SEEROSEN FESTIVAL…

SEEROSEN FESTIVAL…

zwischen himmel und erde
das wasser
zwischen erblühen und verblühen
die entfaltete schönheit
der wasserrose
zwischen schauen und rückschau
die erinnerung

zwischen blicken und erschauen
das tiefe berührtsein
zwischen blütenblättern und staubgefässen
der erzitternde mondscheinduft
zwischen blattgrün und rosenklang
zwei frösche
im reich ihrer glückseligkeit

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TRAUM UND ERWACHEN…

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´…der tiefe brunnen weiss es wohl,
einst aber wussten alle drum,
nun zuckt im kreis ein traum herum´.

und unter blättern
wo die tiefe beginnt
wo es ganz heimlich
und leise sinnt
klingen noch lieder
von altersher
singen und schwingen
zu uns her
entrücken uns
mit ihren klängen
halten uns fest
in ihren fängen
jetzt musst du wissen
das zauberwort
das stumm dich trägt
an andern ort
wo träume
kein traum sind
wo worte
nicht zählen
wo alles nur
schaum ist
du kannst es
wählen
du bist entschlossen
du willst diesen traum
es wachsen dir sprossen
herum wie ein saum
da wird an dinge
dumpf gemahnt
die du als kind noch
hast geahnt
du willst zurück
in mutters schoss
das seerosenblatt
dient dir als floss
dann fällt ein lichtstrahl
dir ins gesicht
durchzuckend sagt es
das gibt es nicht
du kannst nicht gehen
aus der welt
erst wenn sie
ganz zusammenfällt

rosadora

die ersten drei zeilen:
hugo von hofmannsthal
WELTGEHEIMNIS

VOM WEG AB…

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den genauen zeitplan kannte ich nicht. ich machte mich auf den weg und fragte mich, wohin er mich führen würde und was das ganze soll.
laufen, schneller voran kommen und um das zu erfahren, war nur eine möglichkeit. ich entschied mich für das schlendern, machte immer mal wieder eine pause zwischendrin und wich ab und zu vom weg ab.
dabei merkte ich, dass das abweichen einen besonderen reiz hatte. es gab dinge zu sehen, die ich an keinem weg hätte finden können. menschenleer war diese gegend sowieso. meine neugier wurde befriedigt und das ist der grösste anreiz für abweichungen.
ich begann sie zu lieben.
so war ich vom weg abgekommen und das machte mir spass, bereitete mir ein riesiges gefühl von freiheit – frei von alltäglichem, frei von verpflichtungen, frei auch von lästigen begegnungen, sogar frei von gedanken. zwar liefen da welche in mir herum und um mich her, aber die nahmen so völlig andere gestalt an als üblich. sie eröffneten mir einen neuen aufenthaltsort für meine fantasien. ja, fantasie war üppig vorhanden. das machte vielleicht dieses auffällige grüne grün um mich herum. ich liess mich fallen. das tat unheimlch gut. alles um mich herum war leicht. es begleitete mich, flog sozusagen mit mir. wir hatten grosses vertrauen zueinander, diese wahnsinnsgrüne fantasie und ich.
plötzlich wurde es lebendig um mich herum. urwaldwesen hängten sich an mein geschlender und zwangen mich zu noch grösseren pausen. sie wendeten keine gewalt an, sie fesselten mich auf besondere art. es entstand ein dialog mit märchenhaftem gebaren.
ich fühlte, dass dies mein ort war und ich zögerte, auf den mir vorgegebenen weg zurück zu gehen. diese urwaldwesen ermunterten mich, es trotzdem zu tun. ich könne doch jederzeit wiederkommen. das tröstete mich sehr und ich versprach wiederzukommen – immer wieder.

U R U . . .

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der uru hat für heute das sagen im urwald. seine langen fühler hat er ausgestreckt, schaut, wer da sein terrain betritt. er ist wachsam und gutmütig. ich strecke ihm meine hand hin. er leckt daran wie ein hund. geschnüffelt und akzeptiert. na, da bin ich aber froh. ich bin ihm auch hold gesonnen, finde, dass er ein ganz passables wesen ist. sein langgereckter hals sagt mir, dass ihm nichts entgeht, dass er ein neugieriger kobold ist. heute ist ausgezeichnet gutes wetter, aber auch bei schlechtem wetter ist seine aufmerksame art nicht eingeschränkt.
seinen mossnacken finde ich besonders. sein gefleckter hals macht es mir schwer, ihn in irgendeine waldwesenart einzuordnen. das würde er sicher auch nicht wollen. einzig zu sein ist sein ganzer stolz.
sein betragen ist angenehm. er schnappt nicht nach meinen händen und zu dem ihm gebotenen leckerbissen lächelt er nur und lehnt dankend ab. ein bisschen wasser aus meiner hohlen hand, das schleckt er und nickt mit dem kopf. das kommt ihm bei dem warmen wetter recht. in der nacht hat es zwar geregnet, aber die sonne ist so gierig und schwupp hat sie alle regentropfen wieder weggeleckt.
ich widme ihm eine kleine strecke meiner zeit. ich weiss nicht, ob es ihn beeindruckt.
ein portrait möchte ich noch von ihm, den ich uru nenne. er gewährt es mir.
ich ziehe weiter durch den grünen, grünen adlerfarn-urwald, ganz neugierig, wem ich noch begegnen werde.

DEN KOPF IN DEN WOLKEN…

SABABURG, MÄRCHENSTRASSE

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den kopf in den wolken
die beine abhängen
fliegen ist angesagt
steigen
den wolkendunst durchstossen
hören
was auf höherer ebene sich tut
wenn alle stricke reissen
den mut haben
und dich fallen lassen

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dieser komisch hockenden figur mit dem langen zopf begegne ich immer wieder. ich frage mich, weshalb sie sich ausgerechnet an dieser kurve niedergelassen hat. ein besuch an offener strasse ist fast unmöglich. sie sitzt mit dem rücken zum licht, schaut gen norden, schaut also in die völlig falsche richtung. schlossbewacherin kann sie nicht sein. dazu ist ihre stellung zu gediegen, zu gefesselt. sie sitzt an der märchenstrasse. dass sie eine märchenfigur sein könnte, diese idee ist mir noch nicht gekommen.
heute betrachte ich sie aus geringer entfernung. aber näher ist sie mir dadurch nicht. ich werde, trotz aller gefahren, sie nächstens nach ihrer bestimmung befragen.

AUFKLÄRUNG
die aus Holz gefertigte Statue, die Riesin „Saba“, gilt als Namensgeberin der SABABURG. Sie war eine Schwester der Riesin „Trendula“ (von der benachbarten Burg Trendelburg), die der Sage nach von einem Blitz auf freiem Feld erschlagen wurde, nachdem sie ihren Schwestern „Saba“ und „Brama“ (von der Bramburg) stark zugesetzt hatte. Alle drei sollen im übrigen von der nahegelegenen Burg des Riesen Kruko, der Krukenburg stammen.

KLUMPFÜSSE…

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sie fiel über die eigenen füsse – immer fiel sie über die eigenen füsse.
sie schaute an sich herunter, aber die füsse sahen aus, als wenn sie ganz in ordnung wären.
als sie wieder einmal stolperte, setzte sie sich in eine bequemen sessel, nahm die füsse in die hände und betrachtete sie etwas genauer. der grosse ballen am rechten fuss, war der denn immer schon so ausgebeult? sie betrachtete auch den linken, der sah ganz ähnlich aus. klumpfüsse, schoss es ihr durch den kopf. sie musste lächeln, sie und klumpfüsse.

sie beschloss andere schuhe zu kaufen. nun, da sie wusste, dass sie klumpfüsse hatte, war das ein schwieriges unterfangen. die einen schienen ihr für ihre füsse zu kakelig, die anderen zu plump und wieder andere drückten. sie ging in ein anderes schuhgeschäft, die mochten wohl eine grössere auswahl haben, aber das ergebnis war das gleiche. sie ging zum nächsten schuhgeschäft und zum nächsten und zum nächsten, bis ihr die idee kam, ein orthopäde müsse ihre füsse anschaun und gegebenenfalls die klumpen an den füssen wegoperieren.
sie machte einen termin, der nicht so schnell in aussicht stand. bis dahin müsste sie letztlich barfuss laufen. es war ja sommer.
der orthopäde hörte ihren ausführungen aufmerksam zu und sagte schliesslich, dann lassen sie mal sehen. sie hob gleich beide füsse in die höhe und machte eine rolle nach hinten. das war wie ein reflex. der doktor wunderte sich und hatte die grössten bedenken, dass mit dem kopf der frau etwas nicht in ordnung sei und nicht mit ihren füssen. beschwichtigend bemerkte er, sie sind aber gelenkig – und das in ihrem alter – verkniff er sich. geben sie mir doch nur mal den rechten. sie gab den linken. von ihr aus gesehen zu ihm, er sass vor ihr, war das der rechte. den anderen rechten sagte er, und fast hätte sie ihm wieder beide gegeben. doch sie wusste, was dann passieren würde. also, den anderen rechten.
der doc sah sich ihren fuss an, drückte ihn und sie war der meinung, das wäre nahe einer fussmassage. dann erwischte er eine stelle, wo sie aufschreiend lachte. was denn nun, fragte er. nichts weiter, es juckt. dann drehte er den fuss in alle richtungen. den anderen bitte. wieder dieser gegenstoss zur rolle. sie konnte sich gerade noch fangen. er untersuchte, schüttelte den kopf und sie befürchtete das schlimmste.
als er sagte, tut mir leid, ich kann keinen klumpen finden, das sind ganz normalausgebildete füsse, drehte sie noch eine rolle nach hinten, vollendete die figur mit einem luftsprung und einem juchhu und verschwand.
der doc blieb kopfschüttelnd zurück. und murmelte vor sich hin – hab ich mir doch gleich gedacht…

NACKIG…

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es waren die rosen, die mich begeisterten. ich stand mitten im rosenhang und fotografierte. einer dieser heissen sommertage. ein ehepaar aus süddeutschland sprach mich an. das gespräch wurde ein interessantes und langes. sie kamen vom weg ab und zu mir ins rosenbeet. es war später nachmittag, das licht veränderte sich und ich war etwas zappelig, weil ich das licht für meine rosenfotos brauchte. gespräche sind wichtiger, sagte ich mir. und wir redeten und redeten.
viele spaziergänger waren unterwegs. auch drei kerle, die juckelten mit nacktem oberkörper vorbei. ich finde nackte männeroberkörper in falscher umgebung nur peinlich. ich rief ihnen zu, sie hätten vergessen, ein hemd anzuziehen, zog meine weite oberbegleitung in die höhe und machte ebenfalls meine brust frei und rief, dann müsste ich ja auch so gehen.
die antwort war: ´ja, mach doch´.