schwerstarbeit – das eine wie das andere…
BAUSTELLE BAHNHOF
jetzt die kunst zuerst…

a. wollte seine fotos ins blog haben – eine neue baustellenfirma – ein neuer ton – wunderbar – eine gute atmosphäre
es ist die fortsetzung meines themas zusammenbruch und wiederaufbau – sterben und leben – alles ist in bewegung – in der grössten unordnung existiert ein system – eine eigene nicht gleich ersichtliche ordnung – es ist ziemlich anstrengend sie auszumachen und zu finden und manchmal erfordert es ein blitzschnelles handeln (fotografieren) sonst ist die harmonie – die im bilde – wieder weg
die kunst ist im alltäglichen zu finden – oder auch – das wichtigste ist dass man sich dafür entscheidet – ich habe mich entschieden und tue es immer wieder und entdecke immer neue möglichkeiten – sehen entwickelt sich – ich schärfe meinen blick und finde und erfinde alles immer wieder neu…
NICHT AUF MEINE FÜSSE ROLLEN BITTE…
KUNST AM BAU…
BESUCH BEI DER MALERIN SALLY
es war ein tag der kunstrundgänge im vorderen westen – da musst du unbedingt reingehn – b. zeigte auf den durchgang zum hinterhof – das ist wie im paradies – ich ging also
wie im paradies kam ich mir nicht vor aber herzlich empfangen von sally – immer der roten linie nach – ich landete in der wohnung die zum ausstellungsort umgestaltete – schaute mich um – ein bisschen wie im märchen – du musst in die küche kommen – über kuchenduft und angenehmem gespräch vergass ich den grund… g. hätte am liebsten zugegriffen – nein der ist für w. der hat morgen geburtstag – der höhepunkt war dann dass ich das schlafzimmer betreten durfte wo rosa auf dem bett schlummerte und kaum gewillt war sich stören zu lassen – die zwillingsschwester von findeli meinem findekater aus sifnos – haargenau die gleiche gesichtszeichnung und auch die farbe gleich – na sowas… nur dass sie auslauf hat in den schönen hinterhofgarten – sally zeigt mir den ein- und ausschlupf – und findeli nicht
also noch die bilder – die gerieten vor alldem in den hintergrund – im atelier zwei frauen tief ins gespräch vertieft – gemütlich sahs hier aus – bilder hingen auch hier und von sanft bis aufschreiend farbkräftig und ins auge fallend – zu den flamingos muss ich noch mal – das scheint vorerst das hauptwerk zu sein – es gibt eine postkarte die darf ich mir mitnehmen
es ist sicher kein zufall dass ausgerechnet die walter hecker-schule in ARNOLD BODE-SCHULE umbenannt wurde – und wenn NELE der veranstaltung beiwohnte ist der grund dafür sicher nicht nur dass sie tochter des ARNOLD BODE ist
die verknüpfung ist „Die Rampe“ auf dem Gelände der Universität in Kassel. „Die Rampe“ ist ein Mahnmal für die Deportierten und Opfer des Holocaust und des nationalsozialistischen Regimes der Jahre 1933 bis 1945.
In dieser Installation hat E. R. Nele auch traumatische Kindheitserlebnisse verarbeitet, da sie von der Wohnung ihrer Großeltern in der Kasseler Fiedlerstraße täglich den Transport von Zwangsarbeitern beobachteten musste, die zusammengepfercht in Viehwaggons auf dem Gelände der ehemaligen Henschelwerke in Kassel antransportiert wurden.
Die „Rampe“ wurde am 8. Mai 1985 eingeweiht, dem 40. Jahrestag des Kriegsendes und der Befreiung vom Nationalsozialismus.“ wikipedia
ich suche NELEs werk und finde es hinter einem bauzaun in der moritzstrasse zwischen grossem baugehabe – die parkplätze davor versperren den blick zusätzlich – wahrlich kein repräsentativer ort – dass es keine beachtung findet liegt einzig in der tatsache dass man hinter zäunen verstecktem keine wertschätzung zollen kann – es ist ein hohn das denkmal für in vernichtungslager verbannte einzusperren – also ausgrenzung zu wiederholen – fast 30 jahre nach der entstehung des werkes muten mich die herausfallenden gestalten deren namenlosigkeit in leeren hüllen dargestellt ist an als wäre es aktuelles geschehen
nachdenklich und beunruhigt gehe ich von dannen – auch durch mein wissen dass heutzutage andernorts ähnliches passiert – nachdenklich über die eigene machtlosigkeit
VON GLEIS 13 IN DEN TOD
HNA 10.08.11
„Von Gleis 13 wurden am 9. Dezember 1941, am 1. Juni 1942 und am 7. September 1942 in drei Sonderzügen insgesamt 2500 Männer, Frauen und Kinder deportiert. Sie kamen aus Kassel, Eschwege, Witzenhausen, Guxhagen, Melsungen – dem ganzen Bezirk Kassel. Sie wurden in das jüdische Ghetto von Riga sowie in die Konzentrationslager Majdanek und Theresienstadt deportiert.
Sie wurden einen Tag zuvor von der Gestapo in zwei Turnhallen der Bürgerschulen 1 und 2 an der Schillerstraße kaserniert. Dort befindet sich heute die Walter-Hecker-Schule.“
anschliessen nehme ich das GLEIS 13 unter die lupe – es beunruhigt mich mir vorzustellen wie die vielen menschen hier verladen wurden – im tiefsten winter (dezember) in waggons ohne heizung und bei grösster hitze (juli) – hier noch beschrieben als personenwaggons dritter klasse also mit sitzmöglichkeiten
bei dem gedanken kann ich hier kaum stehen
heute und morgen werden auf den gleisen schon lange herumstehende waggons auseinandergenommen und entfernt – ob es einmal die transportwagen vom abtransport der juden waren weiss ich aufjedenfall sehen sie so aus – ich erkunde es – ich fotografiere und werde schon erwartet
HECKERSCHULE WIRD BODESCHULE…
2 jahre nach ende der 13. dOCUMENTA gibt es nun eine ARNOLD BODE-SCHULE in kassel – viele schülerinnen und schüler hatten zu diesem anlass kunstwerke erstellt zur umbenennung der schule und ehre arnold bodes. dem wirken dieses mannes und der wirkung der dOCUMENTA in der kunstwelt spürten sie nach und ist für sie geschichte – auch für mich ist es geschichte aber erlebte von der ersten bis zur letzten dOCUMENTA. auch ein bestimmtes bild von BODE hat sich eingeprägt – der mann die durch das viereck eines zollstocks schaut – kritisch die kunstwelt beäugt
die kunstwerke wurden gelobt und ausgezeichnet – es gab preise die von NELE verteilt wurden
es waren gelungene kunstobjekte mit viel fantasie und in der ansammlung aus vielen schulen eine runde sache. interessante ideen sind da zusammen gekommen – vielleicht ein schwerpunktthema in diesen schulen die kunst weiterhin kritisch im auge zu behalten und mit zu weben…
sicher war es ein grosser tag für nele – künstlerin und tochter des arnold bode – die jahre mögen an ihr vorbeigezogen sein in diesen stunden – vom holocaust – den sie mit ihrem werk DIE RAMPE verarbeitet hat – bis in die gegenwart – aber auch erleichterung und freude sah ich in ihrem gesicht -nun eine ARNOLD BODE-SCHULE…
auch die besucherinnen und besucher hats gefreut – es wurden gespräche ausgetauscht viel fotografiert gegessen und getrunken und nicht zuletzt gelacht…
bahnhof nordseite
»Der Tanz war sehr frenetisch,
rege, rasselnd, klingend,
rollend, verdreht und dauerte
eine lange Zeit«
Ein Essay von Carolyn Christov-Bakargiev
der abriss des bahnhofs nord gleicht zur zeit einem alles durcheinanderwirbelnden tanzes – der platz ist frei und wird es immer mehr bis er sich dann wieder füllt – es sind die bagger rüttel- und brechmaschinen die walzen und lastwagen die sich hier drehen und wenden und den tanz veranstalten – es dauert noch eine weile bis der platz so frei ist dass auch ich darauf tanzen kann –
es ist kunst sagt das auge – es ist grosse kunst sagt der verstand – es ist mehr als kunst sagt das begreifen – kunst ist kunst bleibt kunst
DER VERLADEBAHNHOF VERABSCHIEDET SICH
immer sind es die wolken bei denen wir trost suchen – der blick zum himmel – wenn etwas passiert das wir nicht ändern können stammeln wir herum – wo mich gestern noch gestalten gebilde fast wesen anschauten fällt es mir heute schwer das noch wahrnehmbare in bilder einfliessen zu lassen – alles fliesst saust weg wird eingeebnet oder weggeschafft – platz muss gewonnen werden platz für neues noch nicht erkennbares doch schon gewusstes – fraunhofer wird den platz füllen mit neuen inhalten neuen aufgaben und ich werde neu schauen müssen ob mir das gefällt was ich sehe und ob ich das alte darüber vergessen werde
keine gesichter keine beine mehr die geschichten erzählen oder gar märchen – platt und platter wird das gelände – 32000 meter im quadrat – es stöhnt und ächzt und niemand hört es – steine sand und erde mundtot gemacht und dennoch sprachrohr
die gebackenen und zermalten steine wärmen das licht – oder umgekehrt…
s. stadt kassel.de projekte
Ein Teil des Gebietes mit einer Fläche von etwa 32.000 Quadratmetern wurde Ende vergangenen Jahres von der Stadt an die Fraunhofer Gesellschaft verkauft. Diese will dort die bislang auf verschiedene Standorte im Stadtgebiet verteilten Bereiche des Fraunhofer Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) bündeln. Auf den restlichen 28.000 Quadratmetern können sich weitere Firmen mit ähnlicher inhaltlicher Ausrichtung ansiedeln. Dies bietet die Chance ein europäisches Forschungsnetzwerk zu entwickeln, das seinen Sitz in Kassel hat und vom Fraunhofer-Institut IWES gesteuert werden soll. Ziel sei es, Teile eines europäischen Instituts im direkten räumlichen Verbund mit dem IWES zu verorten.