DEN KOPF IN DEN WOLKEN…

SABABURG, MÄRCHENSTRASSE

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den kopf in den wolken
die beine abhängen
fliegen ist angesagt
steigen
den wolkendunst durchstossen
hören
was auf höherer ebene sich tut
wenn alle stricke reissen
den mut haben
und dich fallen lassen

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dieser komisch hockenden figur mit dem langen zopf begegne ich immer wieder. ich frage mich, weshalb sie sich ausgerechnet an dieser kurve niedergelassen hat. ein besuch an offener strasse ist fast unmöglich. sie sitzt mit dem rücken zum licht, schaut gen norden, schaut also in die völlig falsche richtung. schlossbewacherin kann sie nicht sein. dazu ist ihre stellung zu gediegen, zu gefesselt. sie sitzt an der märchenstrasse. dass sie eine märchenfigur sein könnte, diese idee ist mir noch nicht gekommen.
heute betrachte ich sie aus geringer entfernung. aber näher ist sie mir dadurch nicht. ich werde, trotz aller gefahren, sie nächstens nach ihrer bestimmung befragen.

AUFKLÄRUNG
die aus Holz gefertigte Statue, die Riesin „Saba“, gilt als Namensgeberin der SABABURG. Sie war eine Schwester der Riesin „Trendula“ (von der benachbarten Burg Trendelburg), die der Sage nach von einem Blitz auf freiem Feld erschlagen wurde, nachdem sie ihren Schwestern „Saba“ und „Brama“ (von der Bramburg) stark zugesetzt hatte. Alle drei sollen im übrigen von der nahegelegenen Burg des Riesen Kruko, der Krukenburg stammen.

KLUMPFÜSSE…

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sie fiel über die eigenen füsse – immer fiel sie über die eigenen füsse.
sie schaute an sich herunter, aber die füsse sahen aus, als wenn sie ganz in ordnung wären.
als sie wieder einmal stolperte, setzte sie sich in eine bequemen sessel, nahm die füsse in die hände und betrachtete sie etwas genauer. der grosse ballen am rechten fuss, war der denn immer schon so ausgebeult? sie betrachtete auch den linken, der sah ganz ähnlich aus. klumpfüsse, schoss es ihr durch den kopf. sie musste lächeln, sie und klumpfüsse.

sie beschloss andere schuhe zu kaufen. nun, da sie wusste, dass sie klumpfüsse hatte, war das ein schwieriges unterfangen. die einen schienen ihr für ihre füsse zu kakelig, die anderen zu plump und wieder andere drückten. sie ging in ein anderes schuhgeschäft, die mochten wohl eine grössere auswahl haben, aber das ergebnis war das gleiche. sie ging zum nächsten schuhgeschäft und zum nächsten und zum nächsten, bis ihr die idee kam, ein orthopäde müsse ihre füsse anschaun und gegebenenfalls die klumpen an den füssen wegoperieren.
sie machte einen termin, der nicht so schnell in aussicht stand. bis dahin müsste sie letztlich barfuss laufen. es war ja sommer.
der orthopäde hörte ihren ausführungen aufmerksam zu und sagte schliesslich, dann lassen sie mal sehen. sie hob gleich beide füsse in die höhe und machte eine rolle nach hinten. das war wie ein reflex. der doktor wunderte sich und hatte die grössten bedenken, dass mit dem kopf der frau etwas nicht in ordnung sei und nicht mit ihren füssen. beschwichtigend bemerkte er, sie sind aber gelenkig – und das in ihrem alter – verkniff er sich. geben sie mir doch nur mal den rechten. sie gab den linken. von ihr aus gesehen zu ihm, er sass vor ihr, war das der rechte. den anderen rechten sagte er, und fast hätte sie ihm wieder beide gegeben. doch sie wusste, was dann passieren würde. also, den anderen rechten.
der doc sah sich ihren fuss an, drückte ihn und sie war der meinung, das wäre nahe einer fussmassage. dann erwischte er eine stelle, wo sie aufschreiend lachte. was denn nun, fragte er. nichts weiter, es juckt. dann drehte er den fuss in alle richtungen. den anderen bitte. wieder dieser gegenstoss zur rolle. sie konnte sich gerade noch fangen. er untersuchte, schüttelte den kopf und sie befürchtete das schlimmste.
als er sagte, tut mir leid, ich kann keinen klumpen finden, das sind ganz normalausgebildete füsse, drehte sie noch eine rolle nach hinten, vollendete die figur mit einem luftsprung und einem juchhu und verschwand.
der doc blieb kopfschüttelnd zurück. und murmelte vor sich hin – hab ich mir doch gleich gedacht…

NACKIG…

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es waren die rosen, die mich begeisterten. ich stand mitten im rosenhang und fotografierte. einer dieser heissen sommertage. ein ehepaar aus süddeutschland sprach mich an. das gespräch wurde ein interessantes und langes. sie kamen vom weg ab und zu mir ins rosenbeet. es war später nachmittag, das licht veränderte sich und ich war etwas zappelig, weil ich das licht für meine rosenfotos brauchte. gespräche sind wichtiger, sagte ich mir. und wir redeten und redeten.
viele spaziergänger waren unterwegs. auch drei kerle, die juckelten mit nacktem oberkörper vorbei. ich finde nackte männeroberkörper in falscher umgebung nur peinlich. ich rief ihnen zu, sie hätten vergessen, ein hemd anzuziehen, zog meine weite oberbegleitung in die höhe und machte ebenfalls meine brust frei und rief, dann müsste ich ja auch so gehen.
die antwort war: ´ja, mach doch´.

DER SOMMERFADEN…

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Da fliegt, als wir im Felde gehen,
Ein Sommerfaden über Land,
Ein leicht und licht Gespinst der Feen,
Und knüpft von mir zu ihr ein Band.
Ich nehm‘ ihn für ein günstig Zeichen,
Ein Zeichen, wie die Lieb‘ es braucht.
O Hoffnungen der Hoffnungsreichen,
Aus Duft gewebt, von Luft zerhaucht!

Uhland, Ludwig (1787-1847)

W A S S E R . . .

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WASSER
WASSSER WASSSER
WASSSSER WASSSSER WASSSSER
WASSSSSER WASSSSER WASSSSSER WASSSSSER
WASSSSER WASSSSER WASSSSER
WASSSER WASSSER
WASSER

ein gedicht über eine wasserfontaine fand ich nicht
so lasse ich es einfach plätschern
taucht ein, taucht unter
geht baden auch – ausnahmsweise

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Es ist nicht möglich,
die Zeit totzuschlagen
ohne die Ewigkeit zu kränken.

henry david thoreau

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Henry David Thoreau
wurde heute vor 193 jahren
am 12. Juli 1817 in Concord, Massachusetts, geboren.

HEUTE, AN SEINEM GEBURTSTAG, FIELEN MIR SEIN APHORISMEN
VOR DIE FÜSSE. JEDEN SEINER SPRÜCHE KÖNNTE ICH BETEUERN.
ES SIND NICHT NUR SPRÜCHE, ER HAT AUCH DANACH GELEBT…

er starb am 6. Mai 1862 ebenda.
er war ein US-amerikanischer Schriftsteller und Philosoph.

DIE DREI LEBENSALTER…

gustav klimt

JUNGE FRAU
FRAU
WEISE ALTE

DIE DREI LEBENSALTER
kennen wir aus kunst und mythologie.

in der gr. mythologie sind es die DREI NORNEN, die leben schenken, es erhalten und wieder nehmen.

in der indischen mythologie
ist es shiva, der für Neubeginn steht, ebenso wie für Erhaltung und Zerstörung.

in der kunst ist das bekannteste beispiel
die drei lebensalter von gustav klimt.

es liesse sich noch vieles anführen.

wir durchlaufen sie, diese drei stationen.
im gesicht eines menschen wird sichtbar, wie er seine lebenszeit durchlebt hat,
ob er die möglichkeiten zu wachsen, auch innerlich, nutzen konnte.
eine harte, vielleicht nicht frei gewählt arbeit hinterlässt ebenso spuren, wie eine
geistige, die der eigenen seele platz gibt sich zu entfalten.

beim betrachten der bilder vonJESSYE NORMAN fielen mir diese drei phasen besonders auf.
ihre enorme zugewandheit zu ihrem gesang und die tiefe seelenarbeit zeigen sich in ihrer entwicklung. ihr gesicht spricht von all dem. diese seelenarbeit und ausgeprägte menschliche haltung lässt sie, so scheint mir, schöner und schöner werden,
im sinne von ausstrahlung.

als JUNGE FRAU kommt sie mir vor, wie ein ungeschliffener diamant. sicher waren da ihre guten gaben und anlagen schon vorhanden. ihr war bewusst, dass sie die nicht vergeuten
durfte und arbeitete und bemühte sich um vervollkommnung.

als FRAU kommt sie wild und ungebändigt daher. die anstrengung steht ihr im gesicht.

als WEISE ALTE frau ist sie angekommen in ihrem leben. ihr gesicht spricht von erfüllung, ist ausgeglichen und auf eine weise schön, das die menschen bewegt. mit ihrer ausstrahlung gibt sie eine energie, die auf ihr publikum überspringt.