WINTERSONNENWENDE 2015…

…IM URWALD
URWALD_MEIN BAUM_P1420587_bearbeitet-1
am tag der sonnenwende erhält man eine besondere (denk)aufgabe.
ich gehe zu MEINEM BAUM in den urwald und feiere diesen tag in aller stille.
dazu gehört, dass ich ein licht entzünde als symbol für ,das licht in der tiefe‘.
die kerze halte ich bereit und den gasflammenwerfer auch, nur – und hier beginnt meine denkaufgabe – dass der kleine flammenwerfer keine flamme wirft…
gestern noch habe ich damit meine kerze auf meinem tisch entfacht – was soll es also, was will es mir sagen?
meine enttäuschung kann ich nicht verheimlichen, war ich doch extra den weiten weg hier her gefahren. im nachhinein denke ich, dass die sonne dies für mich erledigt hat, dass sie  mir sagen will, ich bin die lichtanzünderin.
einige andere assoziationen fallen mir noch ein – die sind herzzerreissend bis vernichtend…
URWALDKERZE_DSC_7611_bearbeitet-2dies ist ein foto von 2011

Thomasnacht in der keltischen Tradition
Die Nacht des 21. Dezembers, die Thomasnacht, ist die längste Nacht des Jahres. Einer Überlieferung nach bildet die Wintersonnenwende den Auftakt der heiligen Rauhnächte, die zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar liegen.
Während der Rauhnächte sollen dem Volksglauben nach die Tore des Totenreichs offen stehen und Geister und Dämonen umgehen. In einigen Teilen Deutschlands wird die Tradition der Wintersonnenwende und somit der längsten Nacht noch heute mit einem Fest gefeiert.
t-online

A S T W E R K . . .

AUE_ASTWERK_I_P1420373zu den bäumen aufschaun – zu ihren wipfeln.
im astwerk wandern mit meinen augen.
die richtige einstellung wählen in mir und in der kamera.
den augen die anweisung geben, die bildausschnitte sorgfältig zu wählen.
das ist ansichtssache und von der tagesform abhängig – meiner und der der bäume.
AUE_ASTWERK_II_17.12die sonne hält sich zurück, das ist gut und mir dienlich für mein vorhaben.
es verlangt körperlichen einsatz – den kopf weit in den nacken. mein hals ist lang – ich denke wendehals. ich wackele in dem unebenen nassen grasboden herum, muss aufmerksam sein, dass ich nicht falle, die gehfähigkeit ist etwas eingeschränkt. die aufmerksamkeit teilen – das allein ist schon eine kunst. auf allen ebenen anwesend sein, auch wenn es ausschaut wie träumerei oder hansguckindieluft. das hörte ich in kinderjahren oft zu mir sagen. offensichtlich waren da meine augen auch schon überall. heute könnte man dazu sagen, gib dem kind doch eine kamera, damit es ein ergebnis erzielt mit seiner indieluftguckerei…
AUE_ASTWERK_III_17.121den gärtnern winke ich zu, die wundern sich schon, dass ich immer an derselben stelle auftauche und fragen sich, was es denn da oben zu sehen gibt. sie müssen auf das achten, was sie zu tun haben. winken ist schon eine ausnahme.
ich kann meinen blick wenden wohin ich will. und täglich habe ich eine andere idee und anwandlung. das ist gut so. das passiert spontan und erwächst mir jeweils aus dem, was ich schauend erforsche.
oft bin ich selbst überrascht, dass es immer weiter geht und immer was neues auftaucht.
die astwerke wollte ich eigentlich malen. aber da bin ich nicht so geschickt und habe auch nicht die ausdauer und ich bin ja auch fotografin (neben vielem anderen)…

ADLERFARN IM URWALD…

URWALD_FARNTEPPICH_P1410934nachdem der adlerfarn mich mehrere monate in die schranken verwiesen hat und mich nicht zu MEINEM BAUM durchgelassen hat, hat er sich nun huldvoll und ergeben niedergelegt.
er bildet einen schützenden teppich für niedere pflanzen, damit sie den winter gut überstehn. dass sie sich jetzt schon hervorwagen, sich durch den farn hindurch zwängen, liegt an den frühlingstemperaturen.

URWALD_farnteppich_II__08.12mir war der farnteppich ein bild der meditation.
still liegt er da und ist doch nicht untätig. tief in der erde bereitet er die nächste generation vor. er nimmt sich zurück, um stärke zu sammeln. er hat in seinen wachstumstätigkeiten eine enorme geschwindigkeit. immer muss ich schaun, dass ich hinterher komme. eben noch schläft er und bald ringt und ringelt er sich wieder empor, bis ich dann nicht mehr durch die farnbarriere hindurch kann.

farn
bedeckt die erde
aus der er hervorging
beschützt sie
sonnendurchflutet
wärmende decke
im winter
rosadora

und von helmut maier in die mangel genommen

Farn, Urzeitenkünder,
hier bedeckst du die Erde.
Aus ihr gingst du hervor.
Sonnendurchflutet
wandeltest du
in eine wärmende Decke
für die Zeit des Winters dich
für sie, die Mutter.
Von dir lässt sie sich schützen
und dankt dir und ruht.

helmut maier

für brigitte:

Eindeutig erkennbar ist der Adlerfarn an seinem Blattstiel, der im Querschnitt den Umriss eines Adler mit ausgebreiteten Flügeln ähnelt. Dieser Tatsache verdankt der Adlerfarn nicht nur seinen deutschen Namen, sondern auch seinen botanischen.

Der Adlerfarn ist eine Farnart, die ein unterirdisch kriechendes, verzweigtes Rhizom besitz. Solche Rhizome erreichen eine Länge von bis zu 50 Metern. An den Rhizomen bilden sich jedes Jahr aufs Neue die typischen Farnwedel. Im Falle des Adlerfarns erreichen diese eine Höhe von meistens knapp zwei Metern, können aber auch größer werden. Erstaunlicher Weise können die Rhizome weit über 500 Jahre alt werden!Auf der Unterseite der Wedel bilden sich die Sporen, die in Sporangien zusammengefasst auf ihre Verbreitung warten, die Reife liegt zwischen Juli und September. Oft sind sie durch die umgerollten Blattkanten verdeckt bzw geschützt.

REINE ERSCHEINUNG…

 

HOHE EICHE in der aue…AUE_EULALIE_EICHE_I_P1410742sie ist eine gewaltige. wie zum schutz hat sie sich einen übermässig dicken gürtel zugelegt. das ist zumindest eigenartig. das hab ich bisher bei keiner anderen eiche so rundum gesehn.

AUE_EULALIE_EICHE_II_07.12mich lockt es an. die anderen bäume hält sie sich vom leibe – alles spilliges getue – bäumchen mit ihr verglichen. gewaltig sind auch die einkerbungen in ihrem stamm. das muss sie viel energie und willenskraft gekostet haben. vielleicht ein schwimmreifen. in der aue ist es ja sehr feucht, oft nass. und wenn da mal ein see war – über längere zeit.

AUE_EULALIE_EICHE_III_07.121
sie ist nicht nur dick, sondern auch ausgesprochen hoch. neugier – oder der starke drang, sich mit dem himmel zu verbinden. auch ich verbinde mich mit ihr für einen moment und im nachhinein noch in meinen gedanken. ich trete an sie heran, begrüsse sie, schleiche um sie herum, mache mir eine vorstellung von ihrem gepräge, spüre ihre energie, und entferne mich wieder von ihr. so eingespannt zwischen himmel und erde macht sie mir eindruck. und einfach so vorbeilaufen – das geht nun nicht mehr.
AUE_EULALIE_EICHE_IV_07.122AUE_EULALIE_EICHE_V_07.124‘bäume sind keine erweiterungen des selbst, sondern reine erscheinungen. ihre zeit überschneidet sich nicht mit der unseren. sie reisen auf andere weise. sie sind zyklisch und werden darum beneidet. ihre leben sind nicht teil unseres tragischen kontinuums; sie haben eine leichtigkeit, eine nähe zu wasser, luft und feuer, alles aus eigener kraft.

etel adnan in JAHRESZEITEN

ROSTIGE POESIE…

JEDER GEGENSTAND KANN POESIE SEIN…

,jeder gegenstand kann poesie sein, wenn du dich dafür entscheidest…. ein stück brot auf dem tisch, wir haben es jeden tag, und plötzlich ist es eine erscheinung. das stück brot wird mysteriös, denn es ist mysteriös. aber wir nehmen uns nicht die zeit das zu sehen.
aber wenn wir uns die zeit nehmen etwas zu betrachten, dann wird dieses etwas zu einem poetischen objekt, einem poetischen gefühl oder einem poetischen gedanken.‘
etel adnan

ich lese drei sätze von etel adnan und mir wird schwindelig – ich muss erst mal schlucken und verdauen, so dicht ist das, was sie sagt, an dem, was ich empfinde.
ROST_KUNST_I_03.12auf meine rostkunst trifft das zu. für mich wird ein ding, ein scheinbar abfälliges und nicht mehr gebrauchtes zu einem so starken eindruck, dass ich es nur mit dem wort poesie verbinden kann, damit es eine neue bedeutung erlangt. eine bedeutung, die es vorher vielleicht nie hatte.
fast möchte ich es mit mir tragen und ihm ein neues dasein geben, ihm schutz geben, soweit das ein mensch überhaupt leisten kann. diese dinge sind teilweise viel älter als ich selbst, da ist der schutzgedanke fast abartig. mir kommen die worte von – blaue hortensien – in den sinn. NICHTMEHRGETRAGENES, DEM NICHTS MEHR GESCHIEHT…‘.vielleicht liebe ich getragenes, gebrauchtes, verworfenes deshalb so, weil ihm nichts mehr geschehen kann und weil es dennoch da ist. durch mein anschaun ist es da, durch meine bewunderung und die nachgetragenen gedanken wird es kostbar. von wert nicht zu sprechen, den gibt es gar nicht.
also, mein eisenkringel lässt mich lächeln – es ist wie ein erkennen. ich stelle ihn auf eine bretterwand und die sonne leuchtet ihn an und aus. ich gebe mir mühe, als machte ich ein portrait von etwas mir sehr wichtigem.
ROST_KUNST_II_03.121
das, was etel adnan ihre zeichnungen sind, sind mir meine fotos, eingefangen von aufmerksamem blicken. der beweis, ich war hier. und wenn für etel adnan ihre bilder eine politische revolution bekunden, dann sind mir meine fotos und bilder das ebenso. die freude am leben und sie durch wort und bild mitteilen. das muss genügen, das ist politisch genug…
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noch immer bin ich atemlos, aber ich werde in etel adnans jahreszeiten eintauchen und mir die trefflichsten gedankensplitter herausfischen, um sie in meine gedanken und texte einfliessen zu lassen.
ROST_KUNST_III_03.122
haus konstruktiv zürich/ch
Etel Adnan – La joie de vivre
29. Oktober 2015 bis 31. Januar 2016
http://www.hauskonstruktiv.ch/deCH/ausstellungen/aktuell/etel-adnan.htm

MEINE FREUNDIN DIE BAUM…

o o o – das muss ich vorwegstellen. eben las ich bei der grossen ETEL ADNAN, dieser allerhöchstbegabten denkerin: BÄUME SIND DER LEIDENSCHAFT FÄHIG. DIE APRIKOSE UND DIE MAULBEERE LASSEN KEIN AUGE VONEINANDER; SIE REISEN ZU ZWEIT UND GEBEN ANGEREGTE URALTE LAUTE VON SICH, WENN SIE SICH PAAREN, DIE NACHT ZERREIßEN, NICHT ANDERS ALS BLITZE.   na also, na bitte, wie auch anders…

aus: JAHRESZEITEN

AUE_ZWEI BÄUME_400_P1390722_bearbeitet-2
http://www.fembio.org/biographie.php/frau/comments/meine-freundin-die-baum/

liebe große aufmerksame freundin der künstlerinnen in der schweiz – rose
danke, dass du mir übermittelst, dass bei uns die bäume weiblich benannt werden mit wenigen ausnahmen
ich zitiere dich hier…
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liebe grosse freundin der baumwelten – dora

ich weiss nicht, was die bäume mit dem geschlecht zu tun haben,
was mir aber aufgefallen ist in der deutschen sprache, dass sozu-
sagen alle bäume weiblich geortet sind, ausser wir gebrauchen
in ihrem namen das wort DER BAUM; wie z.b. bei den frucht-
bäumen – immer mit ausnahmen- sind dann ihre früchte wieder
weiblich: der apfelbaum – der apfel

DIE  eiche – buche – erle – tanne – kiefer – linde – zeder – weide –
pappel – palme – birke – eibe – eberesche – kiefer
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auf luise puschs seite – s. oben – dies:

Von Heine stammt ein Gedicht, das gern herangezogen wird, um die symbolische Bedeutung des grammatischen Geschlechts zu illustrieren:

ein fichtenbaum steht einsam
im norden auf kahler höh´;
ihn schläfert; mit weisser decke
umhüllen ihn eis und schnee.
er träumt von einer palme,
die fern im morgenland
einsam und schweigend trauert
auf brennender felsenwand.

aus: lyrisches intermezzo (1822-23) nr. 33

Um eine Hetero-Schnulze zu evozieren, vermännlicht Heine die Fichte zum “Fichtenbaum” – wie schade. Dabei hat doch in Wirklichkeit eine Fichte von einer Palme geträumt! Auch um in Zukunft solche Willkür und Denaturierung gar nicht erst aufkommen zu lassen, sollten wir ab sofort die Baum sagen.
luise f. pusch

ZWEI BÄUME…

zwei bäume hab ich einst im wald gesehn,
die wollten sich einander nahe stehn.
sie schaun sich an voll sehnsucht, möchten gern
sich fest umschlingen; doch sie stehn zu fern,
denn andrer grund ist jedem angewiesen,
darin des lebens starke wurzeln sprießen.
so neigt sich jeder still zum andern hin,
der eine scheint den andern anzuziehn,
bis es zuletzt gelingt den schlanken zweigen,
sich in den kronen liebend zu erreichen.
wie sie die äste ineinandern flechten,
sind sie beschirmt von liebevollen mächten;
in blauen lüften, wo die wolken jagen,
da dürfen sie sich ihre sehnsucht klagen.
sie dürfen blüth´um blüthe selig tauschen,
an ihren düften wonnig sich berauschen.
sie stehn vom licht des abendroths umglüht,
gleich wie von tausend rosen überblüht;
verklärend weben aus der himmelsferne
ihr heilig licht darum die ew´gen sterne.

so möcht ich mich….

Louise von Plönnies (7.11.1803-22.1.1872)

MEHRSTÄMMIGER SILBERAHORN…

karlsaue
AUE_AHORN_SECHSSTÄMMIG_ BAUM_P1410629
mehrstämmig – das kann ich bestätigen. silberahorn nicht unbedingt. es gibt 110 bis 200 verschiedene ahornarten – auf der welt – denk ich mal…
die entscheidung in den wipfel zu klettern, wird mir abgenommen. sechs arme oder stämme sind es, die alle den drang noch oben – zum licht – entwickelt haben, und ich kann mich für keinen entscheiden…
wiedert so ein zufallstreffer – ich schlendere durch den regennassen park und dieses gewaltige baumetwas stellt sich mir in den weg. ich habe ihn nicht gesucht – er war einfach da. die überraschung lag darin, dass ich seine ausschwingungen ohne blätter ganz enorm fand. sicher bin ich schon  an ihm vorbeigegangen als er noch belaubt war und fand ihn einfach nur gross und wuchtig. ich habe mir nicht einmal die mühe gemacht, ihn besonders anzuschaun.
aber jetzt – in diesem herbst war/ist baumzeit und ich sehe die bäume an wie zum ersten mal.

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ich sehe in jede spalte, finde seine moosbewachsenen abzweigungen herzlich erfrischend. es ist mooszeit, kühl und nass. ein wenig zeigt es in richtung frühling und macht hoffnung, wie alles wieder ein grünrausch sein wird. ich befühle das moos und die rinde, versuche in den blätterresten die blattform zu erraten. ein einzelnes blatt und dazu noch ein ganz winziges nehme ich als blattbeweis, woraus ich schloss, dass es ein silberahorn sein könnte.

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die bäume erfreuen mich, jeder in seiner art, machen mich aber auch nachdenklich in dem sinne, dass ich im internet ihre art herauszufinden versuche, was sich sehr schwierig gestaltet. oft muss ich das herausgefundene revidieren.

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