DIE KARDE…

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DIE KARDE
liebling der schmetterlinge
auch ich liebe sie
sie hat alles in sich vereint
die scharfen dornenzähne
die zarten blüten
die grazilen antennen
um den blumenkörper
wie zum schutz
wind und wetter taxierend
und der stolze stand

BLIEB NUR DIE LIEBE…

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ins kraut geschossen
ist der der sommer
auch
meine liebe schwirrt
und tiriliert nicht mehr
des herbstes nebel
legen früh sich nieder
schon
meine liebe
liegt
im erntehauch
das ganze land
trägt früchte
vom vergangnen jahr
blieb nur die liebe
blieb die liebe nur

aus: INS IMMER UNBEKANNTERE
rosadora g. trümper tuschick

TROPFEN FÜR TROPFEN…

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ich verstehe nicht gleich
was du sagst
die metaphern
der vergangenheit
haben ihre haken
sie treffen auf bilder
der heiterkeit
der oberflächlichkeit
der unwissenheit
auch des verdrängens

dieses vertrauen ins leben
dieses vertrauen in den tod
bis zuletzt
woher nahmst du
die zuversicht
woher nahmst du
diese unbändige kraft zum leben
in dir wuchs
alles was du brauchtes
alles was du geben konntest

der tod lies aus dir
einen brunnen werden
aus dem die menschen
hoffnungsvoll schöpfen
sie trinken das wasser
deiner inspirationen
sie reichen sie weiter
tropfen für tropfen
und lassen dich weiterleben
so

rosadora
für hilde domin

HILDE DOMIN – 27. JULI 1909…

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wie wenig nütze ich bin
ich hebe den finger
und hinterlasse
nicht den kleinsten strich
in der luft

die zeit verwischt
mein gesicht
sie hat schon begonnen
hinter meinen schritten im staub
wäscht regen die strasse blank

ich war hier
ich gehe vorüber ohne spur
die ulmen am weg winken
mir zu wie ich komme
grün blau goldener gruss
und vergessen mich
ehe ich vorbei bin

ich gehe vorüber –
aber ich lasse vielleicht
den kleinen ton meiner stimme
mein lachen und meine tränen
und auch den gruss
der bäume im abend
auf einem stückchen papier

und im vorbeigehn
ganz absichtslos
zünde ich die ein oder andere
laterne an
in den herzen am wegrand

hilde domin

sie liess einiges zurück – den ton ihrer stimme – ich höre ihn noch.
ihr lachen ging über auf die menschen, denen sie ihre texte las, obwohl es in ihren texten nicht allzuviel zu lachen gab. es waren ihre erregungen, ihr aufgebrachtsein, wenn nicht der richtige stuhl und tisch für sie dastanden – kein sesselchen, kein tischchen zum bequemen sitzen – die den menschen ein schmunzeln ablockten.
die lichter, die sie anzündete, absichtslos, wie sie sagte, brennen noch heute in den herzen der menschen.
und das erinnern, an eine kleine frau, die es sich vorgenommen hatte, der welt zu erzählen, vor allem den jungen menschen, wie es war und dass es nicht gut war wie es war und ihnen ans herz legte, daraus zu lernen und es besser zu machen.
alles im vorbeigehn…

SEEROSEN FESTIVAL…

SEEROSEN FESTIVAL…

zwischen himmel und erde
das wasser
zwischen erblühen und verblühen
die entfaltete schönheit
der wasserrose
zwischen schauen und rückschau
die erinnerung

zwischen blicken und erschauen
das tiefe berührtsein
zwischen blütenblättern und staubgefässen
der erzitternde mondscheinduft
zwischen blattgrün und rosenklang
zwei frösche
im reich ihrer glückseligkeit

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TRAUM UND ERWACHEN…

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´…der tiefe brunnen weiss es wohl,
einst aber wussten alle drum,
nun zuckt im kreis ein traum herum´.

und unter blättern
wo die tiefe beginnt
wo es ganz heimlich
und leise sinnt
klingen noch lieder
von altersher
singen und schwingen
zu uns her
entrücken uns
mit ihren klängen
halten uns fest
in ihren fängen
jetzt musst du wissen
das zauberwort
das stumm dich trägt
an andern ort
wo träume
kein traum sind
wo worte
nicht zählen
wo alles nur
schaum ist
du kannst es
wählen
du bist entschlossen
du willst diesen traum
es wachsen dir sprossen
herum wie ein saum
da wird an dinge
dumpf gemahnt
die du als kind noch
hast geahnt
du willst zurück
in mutters schoss
das seerosenblatt
dient dir als floss
dann fällt ein lichtstrahl
dir ins gesicht
durchzuckend sagt es
das gibt es nicht
du kannst nicht gehen
aus der welt
erst wenn sie
ganz zusammenfällt

rosadora

die ersten drei zeilen:
hugo von hofmannsthal
WELTGEHEIMNIS

VOM WEG AB…

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den genauen zeitplan kannte ich nicht. ich machte mich auf den weg und fragte mich, wohin er mich führen würde und was das ganze soll.
laufen, schneller voran kommen und um das zu erfahren, war nur eine möglichkeit. ich entschied mich für das schlendern, machte immer mal wieder eine pause zwischendrin und wich ab und zu vom weg ab.
dabei merkte ich, dass das abweichen einen besonderen reiz hatte. es gab dinge zu sehen, die ich an keinem weg hätte finden können. menschenleer war diese gegend sowieso. meine neugier wurde befriedigt und das ist der grösste anreiz für abweichungen.
ich begann sie zu lieben.
so war ich vom weg abgekommen und das machte mir spass, bereitete mir ein riesiges gefühl von freiheit – frei von alltäglichem, frei von verpflichtungen, frei auch von lästigen begegnungen, sogar frei von gedanken. zwar liefen da welche in mir herum und um mich her, aber die nahmen so völlig andere gestalt an als üblich. sie eröffneten mir einen neuen aufenthaltsort für meine fantasien. ja, fantasie war üppig vorhanden. das machte vielleicht dieses auffällige grüne grün um mich herum. ich liess mich fallen. das tat unheimlch gut. alles um mich herum war leicht. es begleitete mich, flog sozusagen mit mir. wir hatten grosses vertrauen zueinander, diese wahnsinnsgrüne fantasie und ich.
plötzlich wurde es lebendig um mich herum. urwaldwesen hängten sich an mein geschlender und zwangen mich zu noch grösseren pausen. sie wendeten keine gewalt an, sie fesselten mich auf besondere art. es entstand ein dialog mit märchenhaftem gebaren.
ich fühlte, dass dies mein ort war und ich zögerte, auf den mir vorgegebenen weg zurück zu gehen. diese urwaldwesen ermunterten mich, es trotzdem zu tun. ich könne doch jederzeit wiederkommen. das tröstete mich sehr und ich versprach wiederzukommen – immer wieder.

U R U . . .

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der uru hat für heute das sagen im urwald. seine langen fühler hat er ausgestreckt, schaut, wer da sein terrain betritt. er ist wachsam und gutmütig. ich strecke ihm meine hand hin. er leckt daran wie ein hund. geschnüffelt und akzeptiert. na, da bin ich aber froh. ich bin ihm auch hold gesonnen, finde, dass er ein ganz passables wesen ist. sein langgereckter hals sagt mir, dass ihm nichts entgeht, dass er ein neugieriger kobold ist. heute ist ausgezeichnet gutes wetter, aber auch bei schlechtem wetter ist seine aufmerksame art nicht eingeschränkt.
seinen mossnacken finde ich besonders. sein gefleckter hals macht es mir schwer, ihn in irgendeine waldwesenart einzuordnen. das würde er sicher auch nicht wollen. einzig zu sein ist sein ganzer stolz.
sein betragen ist angenehm. er schnappt nicht nach meinen händen und zu dem ihm gebotenen leckerbissen lächelt er nur und lehnt dankend ab. ein bisschen wasser aus meiner hohlen hand, das schleckt er und nickt mit dem kopf. das kommt ihm bei dem warmen wetter recht. in der nacht hat es zwar geregnet, aber die sonne ist so gierig und schwupp hat sie alle regentropfen wieder weggeleckt.
ich widme ihm eine kleine strecke meiner zeit. ich weiss nicht, ob es ihn beeindruckt.
ein portrait möchte ich noch von ihm, den ich uru nenne. er gewährt es mir.
ich ziehe weiter durch den grünen, grünen adlerfarn-urwald, ganz neugierig, wem ich noch begegnen werde.