träumerei des weges…

es gibt eine ‚träumerei des schreitenden menschen, eine träumerei des weges’ und ich könnte hinzufügen, eine träumerei des fotografierenden menschen. in kontakt mit den dingen sprechen sie zu ihm. sie sprechen aus ihren verschiedensten formen und so wir dem vollen wert beimessen, erreicht es uns in unseren tiefen. wir sind beglückt, uns in den bildern, die wir uns von den dingen machen, wiederzuerkennen. und wir erkennen dinge wieder, die uns in unserem tiefsten inneren anrühren. alten bildern neue hinzuzufügen heisst nicht, sie zu tilgen, sondern sie durch neue zu ergänzen, unsere sichtweisen und einbildungskräfte zu erweitern. es ist unvorhersehbar, was wir erblicken. auch wenn wir in uns bekannte gegenden laufen, sehen wir die dinge immer wieder neu. offenen auges und mit erwachender wahrnehmung verändert sich die uns bekannte welt. dadurch, dass etwas in uns anklingt und einen widerhall erzeugt, eignen wir es uns an. dieses anklingen verändert uns durch seine fülle.

formen und linien finden in mir einen starken anklang. henry moore, der mit seinen geschwungenen figuren 1964 auf der documenta starke denkanstösse lieferte, konnte mich mit seinen warmen, weichen linien auf anhieb begeistern. Continue reading

scheinsonne…

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ich dachte, etwas unbesonnen,
die sonne hätt vielleicht geschonnen.
doch war es möglich, dass sie scheinte,
nur weil für mich sich’s beinah reimte?

ferdinand c. hoermann

gestern war so ein sonnenblauer himmel, fast nicht zum aushalten – und es war wie immer – dass ich dachte, es ginge immer so weiter. es drängt hinaus und ich verschiebe es. auch wie immer ist, dass am nächsten tag, also heute, die sonne zu wünschen übrig lässt. wie immer, Continue reading

erinnern…

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erinnern ist etwas langweiliges, ist etwas, das ich schon kenne, ist etwas trügerisches. es geht um erlebtes, etwas, das sich durch erinnern verändert, in die eine oder andere richtung– jenachdem. dramatisches wird gern noch dramatischer, schönes wird verklärt oder aber herabgemildert. erinnerungen sind nichts wirklich wertvolles. sie sind nicht subjektiv. das subjektive, das sich selbst belügt. es belügt sich in dem falle durch neuerlich erlebtes, das das alte überlagert, verzerrt. gefühle lassen sich täuschen. gefühle täuschen mich.
trotzdem erinnere ich mich. Continue reading

meine linke hand…

‚gib das schöne händchen’ sagte meine mutter zu mir, wenn ich jemanden begrüssen musste. dass ich eigentlich gar kein händchen geben wollte, störte sie nicht.

heute musst du gar keine hand mehr geben und wenn, kannst du frei wählen, ob links oder rechts. niemand sagt mehr etwas vom ‚schönen händchen’.
wieso soll ein händchen auch schöner sein als das andere. früher mussten die kinder mit rechts schreiben, unbedingt. Continue reading

vergriffen…

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manchmal kommt mir ein begriff, den ich nicht eindeutig einordnen kann, so jetzt gerade dieses ‚vergriffen’.
ein buch ist vergriffen – das ist ein buch, das nicht mehr zu haben ist, aus, weg. und ich hätte es so gerne gehabt. und wie alles, was man nicht haben kann, hinterlässt es eine lücke und einen schmerz, als hätte man etwas verloren.
heute kann man Continue reading

über allem das weiss…

die weisse seite – es ist ja nicht mehr das weisse blatt vor mir – also, die weisse seite vor mir – immer ist es fraglich ob und mit was sie sich füllt. und immer die angst, dass sie sich nicht füllen könnte. da hilft der rat, erstmal mit einem wort, einem satz zu beginnen, gar nicht. denn wenn sie sich nicht füllt, dann auch nicht mit einem wort oder satz. die worte verweigern sich mir. ich kann sie nicht zwingen. jedes zwingen würde man ihnen ansehen. sie zeigten schwachstellen, sie sähen gequetscht aus und ohne jegliche kraftvolle intention. sie wären schal, schneller als ein bier es sein kann. Continue reading

Die Sprache ist das Licht der Welt

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hans georg gadamer

„Immer geht ein Meinen, ein Intendieren über das hinaus, an dem vorbei, was wirklich in Sprache, in Worte gefaßt den anderen erreicht. Ein ungestilltes Verlangen nach dem treffenden Wort – das ist es wohl, was das eigentliche Leben und Wesen der Sprache ausmacht.“

‚…Ein ungestilltes Verlangen nach dem treffenden Wort – das ist es wohl, was das eigentliche Leben und Wesen der Sprache ausmacht.’
immer geht mit diesem verlangen einher, das, Continue reading

E V A A E P P L I

 

 

retrospektive – ausstellungsbesuch im tinguely-museum basel – 01.03.2006

der tod und das leben, das kraftlose und das kraftvolle – es ist alles da. es herauszufinden und es sichtbar machen im bild, das ist meine anstrengung.
dieses herausfiltern zu erlangen – es kommt mir vor, als sei es anstrengender als die figuren entstehen zu lassen. stich für stich, genäht, geformt in pose gesetzt auch und geschmückt – ich rücke nah an sie heran, um die nähte zu studieren, um ihre bedeutung zu erkennen und hervorzuheben. Continue reading

sieben schleier…

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‚einmal wollte ich ‚ich’ schreiben…’ das frauenich noch nicht lang genug auf der welt, um es ohne bedenken herauszusagen. ich bin ich – obwohl – ich es noch nicht lange genug weiss.
ich verberge mich hinter meinen sieben schleiern, wohlwissend, dass alle versuche, sie mir zu entreissen, nichts gebracht haben. Continue reading