ein widerschein, und der einfall des winterlichts
gleichmässig herab aus den berglücken,
felsspalten, ritzen im holz. und du
lass ihn zu, diesen blendend hellen,
hinterhältigen winter, das schlimme
winterlicht und verzögertes schneetreiben,
verlängerten westwind, tückischen brand.
aus fabio pusterla
solange zeit bleibt
dum vacat

suonate campane
es läuten die glocken
20.02.10
premiere
im theater stok in zürich
programmseite von lupa
www.la-lupa.ch

im saum der nacht
gefaltet der tag
steigen bilder
aus umgrenztem raum
lichtscheu
suchen dich
im dunkel
legen dir
vergangenes in dein herz
dessen du dich erwehrst
schleppend
säumt es die tage
aus:
rosadora g. trümper tuschick
ins immer unbekanntere

ich suche
eine insel
wo man atmen kann
und träumen
dass die menschen
gut sind
rose ausländer

wie flattervögel
die letzten herbstblätter
wie finger
in den blauhimmel
herbstbotschafter
zwischen hier und dort

der worttraum
vorsorglich
in watte gepackt
wie porzellan
das entzückende
nun nicht mehr
gebrauchte