WASSERLILIENGARTEN…

IM BOTANISCHEN GARTEN IN HAMBURG

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Das sind die Blumen, die wie Kirchen sind.
Ein Blick in sie hinein zwingt uns zu schweigen.
Wie Weihrauch fromm berauschend strömt ihr Duft,
Wenn wir uns zu der schönen Blüte neigen.

Sie sind wie Schmetterlinge dünn und zart.
Und wissen ihr Geheimnis doch zu hüten.
Es hellen goldne Kerzen sanft den Pfad
Ins Allerheiligste der Wunderblüten.

Francisca Stoecklin (1894-1931)

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S O M M E R . . .

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die mondin war zu früh dran,
die sonne lässts gleich ganz sein,
und ich denke, unverschämter könnten wir nicht sein,
als nach so einem wunderbaren sommerlenz
den schönsten sommer aller zeiten zu erwarten.

na, lassen wir uns überraschen.
die blumen werden uns treu sein
und unabhängig von sonne und mond
ihre farben zücken und uns erfreuen,
diese zuverläassigen herzensbrecher.

und – sing ein lied, wenn du mal traurig bist…

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ADLERFARN…

MEIN NEUES BUCH IST DA
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ADLERFARN
EINE HASSLIEBE IN BILDERN
reinhardswald
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farne entführen in das zauberland des schattens. sie sind symbole des schattens, des geheimnisvollen und des verborgenen. feen und zwerge tummeln sich unter farnen. den farnfeen das geheimnis des farns zu entlocken, ist ein schwieriges unterfangen. feen sind verschwiegene wesen und für die meisten unsichtbar obendrein. nur, wer den farnsamen bekommen hat, ist ebenso unsichtbart und kann sich mit ihnen verbinden. das ist dann ein zustand, oder besser gesagt ein geistesumschwung, der geheimnisse nicht mehr als solche betrachtet, sondern als etwas gegebenes.
so besteht keine gefahr, dass ein menschliches wesen, das den farnsamen hat, also unsichtbar ist, diese geheimnisse preisgeben könnte. dass es viele geheimnisse sind, ist ziemlich sicher. eigentlich hat jedes farnwedele sein eigenes und insgesamt, jeden wedel mitgerechnet, kommt da ein riesiger geheimnisberg zusammen. den abzutragen ist den menschen nicht gegeben.

HIMMELSREISENDE…

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der blaue himmel ist mir etwas fade.
wenn die wolken kommen und ihn schmücken
mit ihrem grazilen bis plumpen gewölk,
bin ich entzückt.
sie besetzen den himmel meistens für nicht
lange zeit, ziehen ihre bahnen der veränderung.
nicht immer ballen sie sich zusammen zu gewitterwolken.
dann sparen sie ihre energie und sind einfach nur
himmelsreisende.

wenn ich so durch die felder streife,
schaue ich mehr nach den wolken
als nach dem mohn, den ich suchen wollte.
gewölk zieht weiter, manifestiert sich nicht zu
dicken wolkenbündeln.
heute also kein gewitter.
ein rundum schöner, erlebnisreicher tag.
was kann es schöneres geben, als wolken am himmel.

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DAS LEBEN MIR ZUM BILDE…

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In meiner Tage Morgen, 

Da lag auch ich einmal, 

Von Blumen ganz verborgen,

In einem schönen Tal. 

Sie dufteten so milde!

Da ward, ich fühlt es kaum,

Das Leben mir zum Bilde,

Das Wirkliche zum Traum.

ludwig uhland
aus: der mohn

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wie es mich auch sog
in jede mohnblüte hinein
wagte ich nicht
mich zu legen
in dieses blumenbett
seine enorme grösse
hätte es zugelassen
es war früher morgen
im schlaf noch verhangen
hätte der traumgott mich wahrlich
in seine tiefsten tiefen tragen können

mohn – des schlafes schwester
kamille – die heilerin vieler übel
sie scheinen zusammmen zu gehören
heilschlaf
gesündester aller

ich kann ihn nicht verschweigen
den duft der kamille
und das giftige wallen
aus dem geriebenen blütenblatt
des mohnes
in meiner hand

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DER BAUM IST EIN BAUM, IST EIN BAUM, IST EIN BAUM…

der baum ist ein baum, ist ein baum, ist ein baum…

dieser hier ist es schon ziemlich lange, an unserem eigenen leben gemessen.
einmal wird er nicht mehr baum sein, so wie wir einmal nicht mehr mensch sein werden.
nicht jeder baum hat so einen ort, von dem er nicht fort muss.
dieser hier steht unter naturschutz.

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dieser hier ist schon gereist, was nicht viele bäume von sich sagen können.

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2006 hat er die reise angetreten, da hat ihn johannes graf auf einer briefmarke verewigt.
verewigt ist vielleicht übertrieben. ich denke mal, dass die originaluralteiche die briefmarke überleben wird.

verbundenheit, mal mehr, mal weniger, dieses verpflichtende wort, zwischen den dingen, den menschen, den taten. verbunden sein mit allem. verknüpfungen herstellen, damit wir verstehen.
an verschiedenen orten passiert ähnliches, in anderen gegenden wachsen gleiche gestalten, gleiche bäume.

so hat caspar david friedrich bei seinen baumstudien einen ganz ähnlichen baum entdeckt. auch dieser sieht aus wie eine uralteiche. ob er ihr verbunden war, kann ich nicht sagen. imponiert haben wird sie ihm schon, um ihm als objekt zum zeichnen zu dienen.
viele dinge dienen uns, nicht nur zum zeichnen. wir nehmen sie in unsere dienste, ohne zu fragen.

mit meinem baum rede ich, ich begrüsse ihn und frage, ob ihm meine gesellschaft angenehm ist. für seine vielen geschenke bedanke ich mich.
letztens klopfte ich an, als ob ich durch eine tür zu ihm gehen wollte. das klang ganz hohl, was mich verwunderte, sehr verwunderte, weil ich ein florierendes wasserwerk in ihm vermutete, so, wie das im fs oft gezeigt und erklärt wird. aber kein baum war davon so alt.
und nun grübele ich, wie er das schafft, leben immer wieder in sich aufkeimen zu lassen.
es gibt äste an ihm, die sind ganz grün und üppig belaubt. junges und altes so dicht beieinander. ganz bedeutungsvoll ist er mir, wenn ich auf seinen baumwurzeln unter ihm stehe. sobald ich von ihm wegtrete, fällt er ins nichts und erst in meinen bildern und gedanken wird das erlebte wieder lebendig.

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und, als wäre caspar david friedrich am gleich ort gewesen, eine baumreihe, wie auf den beberbecker huden.

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weltweit scheinen die bäume die gleiche sprache zu sprechen.
hier ein oelbaum auf der insel mallorca.
den hat sohn mirko bei seinem besuch dort gefunden und fotografiert.

olivenbäume übertreffen die eichen noch an alter, und so einen sah ich bisher noch nicht.
er muss einer der ältesten und eindrucksvollsten oelbäume der welt sein.
er nimmt sich aus wie ein gedenkbaum für alle oelbäume stellvertretend.

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NOTATIONEN EINER URALTEICHE…

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was ist kunst?
das, was die natur hervorbringt, oder das, was wir, durch sie angeregt, nachahmen?
ich neige dazu, ersteres anzunehmen. schliesslich hat die natur die älteren anrechte.
sie war vor uns da.

die zartesten muster hat diese uralteiche in seine rinde gezeichnet.
sie sind für mich wie gedichte aus wind und sonne.
wie noten eines sehr alten liedes.
wie allerfeinste stickereien.
wie notationen eines wesens, das wir nie ergründen werden.

sich einem baum anzunähern, das ist ein ungeheures anliegen, nur in kleinsten nuancen erreichbar.
heute zeigt er mir ein klar erkennbares bild, morgen kann ich es nicht mehr finden.
er lehrt mich, immer neu zu schauen.

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