DEN KOPF IN DEN WOLKEN…

SABABURG, MÄRCHENSTRASSE

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den kopf in den wolken
die beine abhängen
fliegen ist angesagt
steigen
den wolkendunst durchstossen
hören
was auf höherer ebene sich tut
wenn alle stricke reissen
den mut haben
und dich fallen lassen

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dieser komisch hockenden figur mit dem langen zopf begegne ich immer wieder. ich frage mich, weshalb sie sich ausgerechnet an dieser kurve niedergelassen hat. ein besuch an offener strasse ist fast unmöglich. sie sitzt mit dem rücken zum licht, schaut gen norden, schaut also in die völlig falsche richtung. schlossbewacherin kann sie nicht sein. dazu ist ihre stellung zu gediegen, zu gefesselt. sie sitzt an der märchenstrasse. dass sie eine märchenfigur sein könnte, diese idee ist mir noch nicht gekommen.
heute betrachte ich sie aus geringer entfernung. aber näher ist sie mir dadurch nicht. ich werde, trotz aller gefahren, sie nächstens nach ihrer bestimmung befragen.

AUFKLÄRUNG
die aus Holz gefertigte Statue, die Riesin „Saba“, gilt als Namensgeberin der SABABURG. Sie war eine Schwester der Riesin „Trendula“ (von der benachbarten Burg Trendelburg), die der Sage nach von einem Blitz auf freiem Feld erschlagen wurde, nachdem sie ihren Schwestern „Saba“ und „Brama“ (von der Bramburg) stark zugesetzt hatte. Alle drei sollen im übrigen von der nahegelegenen Burg des Riesen Kruko, der Krukenburg stammen.

DAS MACHT, ES HAT DIE NACHTIGALL…

ROSENINSEL KASSEL WILHELMSHÖHE

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stehe
zwischen den rosen
sehe
fotografiere
empfinde
empfinde
grosse freude
schmerz auch
der sich legt
auf den bogen
des beginns
der gegenwart
und des sterbens
stehe
schaue nach innen
wo es beginnt
das leben
wo es ende

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die gesten der rosen, die spielerisch und unbewusst dies alles vollziehen, rühren mich an. in bildern versuche ich zu fassen, was ich nicht verstehen kann. ziehe parallelen zwischen menschenleben und rosendasein.
vergänglichkeit ist in diesen tagen schon deutlich. blütenblätter, die sich einrollen, die sich verfärben vom zartesten rosa ins braune, die zu boden fallen, das oben, zwischen und unten versinnbildlichen. und immer wieder noch neue knospen. der kreislauf öffnet sich, schliesst sich, fällt ins nichts, das uns unbegreifliche.

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Das macht, es hat die Nachtigall 

die ganze Nacht gesungen

Da sind von ihrem süßen Schall

da sind in Hall und Widerhall

die Rosen aufgesprungen

theodor storm (1817 – 4.7.1888)

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es ist der 4. juli, der todestag theodor storms. er hat diese wunderbaren zeilen geschrieben. aber schillernder noch werden sie mir durch den vortrag von jessye norman. ihre stimme, ihre mimik, ihre gesten – niemand kann einem inneren erleben so sehr gestalt geben. ganz rose, ganz aufspringen, ganz freude. ihre hände, ihre zarten gebärden – mit ihnen lässt sie die rosen aufspringen, langsam und unbemerkt nach rosenart.
ich fühle mich reich beschenkt an diesem tag. fast verliebe ich mich ein bisschen in diese frau mit dem wunderbar klassischen gesicht und der noch eindrucksvolleren stimme. sie sagt:

ICH LEBE ALLEIN
IN MEINEM HIMMEL
MEINER LIEBE
MEINEM LIED

ICH BIN GLÜCKLICH

eigentlich wollte ich von der roseninsel schreiben. aber so ist es auch gut. es zeigt, was sich zwischen den rosen so tut. es tut sich viel. interessante menschen traf ich noch und wir begegneten uns im gespräch. rosen sind eine wunderbare überleitung zu gesprächen anderen inhalts.

ROSENHANG IN DER KARLSAUE/KASSEL…

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den rosenhang als solchen auszumachen, wenn man nicht ortskundig ist, ist etwas schwierig. schwierig deshalb, weil rosen grundlage für einen rosenhang sind, was bei diesem nicht unbedingt eindeutig ist. zu wenig rosen eben, und rosen, rosen, rosen wollen rosenbegeisterte ja sehen, wenn sie schon mal herkommen.

eine million kubikmeter trümmerschutt wurden nach dem krieg einfach so unterhalb der schönen aussicht hingekippt. irgendwo musste der ja hin. am auerand war platz. nur war das keine wirkliche lösung.
1955 legte professor hermann mattern sein konzept vor, den schutthaufen teil der bundesgartenschau werden zu lassen. er liess ihn in einen rosenhang verwandeln. das war eine geniale und grossartige idee.

dass das glanzstück der buga von 1955 heute nicht mehr als solches daher kommt, stellten schon elsemarie maletzke, frankfurter schriftstellerin und gartenjournalistin und markus gnüchtel, kasseler landschaftsarchitekt in ´hauptsache kultur´, im september 2009 fest.
markus gnüchtel spricht von einem efeuhang und dass büsche und bäume geschnitten werden müssten, um den wunderbaren blick in den park wieder frei zu kriegen. bei jedem richtungswechsel eines weges wäre das der fall. und rosen, rosen, rosen – zur buga waren es 25.000 pflanzen.
ich will die mängel, welche die beiden aufgelistet haben, hier nicht aufzählen, sondern von meinem ganz eigenen erleben am heutigen morgen berichten. aber es wäre schade, wenn kassel diesen magnet, den rosenhang in neuer, alter höchstform, der er weit über die stadt hinaus sein könnte, nicht wieder bepflanzen und damit beleben würde.

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zur zeit fange ich rosen mit meiner kamera ein, so auch heute.
die idee, nach rosen in kassel zu suchen kam mir erst, nachdem ich am samstag im rosarium sangerhausen fotografiert hatte. schliesslich haben wir hier den rosenhang in der karlsaue und die roseninsel in wilhelmshöhe. die roseninsel war mir geläufig über all die jahre. am rosenhang eine grössere anzahl rosen zu vermuten, war gar nicht in meinem bewusstsein. wahrscheinlich sind meine erinnerungen weniger und weniger geworden, weil auch die rosen am hange immer weniger und weniger geworden sind. irgendwie wollte ich nachschauen, ob am rosenhang noch rosenstöcke stehen und wie viele. ich war 10 jahre in der schweiz, da kann sich auch vieles verändern und verhuschen.

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also ging ich heute morgen los. über nacht hatte es geregnet und es lag nebel über allem, der sich dann langsam verzog. erst war ich enttäuscht, weil der rosenhang den namen nun wirklich nicht verdient. ein paar büsche, die sich auf wenige arten beschränken.
unbedingt wollte ich diese aber einfangen in bildern und tastete mich langsam heran, bis ich meinem blick öffnete für das, was war, was auch war und ich nicht vermutet hatte. regentropfen. regentropfen auf rosenblättern haben einen ganz besonderen reiz. und rosen in pflanzen verwoben, von winden umschlungen, von farben der nachbarsblumen umschmeichelt, eingebettet in efeu – einfach idyllisch, ein bisschen kitschig zuweilen, postkartenmotive eben, aber ganz so, wie die leut es mögen, denke ich.
ich dachte an die im beet ordentlich in reihen stehenden rosen in sangerhausen. da gab es zwar unzählige arten von rosen, aber sie zeigten sich alle vereinzelt in ihrer pracht.

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es dauerte eine weile, um mich auf diese veränderte situation einzulassen, wie es jedesmal ein einlassen ist auf bilder, die ich finden und nicht suchen kann.
fasziniert von der zartheit der rosenblätter und den zarten rosengebärden, den sich scheinbar ergebenden ohne starrheit und frei von vorstellungen, denen wir menschen nachhängen.
so wolkenleicht, so bezaubernd grazil, so einschmeichelnd duftend, lakonisch morbide, makaber erotisch auch. und was nicht noch alles liesse sich über die rose sagen.
für diesen moment werfen sie ihren zauber über mich, stillen sie meine sehnsüchte und wünsche.
dieses vermag schon eine einzige rose…

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WEHLHEIDEN…

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Gustav Falke (1853-1916)

Alle unsre Tauben sind schon lange wach,
sitzen auf den Lauben, sitzen auf dem Dach,
sitzen auf dem Regenfass:
Wer gibt denn uns Tauben was.
Tauben, Hühner, kleine Kind‘
jeden Morgen hungrig sind.

Alle unsre Hennen sind schon aus dem Stall,
gackeln schon und rennen, scharren überall.
Und der Hahn kräht: Futter her!
Immer mehr, nur immer mehr.
Tauben, Hühner, kleine Kind‘
jeden Morgen hungrig sind.

(Musik: M. Georg Winter)

WEHLHEIDEN
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DSC_5588_GESICHT WEHLH.

DIE GROSSE FRAU…

DIE GROSSE FRAU
künstlerin
carin grudda, gudensberg

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die GROSSE FRAU
sie ist 3.02 m und steht in gudensberg am rande eines parkplatzes.
der von mir kürzlich gezeigte HERZMANN heisst in wirklichkeit
und von carin grudda so benannt GROSSES UNGEHORSAMES HAAR.
die figur ist 78 cm hoch. auch das ´dritte bein´entpuppt sich bei der GROSSEN FRAU.
es ist eher ein ausufernder fuss.
HERZILEIN ist auch ganz herzig.
GOLDMARIE, KLEINE SONNENFRAU, ZERBERUS, PEGASUS
und einige skulpturen mehr hat sie erschaffen.
sie zitiert für sich den satz von odo marquard
´KUNST IST, WENN MAN´S NICHT KANN,
DENN WENN MAN´S KANN, IST´S KEINE KUNST´.
heiter ist sie, ihre kunst, sowohl die bronzen,
als auch die auf fundholz gemalten gebilde.
2001 gründete sie den skulpturenpark ´trai i mondi´.
sie lebt in lingueglietta/italien.

einige ihrer werke sind im herzzentrum in kassel zu sehen.
auch die miau-blau und pegasus sind in kassel.
achja, und in gudensberg steht eine grosse sau mit kind und
speit wasser in einen ebenso von ihr entworfenen wasserlauf.
nicht nur die kinder haben freude dran.