Bäume sind Heiligtümer.
Wer mit ihnen zu sprechen,
wer ihnen zuzuhören weiss,
der erfährt die Wahrheit.
Sie predigen nicht Lehren und Rezepte,
sie predigen,
um das einzelne unbekümmert,
das Urgesetz des Lebens.
hermann hesse
wer sagt, dass bäume nicht tanzen. dieser reckt sich der sonne entgegen – mit letzter kraft. wie ich ihn dafür bewundere…

und dieses hier – das allerschönste urwaldwesen, was ich im vergangenen jahr hier sah. sonnenhungrig wie wir menschen auch.
der kamineiche wieder mal ins geäst geäugt. eine vielzahl an formen und farben reizen immer wieder. nie sind die bilder auch nur ähnlich.

unterschiedliche entfernungen – geben sehdenkaufgaben…

gute bäume,
die ihr die starr entblätterten arme reckt zum himmel
und fleht wieder den frühling herab!
ach, ihr müßt noch harren, ihr armen söhne der erde,
manche stürmische nacht, manchen erstarrenden tag!
aber dann kommt wieder
die sonne mit dem grünenden frühling euch;
nur kehret auch mir der frühling und sonne zurück?
harr geduldig, herz, und bring in die wurzel den saft dir!
unvermutet vielleicht treibt ihn das schicksal empor.
Johann Gottfried von Herder (1744 – 1803)

heute wäre sie, ANNA ELISABETH – 99 geworden, wenn, ja – wenn …
das weiberkränzchen wäre eine gute idee, wenn, ja – wenn…
vor gut 10 jahren wollte sie noch 106 werden. als sie dann auf die neunzig zuging, befand sie, ach es reicht eigentlich. aber sicher war sie sich nicht. wenn wir im garten saßen und die sonne schien, sah alles wieder anders aus.
die wehwehchen hielt sie mit tabletten in schach. von ihrem krebs wußte niemand etwas – auch sie nicht. seitdem sie allein lebte ging es ihr einfach gut – wie man so sagt. um das zu zeigen, nahm sie, ging sie die treppe vom garten ins wohnzimmer hoch, gleich zwei stufen auf einmal. als ich sagte, dass ich mich heute nicht mehr trauen würde, mein wohnzimmer zu streichen, sagte sie – ich helfe dir. bis zuletzt gab es nichts, was sie sich nicht mehr zutraute. als ihr konrad noch lebte, fuhr sie ihn bis nach loekken, obwohl sie sonst nie auto fuhr und erzählte dann – im elbtunnel – ich immer vorne weg und die anderen alle hinter mir her…
das bild machte ich ihr nicht kaputt. bis zuletzt sorgte sie für sich und haus und garten – mit wenigen ausnahmen. die hilfe von enkel mirko nahm sie gern an. sie liebte, wenn man sie besuchte und zwitscherte und trällerte ihre lieder ganz so, als sei die welt in ordnung.
gern würde ich noch einmal mit ihr im garten sitzen, gern würde ich noch einmal ihr rosadorchen hören – doch das leben ist kein wunschkonzert…
HERLICHEN GLÜCKWUNSCH ANNA ELISABETH
von deiner tochter rosadora
EIN LUSTIGES WEIBERKRÄNZLEIN…
2008

brigitte 73, anna-elisabeth 88, rosadora 67…
anna elisabeth will 106 werden, rosadora, ihre tochter, sagt, sie überlebt mich, und brigitte, rosadoras freundin, will überhaupt nicht sterben. ein lustiges weiberkränzlein – wenigstens manchmal
…….
brigitte wird sich mit 120 überlegen, ob sie noch weiterleben will, anna-elisabeth hätte nach eigenem wunsch noch 18 jahre zu leben, rosadora, legt sich nicht fest, obwohl sie auch mal 103 werden wollte…
elbphilharmonie – eröffnung – foto: clara tuschick
stillhalten. sich um nichts bemühen.
nicht um reisen und ruhm,
nicht um liebe und geld.
es kommt, was soll.
zu frühen ruhm soll man fürchten.
in unserer welt ist nichts
ohne preis des verzichts zu haben.
die lange entbehrten sind entbehrliche gaben.
ist man alt,
schätzt man hoch, was man hat:
einen sonnenmorgen im frühen april.
an der birke das erste knospende blatt.
und die freiheit zu sagen: ich will – ich will nicht.
niemand kann mich zwingen,
um geld und ruhm mein lied zu singen,
wenn ich beides nicht brauche.
ich kann drauf verzichten, dass man mich kennt.
ich kann heimlich dichten.
und immer
ist da, wo ich bin, die welt.
eva strittmatter
fünfzehn jahre steht dieser blaue topf mit den geklauten ablegern schon an meinem nordfenster und erfreut mich regelmäßig von weihnachten bis zu meinem geburtstag im februar mit schönsten kleinen weißen blüten. es dauerte jahre, bis ich herausfand, dass es
Ludisia discolor „Dawsoniana“ ist, die auch als Juwel Orchidee „Red Velvet“ verkauft wird.
Ludisia discolor ist in China und Südostasien beheimatet. Sie blüht einmal im Jahr, vorwiegend in den Wintermonaten.
mehrere jahre habe ich in der schweiz gelebt. wenn meine kinder und enkel zu besuch kamen, gingen wir im wiler schloß essen. mit paul, 4 jahre, schaute ich zwischendrin die räume im schloß an. auf einer fensterbank stand diese besagte pflanze, von der ich mir einen ableger nahm. man muß sie sich selbst beschafft haben, sonst gehen ableger nicht an – sagt man.
paul bemerkte mein heimliches tun, und ich kann mich noch an sein gesicht erinnern, in dem stand, was machst du denn da. ich zog die schultern und steckte den ableger in meine jackentasche.
erst jetzt nach 15 jahren kann ich mich so recht erfreuen, weil es eine so unkomplizierte pflanze ist, die mir so zuverlässig und immer wieder das neue jahr einläutet. 8 lange blütenstengel treibt sie mit schneeweißen rispen und bis zu 10 kleinen blüten. sie erfreut mich das ganze jahr über. die verblühten rispen lasse ich an der pflanze, dann schaun sie aus wie kleine strohblumen. erst bevor sie wieder neue blüten austreibt nehme ich sie ab und werfe sie auch dann noch nicht fort. sie kommen in eine vase ohne wasser. so ist es ein ganzer kreislauf der RED VELVET – rund ums jahr reine freude.
mit gewaltiger gebärde
der welt sagen
was sie verletzt
immer mehr engel
verlangt es
um sie zu retten
herausfordern
die menschen
aus ihrem
lauten schlaf
ihnen die augen öffnen
und die ohren
damit sie sehen
die erde
die schützenswerte
die geschöpfe
die die chance hätten
menschen zu werden
Du nahmst dir alle Sterne
Ueber meinem Herzen.
Meine Gedanken kräuseln sich
Ich muß tanzen.
Immer tust du das, was mich aufschauen läßt,
Mein Leben zu müden.
Ich kann den Abend nicht mehr
Ueber die Hecken tragen.
Im Spiegel der Bäche
Finde ich mein Bild nicht mehr.
Dem Erzengel hast du
Die schwebenden Augen gestohlen.
Aber ich nasche vom Seim
Ihrer Bläue.
Mein Herz geht langsam unter
Ich weiß nicht wo –
Vielleicht in deiner Hand.
Ueberall greift sie an mein Gewebe.
wird zur FUNKELNDEN… hier vor fünf jahren – 2011
sie hat sich ein weisses häubchen aufgesetzt. ihre augen schauen sorgenvoll. es weht ein kalter wind.
heute trennen wir uns von altem, um neues beginnen zu können. das setzt energie frei, und derer bedarf es, damit das neue gelingen kann. wir tanzen, um alles überflüssige abzuschütteln, schlagen die trommeln, drehen uns im kreis – im kreis, bis uns schwindelt, oben und unten durcheinander gerät. neuordnen, uns dem lebensrhythmus einquirlen. lebendig soll es werden und voller freude.
die weise alte wird begeistert sein, wenn sich etwas tut. die guten energien sind angezapft. nichts geht verloren. jede bemühung bringt uns einen schritt weiter, einen schritt hin zum immerwiedergeborenwerden – tag für tag. jede fantasie ist erlaubt, baut eine neue welt. aus der ALTEN DER ZEIT wird so die FUNKELNDE. sie begleitet uns auf unseren wegen. sie macht uns mut.
die weise alte hat sich in einem baum manifestiert. an unserem tanz will sie teilhaben. es juckt sie bis in den hals hinein, so gerne möchte sie mittanzen. doch hat sie diese erscheinung in einem baum selbst gewählt und muss froh sein, dass sie an diesem platz eine so gute sicht hat und alles verfolgen kann.
sie wird uns das jahr über begleiten und schaun, ob die entscheidungen, die wir getroffen haben, in die ordnung passen.
der weltenordnung ist sie verpflichtet, das sollten wir wissen und uns an ihr ein beispiel nehmen.
… und heute… 2016
sie hat sich verdoppelt. aus einem gesicht sind zwei geworden. siamesischer zwilling oder trennt sich die funkelnde von der weisen alten. sie scheinen mir sehr unterschiedlich. immer freue ich mich, wenn sie noch da ist – die weise alte in doppelgestalt…
fürs NEUE JAHR ein NEUES BUCH
AALIYAH die helle hübsche und andere urwaldwesen
nach dem buch DIE DUNKLE SCHÖNE nun DIE HELLE HÜBSCHE
die urwaldwesen locken meine gedanken heraus. sie sind zu meinen begleiterinnen geworden. ihre geschichten sind meine geschichten. ich bemühe mich, ihre sicht der dinge zu sehen, was bis zuende gedacht ja nicht stimmen kann. es kann nicht stimmen, weil ich kein baum bin, weil die gedanken, die ich mit ihnen tausche, ja absolut menschengeschichten, also meine geschichten sind. bei aller empathie gelingt mir das nicht, dabei komme ich ihnen sehr nahe – und immer wieder. sie sind mir gute bekannte geworden über die jahre.
zwischen der DUNKLEN SCHÖNEN und der HELLEN HÜBSCHEN liegen fünf jahre.
auch die HELLE HÜBSCHE begegnete mir vor fünf jahren. dass ich sie nun wiedergefunden habe, war eine große überraschung für mich, zumal die DUNKLE SCHÖNE nicht mehr als solche zu erkennen ist. das verfallsdatum ist sehr unterschiedlich. meine erfahrungen und beobachtungen kann ich daran messen – so ich will. und ich will…
zu bestellen im verlag BoD – 116 seiten – oder bei mir – 9,90 euro plus porto