
seewärts steuern
die worte
sie schwimmen lassen
ans andere ufer
ihnen freistellen
ob sie
an land gehen wollen

seewärts steuern
die worte
sie schwimmen lassen
ans andere ufer
ihnen freistellen
ob sie
an land gehen wollen

auf wortstelzen laufen
die worte erheben
über die alltagsworte
sie zusammenbinden
zum wortblumenstrauss

die buchstabensuppe
seihen
durchs
engmaschige sieb
bis die reinheit
von selbst überzeugt
du dich fragst
ob so viel arbeit lohnt
rosadora

die wortfenster
öffnen
wintersätze
hinaushängen
den frühlingswind
hindurchpusten lassen
damit sie sich läutern
und leichter werden
immer leichter

überdachen
überdachen
die wortzwillinge
trennen
sie nicht
zusammenschweissen
in der hitze
des geredes
ein jedes
in seiner eigenen
bedeutung

die worthohleräume
füllen
einen punkt
setzen
hier und dort
damit es
nicht plätscher
wie der
alte mühlbach

die satzmühle drehen
klein kriegen die wörter
immer feiner und feiner
bis sie
zu staub zerfallen

dem worttier
gehorchen
das sprachgitter
erklimmen
abspringen
am höchsten punkt
nicht wissen
wohin
‚da hab ich angefangen, aus brot kleine sachen zu formen.’
LOUISE BOURGEOIS
bei den ‚kleinen sachen’ ist sie nicht geblieben. sie hat sich herausgewickelt aus dem pausenlosen reden des vaters, der sie nicht nur mit seinen worten verletzte. sie lenkte sich ab und formte diese ‚kleinen sachen aus brot’.
brot, dieses wichtig nahrungsmittel, wurde zu ihrem ersten baustoff.
aus ‚stoff’ waren auch die wandteppiche, die sie mit ihrer mutter ausbesserte. da war sie acht jahre alt. Continue reading
RICHARD SERRA ist davon überzeugt, dass
‚die skulptur die einzigartige fähigkeit besitzt, ihren eigenen ort und ihren eigenen raum zu schaffen.‘
‚bewegung des betrachters hat durch verschiedene erscheinungsformen bewegung der skulptur zur folge. schritt für schritt modifiziert sich die auffassung von der skulptur.‘

TRUNK
1987 – d 8 – in kassel
2006 – in st. gallen
ANNÄHERUNG UND WIEDERBEGEGNUNG
NACH 19 JAHREN
kein einziges mal kann ich an ihr vorbei, der skulptur ‚trunk‘ von richard serra, am rande des stadtparks in st. gallen. wie ein tor, eine schleuse, ist sie ein durchgang, den ich wie eine chance nutze. ein umgehen mit der plastik eröffnet ungeahnte geistige, meditative und auch lustvolle möglichkeiten. würde ich sie umgehen, wüsste
ich nicht um diese. Continue reading