
es herbstelt
zwischen dem sommerseuselwind
unbemerkt farbenwechsel
von grün zu beige zu gelbrotbraun
der hitze ein unterton beigemischt
wie
ach wie lange noch
und bald vorbei
im sommerofen sitzen und geniessen



es herbstelt
zwischen dem sommerseuselwind
unbemerkt farbenwechsel
von grün zu beige zu gelbrotbraun
der hitze ein unterton beigemischt
wie
ach wie lange noch
und bald vorbei
im sommerofen sitzen und geniessen



nicht krampfhaft suchen, aber schauen
nicht in besitz nehmen, kommen lassen
dem ort der freude und gelassenheit nachspüren
lächelnd zulassen was ist
nicht finden wollen
er wird mir gebracht
es ist liebe auf den ersten blick
der kopf harmonisch oval
die lockenpracht dezent und bis in den nacken
sein gesicht geheimnisvoll lächelnd

die ohren bis auf die schultern
ein dicker und ein dünner reif um den hals
ein anderer um den körper
von der schulter unter dem rechten arm
ein sari über die linke körperhälfte
wunderbar in falten
die schmalen hände ineinandergelegt
die rechte zu oberst, die linke schützend
der rechte fuss über den linken geschlagen
auf einem wunderbaren ovalen lotuspodest sitzt er
er bereitet mir freude
er verbreitet ausgeglichenheit
er begleitet mich von nun an
in der traumfabrik, wo ich vor einiger zeit den buddha und den gartenzwerg fand, wollte ich schauen, ob ich einen buddha für mich finde.
wie ich schon sagte, alles zu allgemein dekorativ.
als ich mit der dekorateurin redete, die beim letztenmal zeugin meines erkennens war, hatte die plötzlich eine idee. hier in der nähe ist ein kaktusladen, da habe ich solche buddhis stehen sehen.
ich fand ihn schliesslich, den ‚laden’, der für mich alles andere war als ein solcher. eine riesenkaktusfläche im freien, die mich denken liess, meine dekofreundin hat geträumt. doch es geht in ein inneres, wie ein gewächshaus, nur eben ganz anders. zwischen den kakteen tatsächlich hier und da ein buddha und andere figuren. ein ganesha, ein denker, ein schläfer – der liegt auf dem sofa mit einer katze und hört mich nicht. leise gehe ich zwischen kakteen und figüries, will mich hinausschleichen, weil ich nichts interessantes für mich sehe, da räkelt er sich, der schläfer, ganz verträumt in die höhe.
an dem gewächshaus noch anschliessende räume. der erwachte geht mit mir hinein. sagt, zur zeit haben wir nicht so viel, – buddhas meint er – ob noch welche kommen, er sei nur ein angestellter und wisse das nicht.
aus noch weiter sich anschliessenden räumlichkeiten ein mann, im hintergrund winkt noch eine frau, wohl auch im mittagsschlaf gestört. ich winke zurück.
alle freundlich, hören sich an, was ich suche, wie mein buddha aussehen soll – meine güte, als ob ich das so genau wissen würde.
ich hab um drei einen termin, es ist schon viertelnachdrei, aber die gelassenheit der menschen hält mich. ich sage, ich komme nochmal wieder.
da ruft die frau, sie hätte da vielleicht noch was für mich. sie habe ihn für sich ins regal zurückgestellt und sei schon mal irgendwo geklebt. aber ihr würde er sehr gut gefallen.
sie stellt ihn vor mir auf – er ist aus geschmeidigem speckstein. ich berühre ihn sanft an schultern und knien – es ist mein buddha. er lächelt mich an, ist wohl mit meiner wahl zufrieden und die frau sagt, ich habe ihn hervorgeholt, weil ich denke, dass der zu dir passt. ich sage, dass ich ihn möchte. und wir sind uns einig. der buddha geht mit mir.
27.07.2009
was du heute an ich sparst
und nicht bis zum rande gibst
ist morgen vielleicht
so traurig und unnütz
wie die puppe
nach dem begräbnis des
kinds
nur die klingende
bis zur äussersten
haut des herzens gespannte
stunde besteht
wie sehr sie darum gerungen hat zu bestehen, vor dem leben, ihren lieben, vor sich selbst. ja, vor allem vor sich selbst. es ist anzunehmen, dass sie bestehen wird, vor allen und allem. dass sie vor den menschen bestanden hat, die sie liebte, denen sie ihre gedichte widmete, das ist sicher.
‚wenn ich hundert bin, komme ich wieder’ , so sagte sie nach einer lesung in der kasseler lutherkirche, da war sie 96. resolut, wie sie war, forderte sie einen tisch, mit dem sie etwas anfangen konnte, eben ein arbeitspult und einen passenden stuhl dazu – vor all den leuten. sie hatte dafür die bewunderung aller.
ich höre noch ihre stimme, die mir nicht sehr sympathisch war. zu gehetzt, zu abgehackt – aber so war ihr leben. heute würde ich sie gerne noch einmal hören, wie sie von den ‚langen schatten im sternenlicht’ spricht, zu bedenken gibt, ‚wie geliehen wir sind, wie flüchtig das unsre, das gefühl und wir selbst’. sie gab denkanstösse aus den erfahrungen ihres langen facettenreichen lebens. sie war mutig, ging zu den menschen, den jugendlichen insbesondere. breitet nachdenken aus für eine friedlichere welt.
die welt lag ihr am herzen und die menschen.
in ihrem ‚ratschlag (nicht nur) für abiturienten‘
unter anderem:‚….ich plädiere hier für eine bescheidene, ungeschützte art von emanzipation: ohne rückzugslinien. als einziges credo die menschliche solidarität….’ so war sie, keine sprachklischees benutzend, immer offen, immer ehrlich, immer kämpferisch – bis zuletzt.
sie kann ihr versprechen nicht halten. sie ist einhundert und kann nicht kommen.
sie starb an einem treppensturz. dass sie trotzdem bei uns ist, spricht davon, dass die grenzen zwischen leben und tod fliessend sind.
‚das wunder, das konkrete, kleine wunder, wartet immer um die nächste ecke für den, der es wahnehmen mag.’

die ferne absehbar
an der weite des horizonts
darüber hinaus nie
in augenlänge
das abschätzbare
du stolperst
über deine eigenen füsse
etwas zwickte mich, als ich den buddha und den gartenzwerg
auf einer ebene in der ‚traumfabrik’ fand. ganz angeregt rief ich die dekorateurin und teilte ihr den grund meines schmunselns und meiner entdeckung mit. genau konnte ich es nicht benennen.
vielleicht war es die parallele, die mir dazu einfiel, dass die menschen, die sich einen buddha aufstellen irgendwie gleichzusetzen sind mit denen, die sich einen gartenzwerg in ihr beet stellen.
bei buddha, der immer, wie es scheint, mit geschlossenen augen dargestellt wird, sie aber immer halb geöffnet hat, geht es um das erwachen.
bei dem gartenzwerg, dem in den letzten jahren eine auferstehungsphase vergönnt war, der eine immer grössere metamorphose erfährt, fehlt dieses erwachen, bei allen wachhundeigenschaften, die er wohl auch hat.
vielleicht sind es talismane, vielleicht aber auch handelt es sich bei den menschen um die erfüllung einer freude, die ihnen diese gestalten schenken.
ich habe keinen buddha und hatte noch nie einen gartenzwerg. die fülle in den läden lässt mir die einmaligkeit fehlen, so in dem sinne, dass es nur mein buddha zu sein hat. doch es könnte ja auch sein, dass er, indem er bei vielen menschen einlass findet, auch eine möglichst grosse einkehr bewirkt.
also, ob buddha oder gartenzwerg – es kann nichts schaden sie nahe bei sich zu haben. mit einem buddha hab ich immer schon mal geliebäugelt.

»erwachen, beachten, aufmerksam machen«

Das Beten als Symbol für geistig-philosophische Fähigkeiten aber genauso als gesellschafts-verbindende, wie auch weltweit verstandene Geste wird mit einem Multiple dem Gartenzwerg zuerkannt
Beim gartenzwerg fiel mir spontan noch das lied ein:
will ich in mein gärtlein gehen
will ein bisschen jäten
steht ein bucklig männlein da
fängt gleich an zu beten
in wirklichkeit heisst es aber:
Will ich an mein Bänklein knie’n,
Will ein bischen beten,
Steht ein bucklig Männlein da,
Fängt gleich an zu reden:
„Liebes Kindlein, ach, ich bitt‘,
Bet‘ für’s bucklig Männlein mit“.
(aus: Des Knaben Wunderhorn)

der halbe tisch
der sonnenblick im glas
die schiffe fahren zum mond
noch heute
einen blick zum himmel
du kommst gerade recht
der tanz hat schon begonnen
im schwingenden lieben ein lied
guten morgen du schöne
der tag ist lang

der grösste mord aller zeiten…
wie kann man ‚die zeit totschlagen’?
sie ist ja die grosse gebärerein alles neuen,
tag für tag und immerwieder.
rosadora

es ist nutzlos
ein bild fortzusetzen
nutzlos
es aufrechtzuerhalten
es genügt
dass es ist
gaston bachelard

