
novembertag
die pappel
geradlinig
lockt mich
ihr süssherber duft
in den himmel

novembertag
die pappel
geradlinig
lockt mich
ihr süssherber duft
in den himmel
‚o störe nicht, die feier der natur…’

die natur hält viele feiern ab im jahr und lässt uns daran teilhaben.
eine der schönsten und farbenprächtigsten ist der herbst, wenn er der erde schmeichelt und sie umgibt mit einem mantel aus laub – von gelb bis gold von rot bis braun, von rosa bis hin zum violett. wenn der wind mitspielt und hindurchpustet und alles aufwirbelt, auch mich, und ein lebendiges schauspiel zelebriert – eine grossartige inszenierung. mein wohlbefinden und meine fräude schweben in unermässlichem.

die letzten tage war ich so unermüdlich unterwegs, weil die blattfresser am werk sind, das heisst, das ganze werk zerstören. wohl weil sie müssen. aber da ist sie wieder – diese zerstörerische ordnungsliebe, von wem eigentlich? die gefegten wege und wiesen treiben mir die tränen in die augen. spielverderber, wüteriche, störenfriede (wo lauert bei dem letzten wort eigentlich der ‚friede’?). kahl liegen sie da, die feier ist vorbei. ach, käme doch der schnee und deckte alles zu, käme er, um mein gemüt zu beruhigen.

ich gehe in den wald, da kommen sie wohl nicht hin, die blattfresser. da darf das laub bleiben und seinen werdegang vervollkommnen.
wälzen im laub, wie gut das tut, raschelwege furchen und die bäume fragen, wo es lang geht.


EINHUNDERT FRAUEN – FRAUENPOWER

v. li.: gudrun nositschka, Joey Horsley und Luise F. Pusch
GERDA WEILER war es, die mich mit ihrem buch, ‚der enteignete mythos’ auf die fährte setzte, dinge und begebenheiten bewusst und mit den augen einer frau zu betrachten. Continue reading

die grossen, braunen blätter der magnolie verbiegen und winden sich herbstlich zu kleinen näpfchen oft oder zu einer schale. sie fangen wasser auf, das leuchtet und spiegelt, wenn die sonne herauskommt – wasser vom himmel… Continue reading

herbst spiralt
hinab
rennt die wege entlang
und übers gras
legt sich als teppich
behutsam über die erde
lässt sich einfangen von ihr
und beschützen
verwandelt sich
in winter und frühling
in einer bunten feier
verabschiedet er sich
herbst Continue reading
friedenspreis des buchhandels 19.10.08

die dankesrede von anselm kiefer erforderte höchste konzentration.
von der kabbala zu ingeborg bachmann, nelly sachs, dem talmud, paul celan, chassidischen erzählungen, um nur einige zu nennen, schlug er den bogenzu sich und seinem werk, um immer wieder einen ‚leeren raum’ aufzuspüren in scheinbar vollen und vollgestopften hallen. Continue reading



…
ist es ein lebendig wesen,
das sich in sich selbst getrennt?
sind es zwei, die sich erlesen,
dass man sie als eines kennt?
…
joh. w. goethe

im alten china waren die ginkgoblätter und –nüsse
lange zeit das zahlungsmittel.
das sollte man doch wieder einführen und die banken und die zinsen und den ärger damit abschaffen…
s. ginkgo museum weimar

er ist ein schmeichler – der herbst. und nicht nur er – auch r. m. rilke malt mit worten schmeichelhafte bilder, die an die ewigkeit reichen (um in seinen bildern zu bleiben).
die ‚fernen gärten in den himmeln’ laden ein zum ausruhen. ich möchte für immer darin bleiben, mich zu den blättern legen, mich betten, zum letzten.
doch die erde ist schwer, sie fällt, sie fällt – und das nicht nur bei nacht. es ist tröstlich zu denken, dass sie es nur bei nacht tut. die gärten entfernen sich immer mehr, auch meine vorstellungen, auch ich. und die blätter – sie fallen und fallen.
und die einsamkeit wird grösser… Continue reading

es gibt nicht totes, es sei denn, du tötest es…
was du ablegst ins nichts, ist für dich tot – nur für dich.
die blätter fallen, aber sie sind nicht tot.
in ihren bunten farben sind sie lebendiger denn je.
in ihrem scheinbaren zerfall gehören sie für eine weile der erde an,
werden verwandelt, halten inne, brechen erneut hervor.
der kreislauf ist geschlossen, war immer geschlossen.
es fällt nichts heraus aus dieser welt. Continue reading
die farben im oktober – ein rausch.

heute erst entdeckte ich das gedicht von carl zuckmayer, der im überschwang durch den oktober ‚rauscht’, wie er heute (der überschwang) in der lyrik so nicht mehr geäussert wird. knapp sind die äusserungen und haben ihre berechtigung – knapp aber sind auch die wahrnehmungen und empfindungen geworden, wo es um naturerlebnisse geht.
natur – unsere lehrmeisterin, unsere trösterin, energiespenderin, begleiterin – ewige mutter, von der wir kamen, die uns erwartet am ende unserer zeit… Continue reading