aschrottbrunnen
judenbrunnen
rathausbrunnen
brunnendenkmal

der brunnen war nie von so grosser bedeutung wie heute.
als aschrottbrunnen wurde er 1939 von den nazis verwüstet, weil
er von dem jüdischen kasseler unternehmer sigmund aschrott
gestiftet wurde.
ich kenne ihn als rathausbrunnen
seit 1943 war das brunnenbecken mit blumen bepflanzt
1963 als springbrunnen umgebaut
warum und seit wann er als judenbrunnen bezeichnet wurde,
ist mir nicht bekannt.
mit den jahren erst wuchs das bewusstsein für die opfer des zweiten
weltkrieges und des holocaust.

horst hoheisel
brachte den vorschlag anlässlich eines ideenwettbewerbs des
„vereins zur rettung historischer denkmäler in kassel e. v.“
ein, den umgang mit der geschichte zu wenden – im wahrsten sinne.
der brunnen wurde wieder errichtet, wurde aber gewendet, und in
die tiefe gelassen, soll verdeutlichen, was verloren ging.



mit der rituellen
REINIGUNG des BRUNNENDENKMALS
könnten neue gedanken emporgebracht werden.
carolyn christov-bakargiev stieg mit horst hoheisel
auf den brunnengrund, berührte den grund der geschichte
auf besondere weise. für sie als us-amerikanerin ist es ein
„beeindruckendes monument“ und könnte damit auf die
liste der kunstwerke der dOCUMENTA 13 gelangen,
wenn es das nicht schon längst ist, dann wäre der auftakt
doppelt gelungen.
die dOCUMENTA(13) soll sich, so carolyn christov-bakargiev, sowohl in die vergangenheit als auch in die zukunft ausdehnen.
zeigt das in den boden versenkte monument in die vergangenheit oder in die zukunft oder gar beides? das sichtbarmachen der kraft der kunst durch unsichtbarmachen scheint gelungen.



rosadora
Sinkt jeder Tag hinab in jeder Nacht,
so gibt’s einen Brunnen,
der drunten die Helligkeit hält.
Man muß an den Rand
des Brunnendunkels hocken,
entsunkenes Licht zu angeln
mit Geduld.
Pablo Neruda
ASCHROTT BRUNNEN
offene wunde der stadtgeschichte
herausgegeben vom
kulturamt der stadt kassel