DIE DINGE SINGEN HÖR ICH SO GERN…

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Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.

Sie sprechen alles so deutlich aus: 

Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus, 

und hier ist Beginn, und das Ende ist dort.


Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott, 

sie wissen alles, was wird und war;

kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;

ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.


Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern. 

Die Dinge singen hör ich so gern. 

Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.

Ihr bringt mir alle die Dinge um.

rainer maria rilke

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WILDAPFELBAUM…

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er ist unter meinen bäumen ein ganz besonderer.
mit einem umfang von 2,85 metern wird er auf 200 bis 250 jahre geschätzt.
damit ist er der älteste apfelbaum deutschlands.
nicht leicht zu finden ist er auf den beberbecker huten.

WILDAPFELBAUM

bei meiner heutigen fotowanderung hatte ich mir vorgenommen nachzuschauen, ob der wildapfelbaum blüht.
von weitem, etwa 150 bis zweihundert meter von der eichenallee entfernt, sah es aus, als hätte er leichtes grün aufgesetzt.
ich ging zu ihm hin, um ihn anzuschauen und mir einzuprägen, wie seine befindlichkeit sei.
die war gemischt. einige zweige hatten tatsächlich kleine rosarote blüten hervorgebracht.
nichts konnte mich an diesem morgen mehr beglücken als dies.
ich dankte es ihm mit einer umrundung, mein ritual der demut.
ganz nah ging ich an seinen stamm heran.
da gab es eine öffnung, die fast die form eines herzen hatte – ein baumherz.
das herz war offen.
ich durfte hineinschauen.
auch ich öffnete mein herz – es war eine grosse nähe zwischen dem wildapfelbaum und mir.
ich betrachtete ihn noch von mehreren seiten.
beim verabschieden versprach ich wiederzukommen.

WILDAPFEL_IV

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PARADIESGARTEN…

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nur wenige menschen glauben, das paradies auf erden gefunden zu haben.
sie tragen eine ahnung in sich, dass das paradies der ersehnte platz sein könnte. wie und wo er ist, können sie nicht sagen. es ist mehr ein gefühl, das geborgenheit vermittelt, nach der sie sich sehnen. ein innenort sozusagen.

wenn ich mit meiner mutter in ihrem garten sass, die sonne schien und die vögel zwitscherten, muss sie diesem gefühl ganz nahe gewesen sein. sie sagte, dies ist mein paradies, breitete beide arme mit geöffneten handflächen, als wolle sie ermessen, was ihr so zu herzen ging.

in letzter zeit, nach ihrem tod, ich kenne den zusammenhang nicht, bin ich in einem kleinen teil meiner erinnerungen hocken geblieben – es ist der hoppegarten, der mir gegenwärtig ist aus meiner kindheit und nichts gegenwärtiger als dieser.
wir waren auf ein dorf evakuiert. wir hatten einen garten und noch einen und noch einen, in dem meine mutter pflanzte und erntete für unser leibliches wohl.
dieser fleck erde ist mir mit seinen gerüchen und farben und ereignissen vor augen, wenn ich kindheit denke. das paradies meiner kindheit.

heute fotografiere ich im urwald mit schöner regelmässigkeit und ausdauer.
ich gehe auch schon mal über die grenzen in den angrenzenden reinhardswald.
letztens als ich die huteallee in beberbeck und die gebäude der domäne fotografierte, kamen mir die gedanken, dass ich meine paradiesische zeit nicht verloren habe, dass ich sie nur verlegt und ausgedehnt habe. die ganzen wälder und felder ringsherum ein einziges paradies.

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SCHÄTZE DER NATUR…

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wie zierlich, wie wunderbar, wie mannigfaltig der bau der pflanzen auch immer sein mag, ein ungeschultes auge entdeckt zunächst nichts daran.
diese beständige übereinstimmung und doch wunderbare verschiedenheit, die in ihrer organisation herrscht, begeistert nur den, der bereits eine vorstellung von dem pflanzensystem hat.
alle anderen können vor all diesen schätzen der natur nur eine stumpfe und einförmige bewunderung empfinden.
sie sehen nichts einzelnes, weil sie nicht einmal wissen, was sie denn ansehen sollen, aber auch das ganze sehen sie nicht, weil sie keine vorstellung von jenem geflecht von verbindungen und von verknüpfungen haben, das den geist des beobachters mit seinen wundern überwältigt.
mein schwaches gedächtnis hielt mich stets auf jener glücklichen stufe, gerade wenig genug zu wissen, damit mir alles stets neu bleiben konnte, und doch genug, damit mir alles verständlich war.

rousseau

50 JAHRE KOBUSHI-MAGNOLIE…

kobushi-magnolie
im bergpark wilhelmshöhe
GUTE BOTSCHAFT AUS JAPAN

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aus japan kommend
sendet sie schönheit und duft
als weisse blütenwolke
entfaltet sie tausend
und abertausend blütenflügel
von weitem leuchtet es
durch den park
schenkt freude
lässt erstaunen

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die pracht dauert nicht sehr lange
nach dem nächsten regen wird sie
vorbei sein, um dann im nächsten
jahr wieder zu erscheinen

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im jubiläumsjahr
blüht dieser magnolienbaum besonders üppig.
1961 gepflanzt ist er 50 jahre alt.
erst sehr spät entfaltet diese art ihre blütenpracht.
in „bäume und sträucher“ ist sie mit 15 jahren,
bei wikipedia mit 30 jahren angegeben.

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dieser hier gehört auch zu den beiden, die 1961 gepflanzt wurden!!
er steht an anderer stelle, unweit vom ersten.