ANGELUS BAUMI…

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es sieht aus, als würde ich gerade einem geburtsvorgang beiwohnen, der geburt eines urwaldengels. dabei hatte ich angenommen, dass sie vom himmel kämen und leben und tod längst hinter sich hätten.
er reckt sich in der sonne, dem lichte entgegen. hier bin ich, scheint er zu rufen und macht mit ausgestreckten armen auf sich aufmerksam. es ist eine freude, ihn in seinem holzgemasertem kleid anzuschaun. er strahlt zuversicht aus.
er hat mich überrascht – urwald und engel. da muss ich meinen kleinen geist weiten und mir klar machen, dass in einem urwald jede gestalt stellvertretend erscheint. und in diesem falle wird das erscheinen sehr deutlich.
vorerst lasse ich ihn gewähren. er muss ja erst einmal begreifen, dass er als urwaldengel nicht hinauf in den himmel kann, dass er gefesselt ist in seinem baum. ob ihm diese tatsache sicherheit geben wird, weil er jetzt ja einen festen platz hat, oder ob ihn die sehnsucht nach grösseren flügen zerfressen wird, ist nicht zu sagen.
ich zermardere mir den kopf, was ihn dazu getrieben haben könnte, sich ausgerechnet hier zu manifestieren. und ob ihm bewusst ist, dass er an dieser stelle einen ganz bestimmten auftrag erfüllt.
in dieser aufrechten gestik könnte es sein, dass er die menschen wachrüttelt – nicht soll, denn ein bewusstsein rechne ich ihm nicht zu. vielleicht täusche ich mich ja.
mein wort an ihn zu richten würde ihn sicher irritieren, auch meine frage, warum seine flügel so kurz geraten sind, oder ob sie ihm unterwegs abhanden gekommen sind. erst noch muss ich mich mit ihm vertraut machen.

dass ich ihn fliegen lassen werde in meinen gedanken, werde ich ihm später sagen

MEIN SCHAUKELHERZ…

rechtzeitig vor weihnachten
zum lesen – verschenken

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MEIN SCHAUKELHERZ

GEDICHTE

Klappentext des Buches

mein schaukelherz
schwingt im jasmin
meine sommerhaut
zirpt nach deinen blütenfingern
hochzeit feiern wir
wie in jedem jahr
und die nachtigall
und die nachtigall
könnt nicht schöner singen
leise erklingt ihr lied
und immer leiser

Books on Demand
ISBN 978-3-8423-3216-4,
Paperback, 88 Seiten

in jeder buchhandlung
bei amazon
bei mir

€ 9 90 *inkl. MwSt.

ALLERLEI GETIER IM URWALD…

jetzt rundet sich das jahr, mein urwaldjahr. in fast wöchentlichen abständen habe ich meine beobachtungen gemacht. es sind jedesmal neue. immer sieht es anders aus, immer wieder entdecke ich neues. das wird auch nicht enden.
der urwald ist mir zur lebensrettender gewohnheit geworden. die bäume und fantasietiere sind mir vertraut. sie gehören zu meinem leben.

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die riesenschlange hält sich mühsam aufrecht…

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mein kriechtier überrascht mich im grünen überzug…

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diesen knülch hier sah ich noch nie…

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baumengel überschaut alles…

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lahme ente duckt sich und will gestreichelt werden…

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der quack schreit laut, damit ich ihn nicht übersehe…

UNSTERBLICH IST DIE LIEBE…

MEIN NEUES BUCH IST DA – NEUE AUFLAGE

UNSTERBLICH IST DIE LIEBE
jüdischer friedhof kassel

88 Seiten auf fotopapier
paperback 17,90 EURO
ISBN 978-3-8391-8183-6

zu bestellen in jeder buchhandlung
oder bei mir

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jüdische friedhöfe geben anschauliche zeugnisse jüdischer geschichte, sind vergangenheit und zukunft gleichzeitig. israelische glaubengrundsätze, zu denen die unantastbarkeit der totenruhe gehört, gewähren den gräbern und grabmalen ein ewigkeitsrecht.

in die ewigkeit ‚wachsen’ können die jüdischen friedhöfe auf diese weise, sofern ihnen in der konfrontation mit verschiedenen geisteswelten nicht das zerstörerische ansinnen anderer widerfährt – was in vielen jahrhunderten der fall war (nicht nur während der hitlerzeit). die ethnologie sagt uns, dass die kultur eines volkes im verhalten zu seinen toten und dem tod am deutlichsten wird.

diese geschichte schwingt zwischen leben und tod, zwischen den gräbern auch. sie rührt an tiefere schichten, auch wo sie in leichteren tönen schwelgt.

MUT ZU SCHREIBEN…

es gehört viel mut dazu zu schreiben.
zu schreiben, wenn es eigentlich gar nicht schreiben will.
es schreibt, oder es schreibt nicht.
dieses ES, es macht mir klar, wie abhängig ich von ihm bin, wie ich ohne dieses ES den ton nicht treffen kann.
ich kann schreiben, aber es ist wie eine mahlzeit, die ich nicht essen will.
ich zwinge mich.
muss mich zwingen, wenn ich sagen will, ich schreibe.
etwas in mir ist dann nicht mit im spiel.
etwas im text ist so, als würde die tiefe echtheit fehlen.
so aufgesetzt, fällt er leicht in sich zusammen.
lacht mich hämisch an, ach so siehst du das.
es sind zwei, die im clinch liegen, das ES und das ICH.
das eine weiss das andere nicht so recht einzuschätzen.
hörten sie sich gegenseitig einmal zu, kämen sie auf die unterschiedlichkeiten, die sie bei gutem willen tolerieren könnten.
aber da sie sich nicht zuhören, kennen sie einander nicht wirklich.

an einem frühlingsabend, da waren sie beide so besoffen vom linden lüftchen, das sie rüttelte, dass sie zueinander purzelten und gemeinsam riefen: na klar, ja, so.
wie denn anders.
das sehe ich genauso.
sie fielen sich um ihre buchstäblichen hälse und schleuderten die tanzbeine in der luft herum.
die stimmung war locker und das ICH und das ES ebenso.
sie rieben sich aneinander und erzeugten beschwingte tanzweisen.
eine ganze weile ging das so.
beide glaubten, sich geeinigt zu haben und sahen schon einer hoffnungsvolleren gemeinsamen zukunft entgegen.
aber das blasierte ICH, verfiel da schon wieder der grübelei und bedenken trafen es mitten im tanzen.
das ES, mit seiner grossen fähigkeit zu merken, gab dem ICH in grosser enttäuschung einen solchen stoss, dass es den abhang hinunter kullerte.
scher dich zum teufel, mach dass du wegkommst, du arroganter schnösel.
das ES wälzte sich im wiesengrün, trampelte den ganzen lerchensporn nieder und flöste sich eine pulle vergissdiewelt ein. es hörte das ICH gar nicht mehr stönen.
das lag platt darnieder und grollte seinem säuferchen, das es so umgehauen, eingelullt und ausserkopf gebracht hatte.
in dieser nacht wurde kein wörtchen mehr geschrieben.

sie schrieben auch weiterhin und bekämpften sich auf die übelste weise.
das ES verliess sich deutlicher auf seinen bauch und das ICH musste sich damit herumschlagen, dass es zwischen den zeilen die flöhe husten hörte.
als SIE mit ins spiel kam, machten das ES und das ICH eine grosse verbeugung und nahmen sich zusammen wie kleine schulkinder.
SIE war nicht immer gewillt in erscheinung zu treten, und so ging das alte lied wieder los.

es gehört mut dazu zu schreiben…

aus:
IM WORTHAUS WOHNEN (erscheint demnächst)
rosadora g. trümper tuschick