S O M M E R . . .

DSC_0933_2_II

die mondin war zu früh dran,
die sonne lässts gleich ganz sein,
und ich denke, unverschämter könnten wir nicht sein,
als nach so einem wunderbaren sommerlenz
den schönsten sommer aller zeiten zu erwarten.

na, lassen wir uns überraschen.
die blumen werden uns treu sein
und unabhängig von sonne und mond
ihre farben zücken und uns erfreuen,
diese zuverläassigen herzensbrecher.

und – sing ein lied, wenn du mal traurig bist…

DSC_0972_2

DSC_0946_2

ADLERFARN…

MEIN NEUES BUCH IST DA
92 SEITEN
52 FOTOS

ADLERFARN
EINE HASSLIEBE IN BILDERN
reinhardswald
22×15

printformer PDF generation

farne entführen in das zauberland des schattens. sie sind symbole des schattens, des geheimnisvollen und des verborgenen. feen und zwerge tummeln sich unter farnen. den farnfeen das geheimnis des farns zu entlocken, ist ein schwieriges unterfangen. feen sind verschwiegene wesen und für die meisten unsichtbar obendrein. nur, wer den farnsamen bekommen hat, ist ebenso unsichtbart und kann sich mit ihnen verbinden. das ist dann ein zustand, oder besser gesagt ein geistesumschwung, der geheimnisse nicht mehr als solche betrachtet, sondern als etwas gegebenes.
so besteht keine gefahr, dass ein menschliches wesen, das den farnsamen hat, also unsichtbar ist, diese geheimnisse preisgeben könnte. dass es viele geheimnisse sind, ist ziemlich sicher. eigentlich hat jedes farnwedele sein eigenes und insgesamt, jeden wedel mitgerechnet, kommt da ein riesiger geheimnisberg zusammen. den abzutragen ist den menschen nicht gegeben.

HIMMELSREISENDE…

WOLKEN_III_DSC_1124_2

der blaue himmel ist mir etwas fade.
wenn die wolken kommen und ihn schmücken
mit ihrem grazilen bis plumpen gewölk,
bin ich entzückt.
sie besetzen den himmel meistens für nicht
lange zeit, ziehen ihre bahnen der veränderung.
nicht immer ballen sie sich zusammen zu gewitterwolken.
dann sparen sie ihre energie und sind einfach nur
himmelsreisende.

wenn ich so durch die felder streife,
schaue ich mehr nach den wolken
als nach dem mohn, den ich suchen wollte.
gewölk zieht weiter, manifestiert sich nicht zu
dicken wolkenbündeln.
heute also kein gewitter.
ein rundum schöner, erlebnisreicher tag.
was kann es schöneres geben, als wolken am himmel.

WOLKEN_II_DSC_1131_2

WOLKEN_I_DSC_1136_2

DAS LEBEN MIR ZUM BILDE…

MOHN_I_DSC_0760_2

In meiner Tage Morgen, 

Da lag auch ich einmal, 

Von Blumen ganz verborgen,

In einem schönen Tal. 

Sie dufteten so milde!

Da ward, ich fühlt es kaum,

Das Leben mir zum Bilde,

Das Wirkliche zum Traum.

ludwig uhland
aus: der mohn

MOHN_II_DSC_0767

MOHN_IV_DSC_0790_2

wie es mich auch sog
in jede mohnblüte hinein
wagte ich nicht
mich zu legen
in dieses blumenbett
seine enorme grösse
hätte es zugelassen
es war früher morgen
im schlaf noch verhangen
hätte der traumgott mich wahrlich
in seine tiefsten tiefen tragen können

mohn – des schlafes schwester
kamille – die heilerin vieler übel
sie scheinen zusammmen zu gehören
heilschlaf
gesündester aller

ich kann ihn nicht verschweigen
den duft der kamille
und das giftige wallen
aus dem geriebenen blütenblatt
des mohnes
in meiner hand

MOHN_III_DSC_0755_2

MOHN_V_DSC_0782_2

MOHN_VI_DSC_0772_2

DER BAUM IST EIN BAUM, IST EIN BAUM, IST EIN BAUM…

der baum ist ein baum, ist ein baum, ist ein baum…

dieser hier ist es schon ziemlich lange, an unserem eigenen leben gemessen.
einmal wird er nicht mehr baum sein, so wie wir einmal nicht mehr mensch sein werden.
nicht jeder baum hat so einen ort, von dem er nicht fort muss.
dieser hier steht unter naturschutz.

URALTEICHE_DSC_8072

dieser hier ist schon gereist, was nicht viele bäume von sich sagen können.

DPAG-20060105-Winter-1

2006 hat er die reise angetreten, da hat ihn johannes graf auf einer briefmarke verewigt.
verewigt ist vielleicht übertrieben. ich denke mal, dass die originaluralteiche die briefmarke überleben wird.

verbundenheit, mal mehr, mal weniger, dieses verpflichtende wort, zwischen den dingen, den menschen, den taten. verbunden sein mit allem. verknüpfungen herstellen, damit wir verstehen.
an verschiedenen orten passiert ähnliches, in anderen gegenden wachsen gleiche gestalten, gleiche bäume.

so hat caspar david friedrich bei seinen baumstudien einen ganz ähnlichen baum entdeckt. auch dieser sieht aus wie eine uralteiche. ob er ihr verbunden war, kann ich nicht sagen. imponiert haben wird sie ihm schon, um ihm als objekt zum zeichnen zu dienen.
viele dinge dienen uns, nicht nur zum zeichnen. wir nehmen sie in unsere dienste, ohne zu fragen.

mit meinem baum rede ich, ich begrüsse ihn und frage, ob ihm meine gesellschaft angenehm ist. für seine vielen geschenke bedanke ich mich.
letztens klopfte ich an, als ob ich durch eine tür zu ihm gehen wollte. das klang ganz hohl, was mich verwunderte, sehr verwunderte, weil ich ein florierendes wasserwerk in ihm vermutete, so, wie das im fs oft gezeigt und erklärt wird. aber kein baum war davon so alt.
und nun grübele ich, wie er das schafft, leben immer wieder in sich aufkeimen zu lassen.
es gibt äste an ihm, die sind ganz grün und üppig belaubt. junges und altes so dicht beieinander. ganz bedeutungsvoll ist er mir, wenn ich auf seinen baumwurzeln unter ihm stehe. sobald ich von ihm wegtrete, fällt er ins nichts und erst in meinen bildern und gedanken wird das erlebte wieder lebendig.

EICHE_350_Scannen 7

und, als wäre caspar david friedrich am gleich ort gewesen, eine baumreihe, wie auf den beberbecker huden.

BAUMREIHE C.D.FRIEDRICH_500.jpScannen 11g

BAUMREIHE_DSC_9017_2

BAUMREIHE_DSC_9020_2

weltweit scheinen die bäume die gleiche sprache zu sprechen.
hier ein oelbaum auf der insel mallorca.
den hat sohn mirko bei seinem besuch dort gefunden und fotografiert.

olivenbäume übertreffen die eichen noch an alter, und so einen sah ich bisher noch nicht.
er muss einer der ältesten und eindrucksvollsten oelbäume der welt sein.
er nimmt sich aus wie ein gedenkbaum für alle oelbäume stellvertretend.

OLIVENBAUM MIRKO_P4241150_2

NOTATIONEN EINER URALTEICHE…

BAUMMUSTER_I_P1070325_2

was ist kunst?
das, was die natur hervorbringt, oder das, was wir, durch sie angeregt, nachahmen?
ich neige dazu, ersteres anzunehmen. schliesslich hat die natur die älteren anrechte.
sie war vor uns da.

die zartesten muster hat diese uralteiche in seine rinde gezeichnet.
sie sind für mich wie gedichte aus wind und sonne.
wie noten eines sehr alten liedes.
wie allerfeinste stickereien.
wie notationen eines wesens, das wir nie ergründen werden.

sich einem baum anzunähern, das ist ein ungeheures anliegen, nur in kleinsten nuancen erreichbar.
heute zeigt er mir ein klar erkennbares bild, morgen kann ich es nicht mehr finden.
er lehrt mich, immer neu zu schauen.

BAUMMUSTER_1_P1070180_2

BAUMMUSTER_2_P1070168_2

BAUMMUSTER_3_P1070157

BAUMMUSTER_4_P1070153

BAUMMUSTER_II_P1070344

BAUMMUSTER_IV_P1070330

BAUMMUSTER_III_P1070332

G R Ü N . . .

ROBERT WALSER
den beitrag gab es vor zwei jahren schon einmal.
aber ich muss ihn noch einmal bringen.
nichts und niemand weiss dieses grün so fantsievoll, so prosaisch, so herrlich und treffend zu beschreiben wie robert walser.

G R Ü N _P1060143_2

g r ü n (1)

man begreift es nicht, man vermag es kaum zu fassen, es ist erschreckend, es ist etwas unheimliches, etwas beinahe überwältigendes. ‚hat es einen sinn?’ fragt man sich. beinahe sinnlos ist es. es betäubt, es macht den verstand schwindeln. es tut den augen, dem herzen weh, es beklemmt und bestürzt die seele. farbe, farbe. keine andere ist vielleicht so sehr farbe, wie diese. keine zweite farbe blendet so sehr. grün, grün.

wohin man blickt: grün. die einfälle, die gedanken, die regungen der seele nehmen eine heimliche verwandtschaf mit dem grün an und arten in grün aus. die gesichter sind beinahe grün. es hat etwas rätselhaftes, aufregendes, grauenhaftes. nein, nein, es ist nicht so einfach; um den modernen menschen herum ist überhaupt nichts mehr so einfach. täuschen wir uns nicht, gehen wir nicht mit bleichen, kranken scherzen über dinge hinweg, die uns erschüttern, die uns die ohnmacht, in welcher wir immer, immer leben, eindringlicher fühlen machen. grün, grün.

aus dem boden hervor quillt es dick. es ist geradezu entsetzlich. es lähmt, macht auf minuten krank, der kopf steht still, und die seele will aufschreien, will aus ihrer befestigung, dem körper, herausbrechen.
blau ist sittsam und sanft. es gibt auch im herbst und im winter ein blau. aber grün? warum grün? warum, warum so schrecklich, so köstlich, so herrlich grün. es brennt. grün: das brennt. die welt im frühling ist ein brand in grün. grün ist eine raserei von farbe.

hochauf bäumt es sich, lang streckt es sich aus. man ist kein mensch mehr. man weiss nicht mehr, was und wer man ist. es tobt, es zürnt, es quillt, es lodert. grün ist eine fürchterlich ernste, heilige farbe, eine mahnende, fragende farbe, eine göttliche farbe.
weiss, zum beispiel, lächelt. gelb streichelt. warum gibt es schwarze und weisse katzen, und nicht grüne? ach ja, und warum schillern manchmal augen grün? grün kriecht über nacht aus dem
innern der erde, schlägt überall, überall, einer dunklen ahnung ähnlich, hervor. wie ist grün gebieterisch.

grün sei die farbe der hoffnung? jawohl, gewiss, ganz gewiss. doch man versuche es, zu hoffen ohne je zu erzittern und zu erschauern. dicht neben, oder vielmehr, mittendrin in der hoffnung lebt finsteres hoffnungsloses bangen und verzagen. es gibt keine farbe auf der welt, die so sehr einsamkeit und planeten-verlorenheit ausdrückt wie grün. grün ist der ruhm der welt. grün ist die grösste, feierlichste farbe. es ist der farbenanfang, der inbegriff, der stolz der farben. es ist der farbenanfang, der inbegriff, der stolz der farbe. grün ist die seele der farbe. und dann: warum ist es nicht ein wenig heller? es könnte ja matter, leichter sein. aber nein, nicht hell, sondern düstersatt, samtig dunkel, wie ein weltenzorn, tritt es auf und leuchtet und schillert und blendet uns entgegen.

warum ist man im frühling so krank, so matt, so frauenhaft auf das weiche und zärtliche gestimmt, so tatlos, so phantasielos. grün erstickt die phantasie, weil es selber eine phantasie ist. grün ist der räuber der menschlichen energien; hat nicht napoleon sich vor dem frühling gefürchtet? nicht? nun, dann bilde ich es mir vielleicht nur ein, denn auf mich wirkt es wie eine lähmung, derart, dass ich mich in eine katakombe zurückziehen möchte, um nur dem erschreckend süssen anblick zu entgehen. ich fürchte mich im winter nie vor mir, im herbst habe ich geradezu goldenes zutrauen zu mir selber, aber im grün, um gottes willen, hinein in die erstbeste kneipe, trinken, trinken. grün tötet. blühen, knospen. wozu? man versteht es nicht. ich weiss es jetzt, weiss es jetzt ganz genau, dass ein blühender frühling auf den menschen, je länger er lebt, einen immer stärkeren eindruck macht; da wird es ganz nass, da schwimmt es vor lauter grün, und alle menschenbeschäftigungen kommen einem so sonderbar vor, beinahe wie ein klarübersichtlicher irrsinn. es ist ja in der tat auch etwas irrsinniges am grün; und blühen: was ist es anderes als eine art irrsinn? flimmern ist irrsinn.

schon recht. man wird sich ja natürlich, als der mensch von verstand, der man ist, damit abzufinden wissen. hier wollte ich eine illustration liefern, eine verkörperung, eine verherrlichung. o, es gibt träume, die ganz dunkelgrün sind, von spuren rot durchzogen, von blau umsäumt, so, als sei unser denken und dichten blau, unser besseres wollen rot und unser leben unaussprechlich grün.

ja, grün ist – leben, grün ist lieben. es missfällt oft. es entzückt und entsetzt zu gleicher zeit, und es wird von tag zu tag wilder und üppiger. nach und nach, gegen den sommer, lässt es an tiefe ab. man gewöhnt sich daran. dann geht man unter den reichen blätterflüsternden bäumen wie unter dächern spazieren. der staub nimmt ihm auch viel von seinem tiefen glanz weg, und mitten in grossen städten rauschen und wispern im hochsommer die blätter, die dann ganz grau und fahl sind, als seien sie von eisen.