
es streitet die sonne mit dem schnee.
am ende des winters hat sie eine schlechte lage,
die weisse pracht. sie gerät ins rutschen, ins laufen,
verschwindet zuletzt. ist nicht mehr das, was sie war.
der temperaturwechsel bringt einen farbwechsel in gang.
das grün löst das weiss ab und schmückt sich bald mit
allerlei fremden farben, worauf wir in diesem jahr, nach diesem langen, langen winter besonders gespannt warten.
gestern feierte die sonne grosse triumphe. auch, dass sie mich hinaus
lockte, kann sie sich hoch anrechnen. die wärme ist eine der grössten freundinnen der menschen. erst einmal erwärmt, geht alles irgendwie leichter und schneller.
wie einen schnitt habe ich es empfunden, dieses abgelöste von kalten tagen.
ich spüre erleichterung und dass nun alles wird, wie es soll.
das schauen hat eine ganz andere qualität. vor allem das licht bringt die erneuerung, das neue sehen – mal wieder… ich kann gar nicht genug davon kriegen – so ausgehungert. am ende bin ich dann satt, wie nach einer neukreierten mahlzeit, von der man zu viel isst. müde und zufrieden bewege ich mich wieder nach drinnen, ganz sicher, dass es nun mehr solcher lichttage geben wird.
NEU SCHICHTEN…

eine neue zeit
mit sonnenschein und vogelsang
mit wörterspiel im frühlingsklang
neu die zeit
mal eng mal weit
mal hoch mal tief
ab und an schief
zum geraderücken
und zum entzücken
muss alles neu geschichtet werden
auf erden
CLARA HAT’S…

clara hat’s…
kinder in die politik
sie haben die besseren ideen
die alten
so verkalkt wie sie sind
sollten
in die zweite reihe treten
anstatt zu treten
nach rechts und links
um ihre positionen zu retten
clara hat’s
es liegt in ihrer hand
das ist eine gute perspektive
hören wir ihr doch zu
EINEN SCHRITT WEITER…

geh
einen schritt weiter
bis an die grenze
die es nicht gibt
nimm dich
und deinen mut
und frag nicht
nach dem anlass
geh weiter
niemand bemerkt
wie du entgleitest
nimm dich
an der hand
und geh
STATUS QUO…

‚wer will
dass die welt
so bleibt
wie sie ist
der will nicht
dass sie bleibt‘
ERICH FRIED
TAG DER POESIE…

der sonne hinterher
falle ich
in mein wohlbefinden
in diesem tag
nie war sie direkter
zeigt
was sache ist
oder
auch nicht
leckt meine wunden
für stunden
und stöhnt
noch ein gedicht
FRÜHLINGSBEGINNEN…
FRÜHLINGSBEGINNEN…

der frühling
durchwandert den tag
von strassenseite zu strassenseite
von park zu park
von herz zu herz
während die temperaturen
nachts fallen
steigen unsere erwartungen
tag für tag
heute
täuscht uns die sonne
gewaltig
ECKEN UND KANTEN…

das leben
hat ecken und kanten
herangezoomt
werden sie ganz weich…
GEMACH, GEMACH…

indische göttin der gemächlichkeit…
sie sprang mich an, obwohl sie dazu keinen finger rührte, geschweige denn abzuheben gedachte. dieser schlafwachzustand, der uns westeuropäerinnen so abgeht. immer müssen wir wuseln und herumtun, wenn nicht dies, so müssen wir zumindest denken.
immer immer rumort es in meinem kopf, will ich dies und jenes begreifen, will ich das eine mit dem anderen verknüpfen, um zu verstehen.
selbst wenn ich sitze und nichts tue, was nicht so selten passiert, hockt mir diese aufforderung im nacken, tu doch was, heb doch endlich ab, beginn zu fliegen, wenigstens in deinen gedanken.
nun soll sie mich beruhigen mit ihrer gemächlichkeit und der ausgestrahlten ruhe.
HALLELUJA…

im grenzbereich
treffen wir uns
du und ich
werfen uns schattenbälle zu
setzen uns lichtkronen auf
mit unseren efeustimmen singen wir
ein halleluja auf den tod
ein halleluja auf das leben
verschmelzen
zu einem einzigen gesang