HERBSTTAGUNDNACHTGLEICHE…

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wenn der herbst mit einem sonnentag beginnt und die temperaturen über 20° steigen,
könnte man annehmen, dass jetzt endlich der sommer begänne, auf den wir immer noch warten.
nicht klar abzugrenzen sind die jahreszeitenübergänge. auch für unsere angelegenheiten, die wir an solchen punkten geneigt sind verstärkt zu klären, ist dies übertragbar. in wenigen dingen lässt sich etwas in einem einzigen augenblick entscheiden. und wo wir das tun können, gehen überlegungen voraus, um so entscheiden zu können – oft jahrelange. es sind kleine, unwesentliche dinge, die sich einfach so lösen lassen. sie haben nicht unbedingt auswirkungen auf unser weiteres tun und schon gar nicht auf unser leben.

das bunte des herbstes sehne ich herbei, nicht unbedingt das kalte und nasse. wir haben keinen einfluss, nur unser erleben können wir versuchen positiv zu stimmen. das kommende halbe jahr verlangt uns einiges ab – das lebendige zieht sich zurück in sich selbst.

dass an einem jahreszeitenwechseltag (was für ein schönes wort) ein voller mond steht, ist nicht ganz so häufig. diesmal ist das so. am 23. september 2010, 11 UHR 17, ist vollmond. ich werde nach dem heutigen blauen tag in der nacht schon mal ausschau halten.

dieser volle mond berührt mich. für einen moment ist es, als würde alles seine richtigkeit haben, oder vollkommen sein. alles fügt sich zu einem ganzen, nichts fällt heraus. so halten können, die gewissheit, dass alles sich gleich wieder ändern wird, vom sockel stossen.
die fantsien und sehnsüchte der menschen sind so verschieden und vielfältig wie die menschen.

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dahliengarten hamburg

DER SEELENVOGEL…

Tief, tief in uns wohnt die Seele.
Noch niemand hat sie gesehen,
aber jeder weiß, dass es sie gibt.
Und jeder weiß auch, was in ihr ist.

anfang des büchleins…
von Verfasser; Michal SSunit/ Na’amaGolomb

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CHRISTA MERKEL UND IHRE KLASSE 4

mit diesem kleinen büchlein
DER SEELENVOGEL
bringt christa m. den 9 jährigen nahe, was das sein könnte, EINE SEELE…
die vorstellungen, die die schülerinnen und schüler davon haben, lässt sie malen und basteln.
die seele scheint nicht nur flügel zu bekommen, sondern lässt auch die fantasie der kinder flattern.
so verschieden wie die kinder, sind auch die bilder von ihnen. sie zeigen freude, traurigkeit, mutlosigkeit,
helle begeisterung und witz und mehr…
ein paar der vögel habe ich ausgewählt.
immer, wenn ich in der gross-flottbeker-schule in hamburg bin,
begeistert mich das kreative in den unterrichtsstunden und dass es für alle sichtbar gezeigt wird.
ich war wieder einmal entzückt und hingerissen und freudvoll angetan. viel lob, aber es ist gerechtfertigt.
danke euch allen.
rosadora

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In der Seele,
in ihrer Mitte,
steht ein Vogel
auf einem Bein.
Der Seelenvogel.
Und er fühlt alles,
was wir fühlen.
Wenn uns jemand verletzt,
tobt der Seelenvogel in uns herum;
hin und her, nach allen Seiten,
und alles tut ihm weh.

Wenn uns jemand lieb hat,
macht der Seelenvogel fröhliche Sprünge
kleine, lustige,
vorwärts und rückwärts,
hin und her.

Wenn jemand unseren Namen ruft,
horcht der Seelenvogel auf die Stimme,
weil er wissen will,
ob sie lieb oder böse klingt.

Wenn jemand böse auf uns ist,
macht sich der Seelenvogel ganz klein
uns ist still und traurig.

Und wenn uns jemand in den Arm nimmt,
wird der Seelenvogel in uns
größer und größer,
bis er uns fast ganz ausfüllt.
So gut geht es ihm dann.

Ganz tief in uns ist die Seele.
Noch niemand hat sie gesehen,
aber jeder weiß, dass es sie gibt.
Und noch nie,
noch kein einziges mal, wurde
ein Mensch ohne Seele geboren.
Denn die Seele schlüpft in uns,
wenn wir geboren werden,
und sie verlässt uns nie,
keine Sekunde,
solange wir leben.
So, wie wir auch nicht aufhören zu atmen
von unserer Geburt bis zu unserem Tod.

Sicher willst du wissen,
woraus der Seelenvogel besteht.
Das ist ganz einfach.
Er besteht aus Schubladen.
Diese Schubladen können wir
nicht einfach aufmachen,
denn jede einzelne ist abgeschlossen
und hat ihren eigenen Schlüssel.
Und der Seelenvogel ist der einzige,
der die Schubladen öffnen kann.
Wie?
Auch das ist ganz einfach:
mit seinem Fuß.

Der Seelenvogel steht auf einem Bein.
Das zweite hat er, wenn er ruhig ist,
an den Bauch gezogen.
Mit dem Fuß dreht er den Schlüssel
zu der Schublade um,
die er öffnen will,
zieht am Griff,
und alles, was darin ist,
kommt zum Vorschein.

Und weil alles, was wir fühlen,
eine Schublade hat,
hat der Seelenvogel viele Schubladen.
Es gibt eine Schublade für Eifersucht
und eine für Hoffnung.
Es gibt eine Schublade für Enttäuschung
und eine für Verzweiflung.
Es gibt eine Schublade für Geduld
und eine für Ungeduld.
Auch für Hass und Wut und Versöhnung.
Eine Schublade für Faulheit und Leere
und eine Schublade für die
geheimsten Geheimnisse.
Diese Schublade wird fast nie geöffnet.
Es gibt auch noch andere Schubladen.
Du kannst selbst wählen, was drin sein soll.

Manchmal sind wir eifersüchtig
ohne dass wir es wollen.
Und manchmal machen wir etwas kaputt,
wenn wir eigentlich helfen wollen.
Der Seelenvogel gehorcht uns nicht immer
und bringt uns manchmal
in Schwierigkeiten…
Man kann schon verstehen,
dass die Menschen verschieden sind,
weil sie verschiedene Seelenvögel haben.
Es gibt Vögel,
die jeden Morgen die Schublade
„Freude“ aufmachen.
Dann sind die Menschen froh.
Wenn der Vogel
die Schublade „Wut“ aufmacht,
ist der Mensch wütend.
Und wenn der Vogel
die Schublade nicht mehr zuschließt,
hört der Mensch nicht auf, wütend zu sein.

Manchmal geht es dem Vogel nicht gut.
Dann macht er böse Schubladen auf.

Geht es dem Vogel gut,
macht er Schubladen auf, die uns gut tun.
Manche Leute hören den Seelenvogel oft,
manche hören ihn selten.
Und manche hören ihn
nur einmal in ihrem Leben.
Deshalb ist es gut, wenn wir
auf den Seelenvogel horchen,
der tief, tief in uns ist.
Vielleicht spät abends,
wenn alles still ist….

CANNA – DIE VERHEISSUNGSVOLLE SCHÖNE…

wer sie einmal wahrgenommen hat, vergisst sie nicht. in ihrer vielfarbigkeit, ihren satten, warmen farben leuchtet sie in den spätsommer hinein, leuchtet in den tag, wälzt sich in mein herz.
als einzelstaude habe ich sie fast übersehen. erst durch die vielen sorten im ALTEN BOTANISCHEN GARTEN in GÖTTINGEN wurde ich auf sie aufmerksam. sie trugen auch geheimnisvolle namen neben CANNA. ich hab sie mir leider nicht notiert. canna ist arg trocken und weckt eher asoziationen zu eisenrohren als zur wunderschönen pflanze der canna.
immer mal wieder kam die sonne. viele menschen hatte der kräutergarten angelockt. später dann wurde ich noch pitschepatschenass.
unter den sonnenschirmen des café botanik wartete ich den regen ab bei kakao und kuche. war aber nicht. als ich schon auf der heimfahrt war, kam die sonne wieder heraus.

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TRÄUMENDE NACHT…

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Alles schlummerte. Die Luft, warm und duftgeschwängert, war regungslos;
ab und zu durchflog sie ein Zittern, wie das Zittern des Wassers, das vom Fall eines Zweiges berührt wird.
Man fühlte ein Sehnen, eine Art Durst in dieser warmen Luft.
Ich beugte mich über den Zaun: vor mir streckte ein wilder roter Mohn aus dichtem Gras seinen schlanken Stengel hervor:
ein großer runder Tropfen nächtlichen Taus glänzte in dunklem Schimmer auf dem Grund der geöffneten Krone.
Alles umher war wie in sich selbst versunken;
alles schien hingestreckt, unbeweglich und erwartungsvoll den Blick nach oben gerichtet zu haben.
Worauf harrte diese blaue, träumende Nacht?…

Turgenjew, Iwan (1818-1883)

DIE ORDNUNG AUF JÜDISCHEN FRIEDHÖFEN…

und die auf dem jüdischen friedhof kassel

israelische glaubengrundsätze, zu denen die unantastbarkeit der totenruhe gehört, gewähren den gräbern und grabmalen ein ewigkeitsrecht. in die ewigkeit ‚wachsen’ können die jüdischen friedhöfe auf diese weise.

DIE GRÄBER AM 25. APRIL 2010

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dass das auf dem kasseler jüdischen friedhof nicht der fall ist, musste ich gestern schmerzlich in augenschein nehmen.
gräber, die auf idyllische weise mit efeu umrankt waren, sind nun kahl, der boden umgegraben und gras eingesät. es hat mir das herz umgedreht – diese ordnungsliebenden und verordnungswilligen menschen.
von unantastbarkeit und ewigkeitsrecht nichts zu spüren. wer dies beschliesst und verordnet toleriert die gepflogenheit der juden nicht, nimmt die verfolgung auf über den tod hinaus.
die ausführenden können nichts dafür. aber unwissenheit und gehorsam ist schon immer das übel in der welt gewesen und wird es immer sein.

DIE GRÄBER AM 31. AUGUST 2010

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und dieses wegreissen des gewachsenen ist nicht das einzige. da sind zwei grabstätten hergerichtet worden, in schwarzem marmor, so glänzend gold beschriftet, dass es mir übel wird. auf diesem friedhof wird schon seit vielen jahren niemand mehr beigesetzt. dafür gibt es den neuen friedhof seit 1932.

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endlich unantastbarkeit wünsche ich mir für diese toten, die für mich lebendiges zeugnis ablegen.

ABENDWOLKEN…

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Wolken seh ich abendwärts
Ganz in reinste Glut getaucht,
Wolken ganz in Licht zerhaucht,
Die so schwül gedunkelt hatten.
Ja! mir sagt mein ahnend Herz:
Einst noch werden, ob auch spät,
Wann die Sonne niedergeht,
Mir verklärt der Seele Schatten.

Ludwig Uhland, 1787-1862

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WIE EINE ERINNERUNG…

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jede jahreszeit ist wie ein verschwindend kleiner punkt.
kaum gekommen, ist sie schon wieder entschwunden.
jede alljährlich wiederkehrende erscheinung
ist wie eine erinnerung, wie ein stichwort.
ein jahr besteht aus einer reihe von gefühlen und gedanken,
die ihre sprache in der natur finden.
jetzt bin ich eis,
jetzt bin ich sauerampfer.

henry d. thoreau

MAISFELD…

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…und ich selber mittendrin…
das ist eine neue erfahrung, in einem maisfeld, nicht, dass ich sonst nicht irgendwo mittendrin stecke.
was willst du denn mit maisfotos?
das weiss ich noch nicht. vieles erschliesst sich mir erst durch mein neugieriges tun.

mais zu fotografieren ist nicht einfach. pflanze an pflanze und so dicht beieinander.
aber ich passe in die lücken. geschick und vorsicht sind erforderlich, vorsicht, die pflanzen nicht zu verletzen oder gar umzutreten. ich zucke schon zusammen, wenn ein blatt mit einem hörbaren knack einen knick bekommt. jedesmal entschuldige ich mich, wenigstens das.
die spitzen der maiskolben, die ausschaun wie haarschöpfe, nehmen sich so verschieden aus wie menschliche frisuren. sie sehen bei regen anders aus, und eigentlich am schönsten, als bei sonnenschein.
die maisköpfchen stehlen allem anderen die schau. ich brauche lange, bis ich sie wirklich wahrnehme. es ist sehr anstrengend, das wesen einer pflanze zu erkennen, wenn überhaupt. ganz mais werden – das ist das geheimnis.
noch vor dem sehen kommt vielleicht das riechen. während ich schreibe, umgibt mich der geruch des maisfeldes, dieses ganz bestimmten feldes. ob andere ebenso riechen weiss ich nicht. durch den dünger hindurch muss ich das maisspezifische erkennen. etwas herbes vermischt sich mit süsslichem und zwar bei regen intensiver als bei sonnenschein.

und dann ist da ein windchen. das spielt mit den blättern, macht ein rauhes geräusch, dass ich zuerst schaue, ob noch jemand im feld ist. ausser einem mäuschen ist da nichts. ich bin nicht ängstlich, aber aufmerksam. da ist auch noch der mähdrescher. ich sehe ihn nicht durch die hohe maiswand, aber immer mal wieder kommt er verdächtig nahe. es ist noch keine maiserntezeit, er gehört zur wahrnehmung des maisfeldes und sein drumherum.
das schauen und das andere schauen.
etwas sehen und etwas anders sehen.
es ist eine grosse anstrengung für die augen und für die sinne.
es erschöpft mich.
nach einer guten stunde sehe ich erst spezieller und später garnichts mehr.
ich gehe morgen wieder hier her, oder übermorgen und verfolge den weg des maises.
wenn er dann abgeerntet ist, habe ich ja noch die erinnerungen und die bilder.

es sind die überlegung zur maisgöttin, zu den mayas, denen der mais eines der wichtigstens nahrungsmittel war.
und die frage, was wird heute bei uns mit dem mais gemacht. im speiseplan nimmt er keine grosse rolle ein. es geht darum, einen treibstoff herzustellen. und da kollidiert das wichtigste mit dem unwichtigen.

für mich ist mais noch ein drittes.
maisbilder nähren meine seele.
sie zeigen mir die verbundenheit mit allem.
ich bin dann ein teil von dem mais,
die maisbildgöttin…

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