ALTE TÜCHER…

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… gedanklich greifen wir gerne zu alten tüchern – festen meinungen, an die wir uns lehnen wie an ein gerüst. wie alte tücher sind auch alte gedanken porös und brüchig. als menschen sind wir in einen fortgang eingebunden. so rasant er auch zu werden scheint, wir können uns ihm nicht entziehen. wir selbst treiben ihn an. immer schneller. immer spezieller. so weit, bis er uns einmal überholt und wir keine tücher und keine gedanken mehr brauchen – schon gar keine alten.

aus:
rosadora g. trümper tuschick
zeitlebens

WAS SOLLEN WIR TUN…

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und wir alle, was sollen wir tun mit dem wort, das uns geschenkt wurde, als es an seinen wurzeln zu packen und es beschwörend den erdball überziehen zu lassen, auf dass es seine geheime, einigende kraft hingibt an eine eroberung – die einzige eroberung auf der welt, die nicht weinen, die lächeln gebiert:
DIE EROBERUNG DES FRIEDENS.

nelly sachs

aus:
veronika merz
das universum des unsichtbaren

VERSÄUMNISSE…

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SILVIA BOVENSCHEN

´ einmal fragte mich jemand, ob ich glaube, in meinem leben etwas versäumt zu haben. ich war erstaunt, dass mir gar nicht so viel einfiel. ich gab die frage an meine freundin s. sch. weiter. sie überlegte lange. ich wartete auf eine dramatische antwort. dann sagte sie: ´ich bin nicht motorrad gefahren.´
mir fällt auch noch etwas ein: ich konnte nie auf zwei fingern pfeifen.´

aus: älter werden

ich holpere auch herum und überlege, ich würde gern alle sprachen der welt, wenn auch nicht sprechen, so doch verstehen können.
etwas unverschämt, oder.

es schneit – schon wieder
ooooo wie schön
rosadora

ANLEITUNG ZUM GUTEN LEBEN…

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Joseph Beuys

Lass dich fallen, lerne Schlangen zu beobachten.

Pflanze unmögliche Gärten.

Lade jemanden Gefährlichen zum Tee ein.

Mache kleine Zeichen, die “ja” sagen

und verteile sie überall in deinem Haus.
Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit.

Freue dich auf Träume.

Weine bei Kinofilmen.

Schaukle so hoch du kannst mit einer Schaukel bei Mondlicht.
Pflege verschiedene Stimmungen.

Verweigere dich,’ verantwortlich zu sein’ – tu es aus Liebe!

Mache eine Menge Nickerchen.

Gib Geld weiter. Mach es jetzt. Es wird folgen.

Glaube an Zauberei, lache eine Menge.

Bade im Mondschein.
Träume wilde, fantasievolle Träume.

Zeichne auf Wände.

Lies jeden Tag.

Stell dir vor, du wärst verzaubert.

Kichere mit Kindern, höre alten Leuten zu.

Öffne dich, tauche ein. Sei frei. Preise dich selbst.
Lass die Angst fallen, spiele mit allem.

Unterhalte das Kind in dir. Du bist unschuldig.

Baue eine Burg aus Decken. Werde nass. Umarme Bäume.

Schreibe Liebesbriefe…

FÜR DEN TAG DANKEN…

für den tag danken,
so blau der himmel,
so weiss die welt,
so kalt der winter.

das ist einmalig, das ist zum juchzen zum brüllen gar, so schön dieser klirrendkalte wintertag unter blauestem himmel.
ein märchenwald, dicker schnee auf den bäumen – einfach zum träumen. und die menschen strahlend, weil die sonne mal wieder scheint.
immer mal wieder wünsche ich mir so einen fotogenen wintertag.

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HIMMEL UND HÖLLE…

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als kinder haben wir uns noch keine gedanken darüber gemacht, wie dicht himmel und hölle beieinander liegen.
mit einem bein im himmel, mit dem anderen in der hölle. da bedurfte es schon eines mächtigen schwunges die kurve zu kriegen und drehend und hüpfend aus beiden wieder herauszukommen. 6, 5 + 4 nochmal eine krätsche, und 3, 2, 1 und nichts wie heraus aus dem hickelhäuschen.
mit einem kettchen oder einem stein musste man sich hochhangeln. erst die 1, die überspringen und auf dem rückweg das kettchen wieder aufnehmen. dann die 2, 3, 4, 5 usw.
lange hab ich nicht gesehen, dass kinder dieses spiel spielen.
ich werde meine enkelin fragen, 8 j., ob sie es kennt und es mit ihr spielen…

dieses ist ein griechisches gebilde – da geht es bis zehn.
bei uns geht es nur bis 8.

VIEL MEHR DINGE…

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in einem geschlossenen kästchen wird es immer viel mehr dinge geben
als in einem offenen kästchen.
die verifikation ist der tod des bildes.
immer ist einbilden grösser als leben.

verifikation (nachprüfen)

gaston bachelard