CHRISTA WOLF…

CHRISTA WOLF

Sie war mir immer die Kassandra, die ich gleichstellte mit ihrer Titelfigur aus ihrem wohl eindrücklichsten Romans KASSANDRA. Sie sagt die Wahrheit und will das Gute, aber sie erntet Verfolgung und Hohn. Das, was du befürchtest, tritt mit Sicherheit ein…

Sie schrieb an gegen das Vergessen, dass sich nicht wiederhole, was Schreckliches geschah,
schrieb, um infrage zu stellen, um zu reflektieren, um deutlich zu machen.

Aus ihrer Stasi-Vergangenheit versuchte man ihr nach der Maueröffnung einen Strick zu drehen. Nichts ist mehr zu verzeihen, wie wenn das Vergangene durch gemachte Erfahrungen überwunden wird.

Das Tagebuch
ICH HOFFE, DASS WICHTIGSTE DINGE TROTZDEM UNAUSGESPROCHEN SIND.

Sie hat die Erfahrung gemacht, dass sie alles vergisst,
deshalb schreibt sie täglich Notizen in ihren Kalender,
was es zu Essen gab, wie das Wetter war und wer zu Besuch kam.

Für die Öffentlichkeit bleiben Tagebücher für 10 – 15 jahre gesperrt.

Sie, die die Vervollkommnung des Menschen anstrebte, litt im Sozialismus, machte sich Luft in ihren Büchern auf ihre penible Weise. Dass sie sich im Kapitalismus erst recht überall verletzt fühlte, war nicht verwunderlich.

Der Schriftsteller Hermann Kant (85, Die Aula) hat sich erschüttert über die Nachricht vom Tod seiner Kollegin Christa Wolf gezeigt. „Es ist ein trauriger Tag für die deutsche Literatur, die Literatur überhaupt und für alle, die an dieser deutschen Literatur mitgewirkt haben“, sagte er. „Mich erfüllt auch eine große Traurigkeit darüber, dass wir in einem Gespräch nicht mehr manches klären konnten. Ich hätte mich gerne mit ihr nochmal verständigt.“
hermann kant lag nicht auf ihrer wellenlänge…

Auch mich hat der Tod von CHRISTA WOLF erschüttert.
Sie wird in ihren Werken weiterleben. Ihre Gedanken werden hin und her geschoben werden, und das ist gut so. Nichts ist so lebendig, wie das, was Gemüter bewegt und zur Diskussion anregt.

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VIDEOFILM

BLATT AN BLATT…

BLÄTTERSCAN_

blatt an blatt an blatt…
ein paar tage alte blätter im scanner verfärbt.
ihnen die luft genommen,um natürlich welken zu können.
hineingelegt und vergessen.
erst wiedergefunden, als ich den scanner benutzen wollte.
nun hab ich es verspielt, ein paar ginkgoblätter in ihrer
wunderbaren gelbheit durch den winter zu retten.

KLEINER BAUM IM GROSSEN WALD…

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kleiner baum im grossen wald

die geschichte rührt mich.
sie fiel mir heute nacht wieder ein.

es ist eine weile her, da begegneten mir im urwald sababurg
eine mutter mit ihrem ca. 4 jährigen sohn.
wir kamen ins gespräch.
die mutter erzählte, dass der sohn einen lebensbaum
geschenkt bekommen habe.
da sie aber keinen garten hat fand sie, dass ein platz
im urwald zwischen all den anderen bäumen der rechte
sei.
sie machte sich die mühe, mit bäumchen und kind hier her zu fahren,
ihrem kind einen bleibenden eindruck zu schenken.
sicher werden sie hin und wieder nachschaun, was aus dem
kleinen baum geworden ist.

den platz kann ich nicht verraten. ich weiss ihn nicht.
einzig mutter und kind soll diese begebenheit in erinnerung bleiben.

EWIGER KOHL…

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ewiger kohl

mal wieder musste ich nachschaun, was mit meinem sonnenblumenfeld passiert ist.
es ist ihm nichts geschehen. unbeeinträchtigt darf wachsen, blühen und vergehen was und wie es will.
ganz gut scheint es dem ewigen kohl zu gehen. dass es kohl ist wusste ich, dass es ewiger kohl ist, der geniessbar ist, habe ich erst jetzt erfahren. sogar rezepte gibt es, wie man ihn herrichten kann.
versucht habe ich, den istzustand, wie schon zwei-dreimal, zu dokumentieren. interessant finde ich, wie viele pflanzen sich dort breit gemacht haben. ich zähle auf:
ewiger kohl
kratzdistel und
ackerkratzdistel
acker- od. gsrtenmalve
boretsch
roggen
ringelblume
koriander
kamille
brennessel
ackersenf
phaselia
gras
hafer
und einige vertrocknete, die ich nicht erkennen kann.

ein reh, und noch eines, springen aufgeschreckt durch das noch immer dichtbewachsene feld. wobei ich denke, kohl ist nicht das beste für rehe, macht blähungen. doch ringsherum die felder und wiesen sind so aufgeräumt, dass nicht viel übrig bleibt für hungrige tiere.

nun muss ich wohl noch ein weiteres mal schauen, was mit meinem feld passiert und ob sie es in diesem jahr platt machen und umpflügen. die bauern bekommen ja bezahlt, dass sie es für erkundungen und die tierwelt liegen lassen. wie lange diese beobachtungsphase geht, weiss ich nicht.

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BIRKE IM NEBEL…

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Das Summen ist verstummt, das du verschleiert
im Innern deines Laubgeriesels sangst.
Der Tanz geschieht nicht mehr, den du gefeiert,
als du die Zweige weich und langsam schwangst.

Und auch die Farben sind, die helle Rinde,
das Gold der Beugung, das durchflirrte Grün,
erloschen.Nur das Graue gilt und Blinde,
das dich umhüllt mit sickerndem Versprühn.

Und dennoch trägst du dich, ein leichter Schatten,
im Zwielicht unverwechselbar empor
und bist noch luftgelöster mit dem matten
Gehänge deines Haares als zuvor.

So hat der Tag, der dir das Trübe sendet,
dich, wie du´s duldest, erst zu dir vollendet.

Manfred Hausmann

DIE KLEINEN DINGE…

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die kleinen dinge

eingeordnet, wie in ein schubfach, ein regal, auf jeden fall sehr ordentlich und den abstand wahrend.
in luftiger höhe, das dach fehlte, ich nehme mal den himmel dafür, sicher vor wildfrass, auch so hoch,
dass kein mensch sich empor wagt.
im herbst sind die dinge, die den wald schmücken, oft kleiner und unauffälliger.
ich habe sie im laufe der jahre sehr lieb gewonnen, weil sie nicht so prunken und protzen
und dann gegenwärtig sind, wenn alles andere sich aus dem staub gemacht hat.
sie erfreuen, weil man nichts erwartet, doppelt.
diese pilze, hochoben, haben einen erhebenden platz, gekrönt auf besondere weise.
sie schauen gen norden.
wahrscheinlich brauchen sie einen kühlen wind um die nase und schutz vor der sonne,
die in diesen tagen doch immer noch heftig ausfallen kann.
sie lieben die höhe, die frische und den schutz.
aber wie ist es ihnen gelungen, sich da anzusiedeln.
immer hält die natur geheimnisse bereit…