Check Point Prosfygika
…ALTE TORWACHE KASSEL…
die spur, die nach kassel führt, die ibrahim mahama mit seinen jutesäcken legt, ist deutlich nachvollziehbar, ja spürbar – von asien über ghana und athen nach kassel.
Wer webt, verpackt, belädt und transportiert, hinterlässt auch seinen Schweiß, seinen Namen, Daten und andere Koordinaten auf den Säcken. Aus den Säcken werden Häute mit Narben, die eine soziopolitische und wirtschaftliche Vorgeschichte erzählen.
sie haben eine deutliche sprache, lassen kein mißverständnis aufkommen von dem, was sie erlebt haben und uns in aller deutlichkeit mitteilen.
ibrahim mahama ist mit seiner kunst verwoben, er meint es ernst und sagt es deutlich. sein name muß bei der d14 herausragend genannt werden. alle bisher schon vergebenen kunstpreise, wieso eigentlich, hätten ihn in erster linie berücksichtigen müssen.
ibrahim mahama ist anwesend in seiner kunst, ist persönlich zugegen, er begleitet sie gewissermaßen vom ersten erscheinen an bis zu ihrer letztlichen bestimmung. er hat sie gekauft und eingetauscht, er hat sie mit mitarbeiterInnen genäht – auf dem syntagmaplatz, in der henschelhalle und hat beim verkleiden der torwache hand angelegt – er war immer teil seines tuns, wie kein anderer künstler auf der d14. die haben sich zu fototerminen ablichten lassen und haben machen lassen. ibrahim hat mit den menschen gesprochen, hat ihnen rede und antwort gestanden und mit seinem freundlichen wesen beeindruckt und überzeugt, dass das, was er tut, ein notwendiges ist.
IBRAHIM MAHAMA sollte dafür einen besonderen preis bekommen. die menschen, die ihm begegnet sind, werden es befürworten. den
SONDERPREIS für EHRLICHES ENGAGEMENT und WAHRHAFTIGKEIT
verleihen ihm die besucherinnen und besucher der documenta14, die bewohnerInnen der stadt kassel. ihnen ist durch die verkleidung der torwache mit den jutesäcken erst klar geworden, dass hier ein wesentlicher bestandteil, nämlich der eingang oder die einfahrt in ihre stadt, sichtbar geworden ist. es fehlt ihm der bogen, der wurde nie gebaut – aber so finde ich die pforte unbedingt eindrücklich genug. vielleicht sollte sie auch nach der d14 erhalten bleiben – solange, bis sie wieder zerfällt. sie, die pforte, würde sich damit abheben von all den anderen prächtigen prunkstücken vergangener documentas mit ihrem ewigkeitsrecht.
dreh mich doch mal um. ich will doch nicht dauernd diese jeans angucken müssen. elkes mutter sitzt im rollstuhl. aus ihrer sicht gesehen stelle ich mir ein projekt mit ihr vor, in dem sie, also die 92 jährige, aus dem rollstuhl heraus fotografiert. mal sehn, ob wirs hinkriegen… spannend auf jeden fall.
kinder, hunde, kameras – kontaktwesen und gern genutzt. kameras sind auf der d14 die renner…
Stephen Antonakos, ANTIDORON






hier ist es eberhard. ich spreche ihn auf seine wunderbare leinenhose an, die ich hier nicht so ohne weiteres bekomme. leinen – ein wunderbar sommerliches material und aufhänger zum gespräch. er schaut etwas aus wie pierre huighes, den er nicht kennt. wir scherzen noch – soll ich sie ausziehn – ja bitte – dass er aus kassel ist verwundert mich und dass er tanzt, noch mehr. seelenverwandt… wo krieg ich nur so eine hose her.
stille zuschauer…


er war ein jahr jünger als mein vater, wie er im rußlandfeldzug und anschließender kriegsgefangenschaft. sie hatten sogar eine gewisse ähnlichkeit, haaransatz undso… ach, wenn er doch – der vater – nur hätte malen können. meine welt wäre eine andere gewesen.
erst als ich den lebenslauf der LORENZA erfahre, von einem choristen, der das werk mit einer gruppe betrachtet, werde ich etwas aufmerksamer. zweimal bin ich schon vorbei gekommen und es hat mich nicht unbedingt beeindruckt. fußmalerei ist ja nichts unbekanntes. was mich rührt, ist ihr/sein schicksal. ich kann mich noch an sie erinnern mit dem tänzerisch schwingenden gang. für mich war sie eine SIE ohne hintergedanken oder bedenken. contergan kam mir vielleicht in den sinn, tiefer stieg ich nicht in ihr lebensthema ein.

















