DEUTSCHLANDHYMNE ALTERNATIV…

KATHARINA THALBACH
im kölner trefff

regte an, die deutschlandhymne in folgenden text von
bertolt brecht zu ändern.

das gespür für text, das bewusstsein für inhalte lässt zu wünschen übrig.

Schmidt-Salomon meinte, dass den meisten aufgeklärten Menschen das traditionelle Deutschlandlied „unerträglich peinlich“ sei.

die giordano bruno stiftung regte eine änderung schon 2006 an.

***
Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Dass ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land

Und nicht über und nicht unter
Andern Völkern wolln wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.

Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir’s
Und das liebste mag’s uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs.

****
Die alternative weltoffene Deutschlandhymne
Text: Bertolt Brecht
Musik: Joseph Haydn
***
Alternative Hymne hören (mp3-Format, 1,27 MB)
Produktion: MSS/Giordano Bruno Stiftung, Juni 2006

lesen:
http://www.leitkultur-humanismus.de/hymne.htm:

WAWUSCHELKOBI…

FÜR REBECCA UND MARC

DSC_0064_WAWUSCHEL

der wawuschelkobi brachte mich zum lachen – wie er da hockte, zwischen all dem geäst.
die haare leicht zu berge. ein beatlchen, oder wawuschel eben.
er hats nicht leicht. es gibt einiges getier, das ihm die haare vom kopf fressen könnte.
in seiner erstarrung kann er sich schlecht wegducken.
dem nachtregen ist er dankbar, der erhält seine haarpracht.
von den hexen und anderen kobolden hat er noch nie gehört.
es ist, als sässe er hier in einer talsohle fest.
er hört es manchmal heulen und juchzen.
er denkt sich nichts dabei. er weiss ja nicht, was es ist,
das ihn da beunruhigen könnte.

er fühlt sich geschmeichelt, weil ich ihm meine aufmerksamkeit schenke.
das ist ihm in seinem ganzen leben noch nicht untergekommen.
neulich kam so ein schwarzer geier, jedenfalls war er so gross, angeflogen.
der wollte an seiner haarpracht zurren.
den hat er angebrüllt, sag ich dir, wie ein wildschein.
der geier flog weg. der hat sich so erschrocken und nicht geahnt,
was dem wawuschelkobi möglich sein würde. er sitzt geschickt
auf einem langen baumteil, so etwas wie ein ast – war es einmal.
da könnte man leicht denken, seine gestalt nähme gar kein ende.
naja, sollen sie mal denken.

…IN DEN SAND…

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FOTO: SABINE KÖTTELWESCH

Wenn ich dereinst ganz alt und schwach,
Und’s ist mal ein milder Sommertag,
So hink ich wohl aus dem kleinen Haus
Bis unter den Lindenbaum hinaus.
Da setz ich mich denn im Sonnenschein
Einsam und still auf die Bank von Stein,
Denk an vergangene Zeiten zurücke
Und schreibe mit meiner alten Krücke
Und mit der alten zitternden Hand
So vor mir in den Sand.

Wilhelm Busch

TIEFES DUNKEL…

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WIE MAN SICH
IM DUNKEL NACH DEM HELLEN SEHNT
SEHNT MAN SICH
IM HELLEN NACH DEM DUNKEL

DUNKLE TIEFEN ERZÄHLEN
VON DEM UNGESEHENEN
VON DEM NICHTERWARTETEN
VON HEIMLICHEN GESCHICHTEN
NACH DENEN WIR UNS SEHNEN

IMMER DANN
WENN ES DRAUSSEN
ZU ÜPPIG WIRD
ZU LAUT
ZU SEHR INS PARADIES VERWEISEND

DAS UNS ZWEIFELN MACHT
AN DEM
WAS IST
AN DEM
WAS SEIN KÖNNTE

LOUISE BOURGEOIS..

Ach…

siehe
´KLEINE SACHEN AUS BROT…´
unter der rubrik KUNST

LOUISE BOURGEOIS
sie schien mir unsterblich. mit ihren 98 jahren hatte sie die grenze zwischen leben und tod verwischt.
wären die nachrichten von ihrem tod nicht erschienen, gäbe es zwischen ihrem leben und ihrem sterben keine trennung.
ich verneige mich vor dieser grossen künstlerin und frau. sie war und ist für mich die eindrücklichste.
aus ihren allerprivatesten eindrücken von leben – ihres lebens – und tod schuf sie ihr überzeugendes werk.

arthur miller würdigte ihre
´EHRLICHKEIT GEGENÜBER IHREN TRÄUMEN, IHRER ALLERPRIVATESTEN VISION. DARIN LIEGT EINE SCHÖNHEIT DER INTENSITÄT, DIE SICH IHRER KUNST MITTEILT.´

sie war auf einigen documenten hier in kassel vertreten.
in bregenz war das ganze museum angefüllt mit ihren bildern und kunstwerken.
ihr wirken war so verschieden von denen anderer künstlerinnen und künstler.
sie brachten und bringen mich schier ´aus dem häuschen´,
so, wie sie es ebenso gewesen sein muss, als sie ihre kunstwelten schuf.

ein sehr schöner artikel erschien in der FAZ.NET

www.faz.net/…/ Doc~E2D7112F3E841439C9CAAA65C68BA06..

meine persönlichen eindrücke kann ich ob der betroffenheit jetzt nicht schildern.
vielleicht später.

‘KLEINE SACHEN AUS BROT…’ siehe unter KUNST 22.03.06

‚da hab ich angefangen, aus brot kleine sachen zu formen.’

LOUISE BOURGEOIS

bei den ‚kleinen sachen’ ist sie nicht geblieben. sie hat sich herausgewickelt aus dem pausenlosen reden des vaters, der sie nicht nur mit seinen worten verletzte. sie lenkte sich ab und formte diese ‚kleinen sachen aus brot’.
brot, dieses wichtig nahrungsmittel, wurde zu ihrem ersten baustoff.
aus ‚stoff’ waren auch die wandteppiche, die sie mit ihrer mutter ausbesserte. da war sie acht jahre alt.

bis zum heutigen tage verwendet sie das material ‚stoff’ immer mal wieder, näht ganze figuren mit der hand. handarbeit ist vieles bei ihr. von weich bis ganz hart sind die materialien, von stift und farben bis zu hammer und meisel. mit dem ‚zwingenden bedürfnis zu arbeiten’ dehnt sie ihr lebenswerk. die magische kraft, die ihrer kindheit noch immer innewohnt, gibt ihr genug anlass, immer weiter zu arbeiten, immer mehr ihr unterbewusstsein zu durchforschen und zu manipulieren, wie sie es nennt.

auffallend die immer grösser werdenden spinnen. in bilbao erlangt sie eine
höhe von 22 metern….

in bregenz ‚louise bourgeois drawings and sculpture ’ waren sie 7 meter hoch. auffallend die ‚zellen’, die im schutze der spinnen und ganz von ihnen umgeben ihren ‚raum’ haben.

die spinne – sinnbild für das muttertier, für das prinzip mutter, an deren stelle sie ihre mutter setzt, zu der sie eine enge und gute beziehung hatte, wie sie sagt – lässt unbedingt eigene interpretationen zu. so will sie es, die künstlerin, auch haben.
‚schau selbst, ich gebe keine erklärungen.’
ich sehe auch die verbindung zu ihr – die spinne ist nachtaktiv –louise bourgeois, deren ‘insomnia drawings’ in schlaflosennächten entstanden, kann man eine gewisse nächtliche regsamkeit nicht absprechen.

es ist mir beim betrachten und schauen von etwas inneres bedürfnis, mir selbst ein bild zu machen. zu meinem eigenen erfahrungshintergrund etwas neu erfahrenes hinzuzufügen, das nur ich so einbinden kann, das nur mir gehört. alles erklärte, alles fremdangeeignete hat für mich keinen wirklichen wert. ich höre mir gerne andere meinungen an, aber nur, wenn es die eigenen sind, nichts nachgeplappert wurde.

die spinne wird oft als symbol für die große mutter und als weberin des schicksals dargestellt. “alle mondgöttinnen sind spinnerinnen und weberinnen des schicksals, und die weltenspinne, die große spinne oder der große weber ist auch der schöpfer, der aus seiner eigenen substanz den lebensfaden spinnt, alle menschen über das band der nabelschnur an sich bindet und sie an das gewebe des modells der welt anbindet oder in dieses hinein verwebt.”

louise bourgeois sieht ihre mutter als diese weberin und spinnerin in ihrer tätigkeit des teppichausbesserns. sie flickte damit auch ihr schicksal in bestimmter weise zusammen, band sie durch die nabelschnur an sich, liess sie nicht los – ein leben lang. erst spät verwob sich das schicksal ihres künstlerischen tuns mit der welt. das, was bindet, hindert auch etwas anderes zu tun. aber warum hätte sie das tun sollen.

internationales interesse erweckte sie mit der “precious liquids”, dem begehbaren fass, auf der documenta in kassel 1992.

es zog mich in ihre ‚zelle’, die so einen ganz eigenen raum im trubel der ausstellung barg. immerhin war sie eine der wenigen frauen, denen man beachtung schenkte auf dieser weltausstellung.

auch auf der documenta XI – 2002 hatte sie, neben ihren ‘insomnia drawings’ und anderen werken, verschiedene zellen aufgestellt.

das rot erinnert an einen kardinal, an die rote göttin, an blut, also leben und tod. an eine, die von ihrer familie zurückgeblieben ist – ihr ganz nah – im leben und im sterben.

sie wiederholt ihre themen immer wieder und sublimiert somit ihr unbewusstes – eine der wenigen aussagen über ihr tun. ob lust und angst, die im unbewussten schlummern, immer so genau zu deuten sind, weiss ich nicht. vielleicht ist die nichtangst vor der spinne und das umgehen mit ihr auch noch eine gewisse zu bewältigende restangst – die angst vor der mutter, oder auch nur das unbehagen, das so viel nähe auslösen muss.

die grossen tiere wirken auf mich durch ihre grösse weniger beängstigend als die kleinen krabbeltiere, die so klein, wie sie oft sind, überall hinkriechen können, sich in öffnungen verstecken und dadurch unheimlich sind, weil ich ihre gegenwart nicht erkennen kann.
vor spinnen hatte ich noch nie angst, aber das birgt eine gewisse gefahr. auf madagaskar kletterte ich in einen verlies, wo mich aufgehängte riesenspinnen zum fotografieren reizten. sie gönnten mir diese kurze weile. dabei hatte ich das risiko nicht erkannt, in dem ich mich befand. es waren riesige giftspinnen.

louise bourgeois spinnen haben wenig lebendiges. sie sind eher wie architektonische bauwerke. ich stelle mich in ihr innerstes, um nachzuspüren, was es mit mir macht. ich muss zugeben, sie hielten mich fest. und zunächst war das kein unangenehmes gefühl. aber meine beziehung zu dem spinnentier war nicht so persönlich, dass ich mich nicht hätte befreien können
nach neugierigem und aushaltbarem erleben.

in bregenz überliess man ihr das ganze museum – 4 etagen. ich muss sagen, das war beeindruckend. einer über neunzigjährigen frau – wohlbemerkt ‚frau’- ein ganzes museum!!! es ‚ent – wickelt’ sich etwas in der kunstszene.

nach einführungen in ihre ‚insomnia drawings’ – einem vortrag von elisabeth pronfen – fand eine performence mit musikalischer untermalung im gebäude statt. mein erleben schlug purzelbäume, was sich darin ausdrückte, dass ich zwischen all dem auf der erde hockend und herumschleichend fotografierte, um einen kleinen eindruck im bild festzuhalten.
das werk so belebt, so von menschen umgeben zu erleben, war ein ereignis.

die vielseitigkeit des ausdruck, das unermüdliche schaffen, es begeistert mich und bringt mich zum nachdenken in einem. was muss sie noch alles verarbeiten. der satz, dass es in ihrer welt keine unschuld, keine kindheit, keine unverfälschten träume gibt, ist schon zu viel auslegung, als dass ich dieses bedeutende lebenswerk nur noch subjektiv betrachten und erfassen könnte.

‚ich habe angst vor allem, einfach vor allem’ zeigt das tiefe verletztsein louise bourgeois’ – und das durch ein langes leben, welches nun schon 94 jahre dauert und ihr keine ruhe lässt. arbeiten zu müssen und nicht aufhören zu können – fluch oder gnade. ich bin neugierig auf alles, was sie noch hervorbringt…

Der Beitrag wurde am Mittwoch 22. März 2006 um 14:47 veröffentlicht und wurde unter Alle Artikel, K U N S T abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare sind derzeit geschlossen, aber Du kannst einen Trackback auf deiner Seite einrichten. Beitrag bearbeiten.

WEHLHEIDEN…

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Gustav Falke (1853-1916)

Alle unsre Tauben sind schon lange wach,
sitzen auf den Lauben, sitzen auf dem Dach,
sitzen auf dem Regenfass:
Wer gibt denn uns Tauben was.
Tauben, Hühner, kleine Kind‘
jeden Morgen hungrig sind.

Alle unsre Hennen sind schon aus dem Stall,
gackeln schon und rennen, scharren überall.
Und der Hahn kräht: Futter her!
Immer mehr, nur immer mehr.
Tauben, Hühner, kleine Kind‘
jeden Morgen hungrig sind.

(Musik: M. Georg Winter)

WEHLHEIDEN
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