
ich will zum grab meiner mutter.
da pfeift es zu mir herrüber:
es tönen die Lieder
der Frühling kehrt wieder…
ich falle ein und pfeife:
…es spielet der Hirte
auf seiner Schalmei…
gepfiffen wohlbemerkt
und mit dem gemeinsamen:
trala la la …
gehe ich zu dem pfeiferling hin.
da kennt doch noch jemand volkslieder.
wunderbar, das ist ja wunderbar.
er gerät in eine aufgekratzt heitere stimmung,
erzählt wie ein wasserfall, als habe er
die letzten drei jahre mit keinem
menschen gesprochen.
er geht mit einem gehwägelchen.
daran hat er allerlei zeugs hängen.
er holt einen flachmann aus der brusttasche
seiner jacke und hält ihn mir hin.
er erzählt, dass er ein ganz eigenes rezept
erfunden habe.
er sei alkoholiker.
1/16 alkohol und den rest saft.
ganz verschiedene säfte habe er.
da könne er so viel trinken, wie er lust habe.
er weitet den einblick in seine tasche –
ein wirkliches sammelsurium…
plötzlich geht ein vogelgezwitscher los.
auf seinem wägelchen liegt so ein holzvogel,
dem diese töne plötzlich einfallen.
er lacht ganz fröhlich, wie mir scheint.
in der kö-galerie habe er hausverbot.
die werfen mich immer hinaus.
ja, spassvögel sind in unserem land
nicht sehr beliebt, sage ich.
das irritiert die menschen, wirft sie aus ihrer
gewohnten bahn.
dabei wäre ein gemeinsam geträllertes lied
eine heitere einlage.
ich frage, ob ich ein foto von ihm machen dürfe.
er hat nichts dagegen.
gemeinsam schauen wir es uns noch an
und dann verabschiede ich mich,
gehe zum grab meiner mutter.
KANON ZU DREI STIMMEN
Es tönen die Lieder, der Frühling kehrt wieder,
es spielet der Hirte auf seiner Schalmei:
trala la-la-la-la-la-la la-la,
trala la-la-la-la-la la-la.