im grenzbereich
treffen wir uns
du und ich
werfen uns schattenbälle zu
setzen uns lichtkronen auf
mit unseren efeustimmen singen wir
ein halleluja auf den tod
ein halleluja auf das leben
verschmelzen
zu einem einzigen gesang
in den sommer…
in den sommer hinein
mit strohhut und flatterkleid
in den bergwiesen
die höhe des himmels bewundern
kein käse kein wein
wasser
das muss genügen
und
die berge uns
und wir ihnen
mein schaukelherz…
mein schaukelherz
schwingt im jasmin
meine sommerhaut
zirpt nach deinen blütenfingern
hochzeit feiern wir
wie in jedem jahr
und die nachtigall
und die nachtigall
könnt nicht schöner singen
leis erklingt ihr lied
und immer leiser
unergründlich…
unergründlich
das verschleierte bild
die wirklichkeit
verstellt die wirklichkeit
lass mich hellsehen
in der stunde
meines todes
in der stunde
meiner geburt
negativ und positiv
das bild wird sichtbar
der weg endet im nebel…
der weg endet im nebel
meinem auge entzogen das ziel
wie immer
täuschend der horizont
wie immer
das ziel teil des weges
wie immer
das ziel ein phantom
den fuss auf der erde…
den fuss auf der erde
den kopf
himmelhoch gereckt
der hals
im schreckhaften zögern
des geschehens
eingebettet
die wörter
nicht flugbereit
wo kämen wir denn
da hin
hat es mich verschlagen
trotz drohender gebärde
den satz
beendet
nicht wie gewollt
ohnmächtig
herz hals kopf fuss
stolpernd
über die schattengrenze…
über die schattengrenze fallen
dem leben entgegen
dunkles erhellt sich
wird tag wird traum
traum trägt dich
durch tage durch nächte
schattenträume
grenzräume
fallen dir zu
diese laute wirklichkeit…
wieder
diese laute wirklichkeit
das getue der menschen
in sachzwängen verhaftet
fallen sie
nicht heraus
aus dem netzt
das sie trägt
das sie hält
gefangen
januar 2000
das erwartete kam ohne zögern
gestern und morgen
verleihen den gleichen
schalen geschmack im munde
wie im letzten jahrhundert
der nebel
jagt die sonne hinter den berg
und macht sich im tal breit
bis er am morgen
wieder von dannen zieht
fast habe ich mich
an die monotonen geräusche
meines pc-rechners gewöhnt
vielleicht verzeihe ich ihm
weil er mir meine gedichte ausspuckt
fein säuberlich gedruckt
und von bestechender
formschöne
den inhalt kann er nicht überprüfen
noch nicht
die briefträgerin
hat ihr jahresbelohnung bekommen
nun verzögert sich die briefzustellung
die falschen hoffnungen
ins neue jahr verschoben
sie werden sich
auch diesmal nicht erfüllen
der museale liebesakt
wird schwächer
von jahr zu jahr
jahrtausend sogar
der grünfink ist zutraulicher geworden
er holt sich sein futter
nun, da der schnee wegschmilzt
kein friedensangebot zum neuen jahrtausend
der neue rasputin lässt sich nicht erweichen
und setzt auf sieg
wann werden sie wirklich so stark
dass sie keine kriege mehr brauchen
morgen ziehe ich die neue bluse an
und dann gehen wir spazieren
sagte meine grossmutter
und starb
der verstand glaubt nur das
was er sieht
aber er sieht nur sehr beschränkt
daher versetzt der glaube
keine berge
wenn ich die grenze überschreite
komme ich
von einem umgrenzten raum
in den anderen
aus dem engen deutschland
in die noch engere schweiz
die menschen brauchen grenzen
weil sie angst haben
vor sich selbst
die geringfügigkeit des denkens
nur von wenigen in anspruch genommen
kann gegen die verfestigung der gedanken
nichts ausrichten
sie haben verlernt
mit dem herzen zu denken
stattdessen versuchen sie
mit dem knie zu atmen
das gelingen ist weniger nachprüfbar
einen weg im nebel gesucht
verhangen die tragfähigkeiten des tages
im dunkeln getappt
am helllichten tag
die ausweglosigkeit des wartens erkannt
und weiter gewartet
in der lotterie gespielt
der gewinn blieb aus
bisher
aber er wird kommen
das ist sicherer
als auf den frieden
der menschheit
zu warten
der zeit gehorchend
so sagt man doch
und nicht herausgehört
was sie von mir will
die vorhandenen mittel strecken
und was tun
wenn keine vorhanden sind
bei virginia woolf eingeladen
ihr platz gemacht für ihre ideen
uns inspirieren lassen
auch das lachen kam nicht zu kurz
ihr tintenfass abgelöst durch den pc
das nachtdunkle
überwältigt die taghelle
unvorstellbar manchmal
dass sich daran etwas ändert
pflastern den weg mit worten
und ihn begehen
damit es der eigene wird
ein lächeln herschenken
in die dunkelheit des tages
damit er zu leuchten beginnt
ich denke afrika
ich denke indien
ich denke hungersnot
und nicht urlaub
die katze läuft durch meinen pc
der hund läuft ihr hinterher
dass der abend kommt ist gewiss
und dennoch überrascht er mich
an jedem tag
wachhalten den verstand
oder wenigstens das
was wir dafür halten
in der wortwanne baden
mich umspülen lassen
mich überspülen lassen
von den schwimmendflexiblen
wortgebilden
mich wenden
mich umwenden und schauen
ob der tag etwas neues gebracht hat
meine füsse unter mich stellen
damit sie mich durch die zeit tragen
die hände strecken
sie ausstrecken
nach den schönsten wortschöpfungen
sie so biegen
dass sie einen klang
einen sinn ergeben
die erforderliche angewärmte luft
zur verfügung stellen
damit der spruchteig
sein volumen entfalten kann
die bedeutung heraushören
aus den reden der politiken
auch wenn es keine gibt
wasser schöpfen
aus den quellen der weisheit
und ergiessen
über weite teile der menschheit
das fallen und aufstehen üben
und nicht müde werden
einer pause platz einräumen
damit das gesagte sich setzen kann
mein begehren zulassen
es stark und laut werden lassen
mein begehren
nach frieden und freiheit
das licht wollen
damit es seine schatten wirft
und ich in ihm stehen kann
im tal den schutz der berge suchen
auf den bergen
die freiheit der gedanken
stehen
aufrecht stehen bleiben
und mich nicht setzen auf jeden stuhl
und schon gar nicht
zwischen die stühle
sagen was ich denke
anstösse geben
denkanstösse
und keine angst haben
anzustossen
ich schlürfe meinen kakao
und nun
liegt er mir schwer im magen
schmutzige wäsche waschen
die eigene
und nur die eigene
im keller den wein gesucht
und ihn im kühlschrank gefunden
der vielschichtigkeit des lebens geglaubt
und mich dennoch
für nichts entscheiden können
meinem pc eine seele gegeben
nun schreibt er für mich
die schönsten gedichte
tiefe gedanken niedergeschrieben
als ich sie aussprechen wollte
fanden sie den weg nicht zu dir
auf den kalten worten ausgerutscht
wie auf der eisbahn vor der tür
herabgeschwungen auf flügelworten
und die landung verpasst
mein wortzimmer betreten
und stein um stein nach sinn gesucht
sie stapelten sich vor mir
zu einer undurchdringliche wortwand
auch zimmer wollen zu ihrer zeit
betreten werden
unter meinem hut mein haar
unter meinem haar mein kopf
unter meinem kopf…
wenn ich das wüsste
was dir zufliegt
fliegt dir auch wieder davon
nur was du selbst geformt hast
kannst du dein eigen nennen
für kurze zeit
klang der sich erhebt
verleiht mir flügel
mit ihm fliege ich hoch und höher
es wird so wenig gesungen
die tür fällt ins schloss
ich erwarte dein kommen
diesmal ist es nur die nachbarin
viele vögel sind in den süden geflogen
aber ich erfreue mich an denen
die hier geblieben sind
meine finger suchen
nach worten auf den pc-tasten
aber sie halten sich
andernorts versteckt
autobahn
unerbittlich fordert der nebel seine opfer
die schienenstränge
bieten auch nicht mehr sicherheit
in diesen tagen
die kasseler musiktage
haben ausgeklungen
ob sie in hamburg oder münchen
besser klingen
egli ist eine fischart im bodensee
ich denke wenn ich sie esse an eklig
es ist eklig
tiere zu essen
beherrschen den freien fall
auf allen vieren ankommen
und neu ansetzen
den sprung über das entsetzen
immer wieder neu üben
neben mir stehen
und mir zuschauen
manchmal erkenne ich mich sogar
spiegel sind unzuverlässig
manchmal zeigen sie mich dick mal dünn
nie zeigen sie
was ich sehen möchte
mit den fischen
auf dem grund gehen
hinabtauchen
einen schimmer bekommen
von dem nicht sichtbaren
durch die welle hindurchtauchen
als seist du ein teil von ihr
zum meer werden
der sonne danken
für jeden neuen tag
und dass sie sich
nicht immer zeigt
nicht auf das kommende warten
es verhindert das jetzt
es einfach kommen lassen
die bäume
sie winken mir zu
meine treuen begleiter
selbst tief eingeschneit
verlieren sie das hoffen nicht
meine erfahrungen teilen mit der zeit
und sie hinschenken
zu zeiterfahrungen werden lassen
durch die zeit erfahren
eine verbindung herstellen
zwischen mir und mir
von der die ich einmal war
zu der die ich sein werde
dazwischen die
die ich bin
die hände pressen
die hände fest zusammenpressen
als könnte ich ihnen
eine wortentscheidung abringen
dem abend entgegenschauen
in seine dunkelheit fallen
und mich fallen lassen
aus dem tag in die nacht
jetzt lesen
lesen
dass die welt nicht mehr ist
was sie einmal war
so sehr
haben wir uns verändert
je härter der winter
desto grösser die frucht
sagt karlwilhelm
und nun taut es schon wieder
angst haben
dass sich die worte einmal erschöpfen
obwohl sie zahllos zur verfügung stehen
finden ist das problem
rosadora
die anzahl der vollzogenen sprünge
garantiert nicht das vorwärtskommen
im gekonnte aufschwung allein
liegt nicht der höhepunkt
der gegenschwung erst
lässt erkennen die meisterin
und die landung auf beiden beinen
numeriere dein lachen
damit du dich
nicht lächerlich machst
lege die hand über beide augen
damit du besser sehen kannst
verfange dich nicht in deinem gegensatz
lass die rede lieber fliessen
eile herbei
wenn man dich braucht
und nur dann
geschenke sind überflüssig
die menschen bedürfen nur dessen
was sie brauchen
es sind die fragen
die dich weise machen
nicht die antworten
verschütte nicht
zu viele worte
du könntest darüber stolpern
mir selbst zugelächelt
wie gut das tat
die zeit befragt
aber sie nicht
infrage gestellt
mir die antwort selbst gegeben
weil sie niemand sonst kennt
die freude ist gross
wenn man das wiederfindet
was man in sich trägt
dieser widerschein der abendsonne
er erhellt noch einmal
den ganzen tag
im ankommen
den abschied vergessen
den abend geniessen
vor dem morgen
lass dir zeit
damit du sie nicht verlierst
was sich erfüllt
verliert unser interesse
niemals sollten wir es so weit
kommen lassen
in meiner tiefsten trauer
erwächst mir immer eine idee
erfülltsein verwandelt sich immer
in angst
noch die dümmste frage ist interessanter
als jede antwort
mein zeitgefühl
entspricht nicht dem zeitgeist
überhaupt ist zeit kein begriff
der sich begreifen liesse
für jeden bedeutet sie
etwas anderes
obwohl das die leute nicht merken
indem ich sage
ich bin die ich bin
verbreite ich eine grosse lüge
schon jetzt bin ich anders
als in dem moment
als ich es sagte
es sagen wollen
und es nicht sagen wollen
was ist da für ein unterschied
und für wen
meine gedanken legen
sie festlegen
in einem satz
hiesse sie fesseln
und nicht weiterdenken
die menschen erwarten antworten
weil sie zu faul sind
selbst zu denken
abschneiden
dir den satz abschneiden
ihn selbst vollenden
damit er endet wie ich es will
die gedanken abstellen
sie durchkreuzen
ihnen eine andere richtung geben
damit sie
nicht so schmerzen
den grund aufsuchen
diesen grund auf dem ich gehe
der sich am tage versteckt vor mir
im traum zeigt er sich