…DIE TIEFE DER DAUER…

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WENN ERST DIE ROSEN VERRINNEN
AUS VASEN ODER VOM STRAUCH
UND IHRE BLÄTTER BEGINNEN,
FALLEN DIE TRÄNEN AUCH.

TRAUM VON DER STUNDEN DAUER,
WECHSEL UND WIEDERBEGINN,
TRAUM – VON DER TIEFE DER TRAUER:
BLÄTTERN DIE ROSEN HIN.

WAHN VON DER STUNDEN STEIGEN
ALLER INS AUFERSTEHN,
WAHN – VOR DEM FALLEN, DEM SCHWEIGEN:
WENN DIE ROSEN VERGEHN

gottfried benn

ROSEN IM ROSARIUM…

Sommer

Sieh, wie sie leuchtet,
Wie sie üppig steht,
Die Rose –
Welch satter Duft zu dir hinüberweht!
Doch lose
Nur haftet ihre Pracht –
Streift deine Lust sie,
Hältst du über Nacht
Die welken Blätter in der heissen Hand…
Sie hatte einst den jungen Mai gekannt
Und muss dem stillen Sommer nun gewähren –
Hörst du das Rauschen goldener Ähren?

Thekla Lingen (1866-1931)

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dOCUMENTA 13 – IDEE DI PIETRA…

SOMMERSONNENWENDE

der längste tag, die kürzeste nacht…
in diesem jahr irgendwie nicht nachzuvollziehen. nichts ist hell – weder der tag, noch die nacht – alles nur grau.
es bedarf der mühe, die wende ins bewusstsein zu bekommen.

ich habe eine grosse hoffnung.
heute, um 12 uhr mittags, wird das erste kunstwerk, IDEE DI PIETRA (ansichten eines steines), des künstlers giuseppe penones, für die d0KUMENTA 13, eingeweiht. ein baum wird gepflanzt, der der dOCUMENTA 13 entgegenwachsen wird. das ist eine längere wachszeit als das mohn- und das reisfeld für sich in anspruh genommen haben.
ist zu wünschen, dass das wachsen zwischen den dOCUMENTEN bald keine pausen mehr kennt und einen riesigen teppich breiten möge.

dass CAROLYN CHRISTOV-BAKARGIEV
die natur- und jahreszeitenrhythmen im blick hat, gefällt mir und lässt hoffen.
sie sagt:
´dieses ereignis findet am tag der sommersonnenwende statt, wenn die sonne ihren höchsten stand am himmel erreicht. wir feiern den beginn des sommers und der schaffenskraft von kunst mit diesem augenblick im park – dem pflanzen eines baumes.´

ich gehe jetzt zum fototermin – das foto füge ich später ein…

hier die versprochenen fotos…

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CAROLYN CHRISTOV-BAKARGIEV
die leiterin der dOCUMENTA d13

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GIUSEPPE PENONE
der künstler der IDEE DI PIETRA (ANSICHTEN EINES STEINS)

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IDEE DI PIETRA

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UNTEN

das licht
spielt eine grosse rolle in giuseppe penones werk.
das licht zeigt etwas
etwas ins rechte licht setzen
das licht erhellt den kunstbaum
das licht lässt auch den kleinen baum wachsen,
(der leider nur ein strauch ist, was mein empfinden bezüglich symbolik stört –
ein bäumchen hätte es als gegengewicht schon gebraucht)
die wurzeln in der erde
das wachsen in den himmel
aber
was soll der stein da oben
der fantasie muss ja noch was bleiben
so sehe ich mit dem granit-findling
die erde dem himmel etwas näher
das schafft nur die kunst (und die fantasie)

P1010577_OBEN_ANSICHTEN EINES STEINS

OBEN

wie er die gekappten äste zur sonne reckt – flehentlich
die sonne ist ja da – nur bei uns nicht, jedenfalls zeigt sie sich nicht so,
wie es für diesen sommerbeginntag eine freude wäre

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P1010596_EINWEIHUNG D13 LEUTE

die kinder waren geladen. sie hatten freude an dem steinbaum. sie befühlten und beklopften ihn, versuchten an ihm zu klettern und hockten sich nieder zu einem frühstückchen.

ach, wenn doch jeden tag dOCUMENTA wäre…

DEUTSCHLANDHYMNE ALTERNATIV…

KATHARINA THALBACH
im kölner trefff

regte an, die deutschlandhymne in folgenden text von
bertolt brecht zu ändern.

das gespür für text, das bewusstsein für inhalte lässt zu wünschen übrig.

Schmidt-Salomon meinte, dass den meisten aufgeklärten Menschen das traditionelle Deutschlandlied „unerträglich peinlich“ sei.

die giordano bruno stiftung regte eine änderung schon 2006 an.

***
Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Dass ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land

Und nicht über und nicht unter
Andern Völkern wolln wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.

Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir’s
Und das liebste mag’s uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs.

****
Die alternative weltoffene Deutschlandhymne
Text: Bertolt Brecht
Musik: Joseph Haydn
***
Alternative Hymne hören (mp3-Format, 1,27 MB)
Produktion: MSS/Giordano Bruno Stiftung, Juni 2006

lesen:
http://www.leitkultur-humanismus.de/hymne.htm:

WAWUSCHELKOBI…

FÜR REBECCA UND MARC

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der wawuschelkobi brachte mich zum lachen – wie er da hockte, zwischen all dem geäst.
die haare leicht zu berge. ein beatlchen, oder wawuschel eben.
er hats nicht leicht. es gibt einiges getier, das ihm die haare vom kopf fressen könnte.
in seiner erstarrung kann er sich schlecht wegducken.
dem nachtregen ist er dankbar, der erhält seine haarpracht.
von den hexen und anderen kobolden hat er noch nie gehört.
es ist, als sässe er hier in einer talsohle fest.
er hört es manchmal heulen und juchzen.
er denkt sich nichts dabei. er weiss ja nicht, was es ist,
das ihn da beunruhigen könnte.

er fühlt sich geschmeichelt, weil ich ihm meine aufmerksamkeit schenke.
das ist ihm in seinem ganzen leben noch nicht untergekommen.
neulich kam so ein schwarzer geier, jedenfalls war er so gross, angeflogen.
der wollte an seiner haarpracht zurren.
den hat er angebrüllt, sag ich dir, wie ein wildschein.
der geier flog weg. der hat sich so erschrocken und nicht geahnt,
was dem wawuschelkobi möglich sein würde. er sitzt geschickt
auf einem langen baumteil, so etwas wie ein ast – war es einmal.
da könnte man leicht denken, seine gestalt nähme gar kein ende.
naja, sollen sie mal denken.

…IN DEN SAND…

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FOTO: SABINE KÖTTELWESCH

Wenn ich dereinst ganz alt und schwach,
Und’s ist mal ein milder Sommertag,
So hink ich wohl aus dem kleinen Haus
Bis unter den Lindenbaum hinaus.
Da setz ich mich denn im Sonnenschein
Einsam und still auf die Bank von Stein,
Denk an vergangene Zeiten zurücke
Und schreibe mit meiner alten Krücke
Und mit der alten zitternden Hand
So vor mir in den Sand.

Wilhelm Busch

TIEFES DUNKEL…

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WIE MAN SICH
IM DUNKEL NACH DEM HELLEN SEHNT
SEHNT MAN SICH
IM HELLEN NACH DEM DUNKEL

DUNKLE TIEFEN ERZÄHLEN
VON DEM UNGESEHENEN
VON DEM NICHTERWARTETEN
VON HEIMLICHEN GESCHICHTEN
NACH DENEN WIR UNS SEHNEN

IMMER DANN
WENN ES DRAUSSEN
ZU ÜPPIG WIRD
ZU LAUT
ZU SEHR INS PARADIES VERWEISEND

DAS UNS ZWEIFELN MACHT
AN DEM
WAS IST
AN DEM
WAS SEIN KÖNNTE