
LEBEN – LIEBE – TOD
die welt
wandert aus
in ein zukünftiges
du bleibst zurück
sortierst
dein leben
wort für wort
die lösung
will nicht erscheinen
alle bedeutenden worte
bestehn aus wenigen
buchstaben
leben
liebe
tod
rosadora

LEBEN – LIEBE – TOD
die welt
wandert aus
in ein zukünftiges
du bleibst zurück
sortierst
dein leben
wort für wort
die lösung
will nicht erscheinen
alle bedeutenden worte
bestehn aus wenigen
buchstaben
leben
liebe
tod
rosadora
ENGEL DER GESCHICHTE
zur erinnerung…
„Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, daß der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm.“
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2020 – ein NEUES JAHR
wenn ich etwas will – bekomme ich garnichts
will ich aber nichts – liegt alles – wie ausgebreitet vor mir
so geht es mir mit diesem text
der etwas wll und soll
er soll das NEUE JAHR mit allen guten wünschen versehen
da es aber lange her ist und peter handke schon in
ALS DAS WÜNSCHEN NOCH GEHOLFEN HAT
das wünschen infrage stellte
mache ich gar nicht erst den versuch
das NEUE JAHR zu verklären
claudia sagt – es ist wie es ist
und ich sage – es kommt, wie es kommen muß
ich mache mir auch nicht die mühe
herauszufinden – wer das beeinflusst
wenn ich da auch so einen verdacht habe
und der satz JEDER IST SEINES GLÜCKES SCHMIED
stimmt nur so lange – wie der schmied selbst noch schmieden kann
und auch das WÜNSCHEN – so scheint mir –
hat an kraft und einfluss verloren
so schraube ich die hoffnungen und erwartungen nicht all zu hoch
und strenge mich an – mich nicht selbst zu enttäuschen
alles in allem also – es kommt, wie es kommen muß
oder auch ganz anders…
rosadora



diese spiegelei ist gut gelungen – einfach wunderbar. sie lockt die fantasie und den spielgeist. wie tief du hineinschauen kannst, kann ich nicht herausfinden – achtmal, oderso…

die geschichtsleiste läuft wie ein band nebenher. yoko ono und john lennon halten an ihrem level fest WAR IS OVER! wenns doch nur so wäre – und für alle zeiten. das ist so spinnet wie realistisch zugleich…
die d13 – die documenta meiner wahl. bakargiev war die größte. schlau wie verrückt, rafiniert noch mehr, sie führte die kasselänerinnen und kasselänern an der nase herum mit ihrer tomatenstorrrry… sie brachte jemanden wie pierre huighes hier her. die beiden hunde waren, trotz allen einwänden, die lieblinge. sie besuchen mich heute noch und dürfen auf findelis lieblingsplatz – sofa – liegen….

anfang und ende….
dieser mix von stilen aus den 50 jahren bis heute ödet mich an. übel wird mir von so viel erinnerungen aus vergangenem bis heutigen. der buddda sprengt alles. die gerafften gardinen – immerhin irgendwie grün in grün. die schreibecke – was und wohin soll man da schreiben… lampen, o nein, o nein..

diese figur aus blech, schön von zeit und vergangenheit gezeichnet – im wahrsten sinne – farbenfroh dazu, wenn man nur genau hin schaut, inspiriert mich, lacht mich an, ruft: fang mich… was ich dann auch tue.

de maria – fällt es mir ein… wie dünn dieser stab ist. ich hatte ihn mir immer armesdick gedacht. er gehört in die anfänge und ist noch immer an seinem ort. manchmal begrüße ich ihn – mache ein foto…





obergeschoss der NEUEN GALERIE

galerie der erinnerung
gedankenblitze – etwas wird im gehirn aktiviert. es ist wie ein überfall. lange nicht erinnertes wird hervorgeschleudert. ich mache den fehler, und beginne mit der 1. documenta. die wege zum ursprung sind einfach zu lang.
es wäre besser bei der letzten, also 14., zu beginnen und sich langsam in tiefere erinnerungsschichten zurückzutasten. wie verklebt scheinen sie, und es beginnt ein sortieren, ein kritisches schauen und hinterfragen nach der gültigkeit, ob der eindruck von damals heute noch dieselbe wirkung hat, oder ob es ein neues schauen – anschauen – ist.
ich mache mich locker – nicht so viel verständnis auf ein mal – und gibt es das überhaupt – verstehen – verständnis gar in der kunst. alles kann so oder so gesehen, gedeutet werden. das ist besonders in der kunst so.
das kunstverständnis ändert sich mit der zeit, mit der geschichte, mit den menschen. eindeutig erweitert sich mein kunstbegriff, je mehr ich mich darum kümmere.
heute musste mein begreifen sprünge machen. und ich weiß, dass ich auf die nächste documenta neugierig und gespannt bin.
und vielleicht ist ja bis dahin auch die vorstellung davon, dass die neue galerie ganz zum ort der documenta-geschichte wird, realität geworden, wie es sich BERTRAM HILGEN wünscht, den ich in der jetzigen ausstellung treffe.
docu
document
document aaaaaa







setz dich einen moment zu mir – einen moment, wo das unfassbare geschieht, dass das vorläufige rückläufig wird. da hält selbst das alte jahr den atem an. wir horchen und sinnen, was das bedeuten könnte und was es uns sagen will. auch das neue jahr stürzt sich nicht gleich ins rennen. ebenso wie das alte verhockt es sich und bleibt ganz still und leise. kein wind weht, nichts regt sich draussen. wenn wir diesen atem aufnehmen, den grossen atem der natur, könnte uns zufallen, wonach wir suchen. in das dunkel fällt licht – die geburt des lichtes verheisst uns neue energie.
bedenke, was du mit dieser energie verändern möchtest, denn wie das alte jahr hinter uns bleibt, sollten auch unsere alten vorstellungen vertrieben werden, damit neues platz hat. doch halt noch einen moment inne – in dieser nacht musst du schweigen. da reden die tiere. streng dich an, damit du verstehst, was sie sagen. und sie haben dir viel zu sagen, die tiere.
die tür zur anderswelt ist weit geöffnet. sprich mit deinen anderswesen. wundere dich nicht, dass sie so heiter sind. schwing dich mit ihnen auf den grossen bogen, reite mit über grenzen, die heute keine sind. gib ihnen speise und trank und feiere mit ihnen das grosse fest des allumfassenden.
in den 12 rauhnächten wendet sich das unterste nach oben und das oberste sinkt. ein mischen und mengen tut gut, damit etwas ganz neues werden kann. schaffe platz dafür. schau die bäume – sie schmücken sich und zeigen sich in schönster pracht. doch dann werfen sie all ihre blätter ab. die sinken tief in die erde und werden zu staub. in der dunklen zeit und in grösster stille tragen sie nicht trauer. eifrig bereiten sie das neue wachsen vor, lassen es knospen unter den blättern, mitten im winter. hoffnungsträger.
halte dich ruhig und still und verzweifle nicht. der weg, den du nicht sehen kannst, liegt längst vor dir. du musst ihn nur gehen.
dies ist nicht blüte
nicht frucht
dies ist nicht frühling
nicht sommer
nicht herbst
dies ist nur der winter
mit seiner innigsten
grössten wärme
der hoffnung
rosadora
K R A N K R A N E K R Ä N E . . .

KRAN
KRANE
KRÄNE
kranweise
die weise vom kran
von den kränen
auch
festklebend am himmel
feststehend auf der erde
schwingliebend
den schwung im griff
kranwärts
bewege ich mich
mein blick hängt
am kran
verkrane mich
verkräne oft
kran kran
kräne kräne
krankräne
luft luftig
gewitter
nochmal
waagerecht
senkrecht
immer im
gleichgewicht
gewicht
schleppend
durchs blaue
im blauen blau
KRAN
KRANE
KRÄNE
rosadora


HERAUSFORDERN…
friedhof hamburg-nienstetten
foto: rosadora
mit deutlicher gebärde
der welt sagen
was sie verletzt
mehr und mehr
verlangt es
sie zu retten
herausfordern
die menschen
aus ihrem
lauten schlaf
ihnen die augen öffnen
und die ohren
damit sie sehen
die erde
die schützenswerte
die geschöpfe
die die chance hätten
menschen zu werden
rosadora
04.02.1942 – 07.12.18
INA RÖSING

im grenzbereich
treffen wir uns
du und ich
werfen uns schattenbälle zu
setzen uns lichtkronen auf
mit unseren efeustimmen singen wir
ein halleluja auf den tod
ein halleluja auf das leben
verschmelzen
zu einem einzigen gesang
rosadora