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DONAR-EICHE…
donar-eiche fritzlar

von der donar-eiche, die dem heidnischen gott donar geweiht war, konnte ich kein foto machen. sie wurde 723 von bonifatius gefällt. er baute daraus eine kirche und gründete ein benedektiner-kloster.
bonifatius wurde so zum gründer der stadt fritzlar.
heute ist dieses denkmal zu sehen – bonifatius auf dem stumpf einer eiche.


an anderer stelle fand ich diesen grandiosen kastanienbaum. er hat sich selbst dort angesiedelt – an der stadtmauer, in der nähe des frauenturms.
einem anderen turm ohne namen (so herr l. von der stadtverwaltung) drückt er mit seinen wurzeln den platz weg.
er behauptet sich ganz wunderbar und seine kerzen leuchteten mir entgegen.
bleibt zu hoffen, dass im jahr des waldes niemand auf dumme gedanken kommt, aus ordnungsgründen, oder weil er da nicht erwünscht ist. wie alt der baum ist, konnte mir niemand sagen.

D O R L A . . .

dorla, wehren, werkel, lohne
sind des hessenlandes krone.
und nicht nur das,
dorla hat die höchste und älteste kandelaber-dorflinde.
das dorf scheint im dornröschenschlaf zu liegen
und die schöne linde hat heute keine verwendung mehr.
sieben geleitete arme hatte sie, eine magische zahl
im guten sinne. sieben arme wie die arme eines kandelabers.
heute hat sie nur noch sechs.
es ist lange her, dass sie eine tanzlinde und mittelpunkt des dorfes war.
die musiker sassen im baum, die tänzerinnen und tänzer tanzen
druntendurch. so soll es gewesen sein.
gern würde ich das noch einmal erleben.
mir ist die linde erst jetzt aufgefallen, obwohl ich sie seit meiner
kindheit kennen müsste. sieben jahre waren wir in dorla evakuiert.
etwas anderes ist mir in erinnerung. da habe ich ein bild vom herrn ribbeck,
und der stand genau hinter dem zaun, wo die alte dorflinde steht.
500 jahre soll sie alt sein und genau diese 500 jährige geschichte,
die der baum erlebt hat, wüsste ich gern.
sicher geht die anders als die geschichte der menschen.





MEIN TAG DES BAUMES…

stieleiche – mehrere hundert jahre alt
für mich wird jeder tag zum tag des baumes, an dem ich solch einem prächtigen exemplar begegne.
die begegnung mit dieser eiche war eindrucksvoll. als einzelexemplar hat nichts und niemand sie gehindert, ihre eigenarten auszubilden. die machen sie zu etwas besonderem, etwas einzigartigem.
sie ist nicht nur ein einziges wesen, sie ist viele wesen, die sie ausmachen.
wenn ich wüsste, wie bäume das fertig bringen, sich in dieser vielheit zu äussern, sich zu veräussern, in die gestaltung zu treten, wüsste ich viel.
in voller bewunderung umkreise ich diesen einzigartigen baum, nehme blickkontakt auf, wage ihn zu berühren und vor lauter begeisterung haut es mich um, und ich liege langgestreckt auf dem rücken unter seinen zweigen im satten grünen gras. das wächst hier besonders üppig aufgrund einer symbiose und fruchtbarem austausch.
mein austausch mit der eiche gelingt zögerlich. die energie macht mich sprachlos.
meine aufnahmekapazität ist erschöpft.
diese energie macht, dass ich diese bäume, die so weise sind in ihrer art, immer wieder besuchen muss.
ich bin noch hier und freue mich schon auf den nächsten besuch.







WALPURGIS…

walpurgis
´ Der flieget nie, der heut nicht flog.´
uns gelingt es niemals mehr
zu fliegen so und ringsumher
so lass uns tanzen wie verrückt
damit uns ja kein schuh mehr drückt
reiss ab sie wirf sie weit von dir
genug zu tuen dir und mir
das lachen schallt weit übers land
und das nicht nur im harzerland
hebt eure beine ganz beschwingt
es mannigfache freude bringt
weg den april herbei den mai
damit es endlich sommer sei
frei nach rosadora
DAS KIND IN DEN BÄUMEN…
das kind kletterte auf bäume, um mit dem lieben gott zu sprechen.

es begegnet mir jetzt, 60 jahre danach.
ich bin dabei, bäume im park zu fotografieren.
ein paar kommt angejoggt.
wir begegnen uns bei baum 477, der weissbunten buche.

erst reden wir über das fantastische wetter, die zauberhafte frühlingsumgebung,
und im speziellen die buchengruppe, die eine merkwürdige beziehung unterhält.
sie neigen sich zueinander, wenden sich ab und kreuzen ihre äste.


dann zeigt die frau auf die andere seite der strasse. sie erzählt, dass
da einmal zwei holzhäuser standen mit einem fundament aus grossen natursteinen.
jetzt steht nur noch eines.

in einem davon haben wir gewohnt.
hier verbrachte ich meine kindheit.
ich erinnere mich gern daran.
der park war unser spielplatz.
ich bin auf bäume geklettert, um mit dem lieben gott zu sprechen.
ich habe geglaubt, je höher ich im baum sitze, desto näher bin ich ihm.
heute gelingt mir das nicht mehr.
sie ging an stöcken und hatte eine verletzung.
ich fand es ziemlich aussergewöhnlich von einem kind.
denn wenn es das nicht wäre, müssten mir sehr viel mehr kinder
auf bäumen hockend begegnen.
an dieser stelle werde ich nun, wann immer ich da gehe, an diese geschichte denken.
TRAUMPARK WILHELMSHÖHE..

traumhaft schön ist es zur zeit im park.
der apollotempel ist immer ein schönes motiv.
fragt mich doch einer, was ist das denn da oben. er meint den herkules…

viele haben ihren osterspaziergang hierher verlegt.

eis am stiel und harfenklänge – die bilder sehen nun nicht nur schön aus, sie klingen und schmecken auch…

sie darf rennen und ich freue mich, wie sie sich den park aneignet…

DIE DINGE SINGEN HÖR ICH SO GERN…

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn, und das Ende ist dort.
Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.
Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.
rainer maria rilke

DENN…
DENN WIR SIND ODER WIR SIND NICHT.
pierre-jean jouve


WILDAPFELBAUM…

er ist unter meinen bäumen ein ganz besonderer.
mit einem umfang von 2,85 metern wird er auf 200 bis 250 jahre geschätzt.
damit ist er der älteste apfelbaum deutschlands.
nicht leicht zu finden ist er auf den beberbecker huten.

bei meiner heutigen fotowanderung hatte ich mir vorgenommen nachzuschauen, ob der wildapfelbaum blüht.
von weitem, etwa 150 bis zweihundert meter von der eichenallee entfernt, sah es aus, als hätte er leichtes grün aufgesetzt.
ich ging zu ihm hin, um ihn anzuschauen und mir einzuprägen, wie seine befindlichkeit sei.
die war gemischt. einige zweige hatten tatsächlich kleine rosarote blüten hervorgebracht.
nichts konnte mich an diesem morgen mehr beglücken als dies.
ich dankte es ihm mit einer umrundung, mein ritual der demut.
ganz nah ging ich an seinen stamm heran.
da gab es eine öffnung, die fast die form eines herzen hatte – ein baumherz.
das herz war offen.
ich durfte hineinschauen.
auch ich öffnete mein herz – es war eine grosse nähe zwischen dem wildapfelbaum und mir.
ich betrachtete ihn noch von mehreren seiten.
beim verabschieden versprach ich wiederzukommen.

