‚KLEINE SACHEN AUS BROT…‘

‚da hab ich angefangen, aus brot kleine sachen zu formen.’

LOUISE BOURGEOIS

bei den ‚kleinen sachen’ ist sie nicht geblieben. sie hat sich herausgewickelt aus dem pausenlosen reden des vaters, der sie nicht nur mit seinen worten verletzte. sie lenkte sich ab und formte diese ‚kleinen sachen aus brot’.
brot, dieses wichtig nahrungsmittel, wurde zu ihrem ersten baustoff.
aus ‚stoff’ waren auch die wandteppiche, die sie mit ihrer mutter ausbesserte. da war sie acht jahre alt. Continue reading

RICHARD SERRA

RICHARD SERRA ist davon überzeugt, dass

‚die skulptur die einzigartige fähigkeit besitzt, ihren eigenen ort und ihren eigenen raum zu schaffen.‘

‚bewegung des betrachters hat durch verschiedene erscheinungsformen bewegung der skulptur zur folge. schritt für schritt modifiziert sich die auffassung von der skulptur.‘

gauklerzw.serra.jpg

TRUNK
1987 – d 8 – in kassel
2006 – in st. gallen

ANNÄHERUNG UND WIEDERBEGEGNUNG
NACH 19 JAHREN

kein einziges mal kann ich an ihr vorbei, der skulptur ‚trunk‘ von richard serra, am rande des stadtparks in st. gallen. wie ein tor, eine schleuse, ist sie ein durchgang, den ich wie eine chance nutze. ein umgehen mit der plastik eröffnet ungeahnte geistige, meditative und auch lustvolle möglichkeiten. würde ich sie umgehen, wüsste
ich nicht um diese. Continue reading

träumerei des weges…

es gibt eine ‚träumerei des schreitenden menschen, eine träumerei des weges’ und ich könnte hinzufügen, eine träumerei des fotografierenden menschen. in kontakt mit den dingen sprechen sie zu ihm. sie sprechen aus ihren verschiedensten formen und so wir dem vollen wert beimessen, erreicht es uns in unseren tiefen. wir sind beglückt, uns in den bildern, die wir uns von den dingen machen, wiederzuerkennen. und wir erkennen dinge wieder, die uns in unserem tiefsten inneren anrühren. alten bildern neue hinzuzufügen heisst nicht, sie zu tilgen, sondern sie durch neue zu ergänzen, unsere sichtweisen und einbildungskräfte zu erweitern. es ist unvorhersehbar, was wir erblicken. auch wenn wir in uns bekannte gegenden laufen, sehen wir die dinge immer wieder neu. offenen auges und mit erwachender wahrnehmung verändert sich die uns bekannte welt. dadurch, dass etwas in uns anklingt und einen widerhall erzeugt, eignen wir es uns an. dieses anklingen verändert uns durch seine fülle.

formen und linien finden in mir einen starken anklang. henry moore, der mit seinen geschwungenen figuren 1964 auf der documenta starke denkanstösse lieferte, konnte mich mit seinen warmen, weichen linien auf anhieb begeistern. Continue reading

scheinsonne…

HIMMEL1web_01.jpg

ich dachte, etwas unbesonnen,
die sonne hätt vielleicht geschonnen.
doch war es möglich, dass sie scheinte,
nur weil für mich sich’s beinah reimte?

ferdinand c. hoermann

gestern war so ein sonnenblauer himmel, fast nicht zum aushalten – und es war wie immer – dass ich dachte, es ginge immer so weiter. es drängt hinaus und ich verschiebe es. auch wie immer ist, dass am nächsten tag, also heute, die sonne zu wünschen übrig lässt. wie immer, Continue reading

erinnern…

Stitched_001_web.jpg

erinnern ist etwas langweiliges, ist etwas, das ich schon kenne, ist etwas trügerisches. es geht um erlebtes, etwas, das sich durch erinnern verändert, in die eine oder andere richtung– jenachdem. dramatisches wird gern noch dramatischer, schönes wird verklärt oder aber herabgemildert. erinnerungen sind nichts wirklich wertvolles. sie sind nicht subjektiv. das subjektive, das sich selbst belügt. es belügt sich in dem falle durch neuerlich erlebtes, das das alte überlagert, verzerrt. gefühle lassen sich täuschen. gefühle täuschen mich.
trotzdem erinnere ich mich. Continue reading

meine linke hand…

‚gib das schöne händchen’ sagte meine mutter zu mir, wenn ich jemanden begrüssen musste. dass ich eigentlich gar kein händchen geben wollte, störte sie nicht.

heute musst du gar keine hand mehr geben und wenn, kannst du frei wählen, ob links oder rechts. niemand sagt mehr etwas vom ‚schönen händchen’.
wieso soll ein händchen auch schöner sein als das andere. früher mussten die kinder mit rechts schreiben, unbedingt. Continue reading

vergriffen…

BILDGEWITTER0047_web.jpg

manchmal kommt mir ein begriff, den ich nicht eindeutig einordnen kann, so jetzt gerade dieses ‚vergriffen’.
ein buch ist vergriffen – das ist ein buch, das nicht mehr zu haben ist, aus, weg. und ich hätte es so gerne gehabt. und wie alles, was man nicht haben kann, hinterlässt es eine lücke und einen schmerz, als hätte man etwas verloren.
heute kann man Continue reading

über allem das weiss…

die weisse seite – es ist ja nicht mehr das weisse blatt vor mir – also, die weisse seite vor mir – immer ist es fraglich ob und mit was sie sich füllt. und immer die angst, dass sie sich nicht füllen könnte. da hilft der rat, erstmal mit einem wort, einem satz zu beginnen, gar nicht. denn wenn sie sich nicht füllt, dann auch nicht mit einem wort oder satz. die worte verweigern sich mir. ich kann sie nicht zwingen. jedes zwingen würde man ihnen ansehen. sie zeigten schwachstellen, sie sähen gequetscht aus und ohne jegliche kraftvolle intention. sie wären schal, schneller als ein bier es sein kann. Continue reading