oder DAS WESEN DER SPRACHE…

E E E . . .
oder DAS WESEN DER SPRACHE…

dass sprache in träume eindringt ist selten
aber nicht unbedingt unüblich

heute nacht jedoch war sie so durchdringend fast aufdringlich
dass ich es hier erwähne

es zeigten sich mir bilder
in denen mir die aneinanderreihung von drei e‘s
vor den traumaugen schwirrten

ge-re-de
ge-we-be
ver-schwen-den
ver-wen-den
ge-sen-det
ge-bet-tet
be-geg-nen
be-ge-hen

die worte plätscherten vor mir herum
und kamen doch nicht von der stelle
ich sprach sie ausgedehnt auf jedem e eine betonung

deutsche schrift_BEISPIEL_images

das merkwürdige war dabei
dass sie mir in deutscher schreibschrift erschienen
in der mir das stete aufundab aufundab auffiel
enemeneme
ich versuchte mich zu erinnern und schrieb im schlaf
die worte mit den drei e‘s nach auf und ab
dafür standen die e‘s an erster stelle
dieses langweilige schriftbild wie mir schien

UND MEINE SEELE SPANNTE__index

ich habe als kind diese schrift noch erlernt
nach dem 2. weltkrieg – 1947 – wurde sie dann verboten
und die lateinische schrift eingeführt

mit schrift musste ich mich früh auseinandersetzen
dass ich die deutsche schrift nicht ganz verlernte
lag wohl daran dass meine mutter bis zuletzt eine
eigene mischung aus deutscher und lateinischer schrift schrieb
und ich bin bis heute stolz dass ich diese schrift lesen kann
das können nicht mehr viele menschen

ROTE DAHLIEN…

DAHLIEN_ROT_DSC_8156

der ansporn sie zu fotografieren
die nochroten dahlien
entsprang mir aus einer zeile des gedichtes von rainer maria rilke
BLAUE HORTENSIE

‚Verwaschenes wie an einer Kinderschürze,
Nichtmehrgetragenes, dem nichts mehr geschieht:
wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze‘.

ROTE DAHLIEN_DSC_8155

wenn es in dem gedicht auch das blaue ist das so verwaschen sich zeigt
so schien es mir auf das rote ebenso zu passen
das rote – es geht – wie das blaue
der herbst bringt farben und nimmt sie auch wieder

DAHLIEN ROT_DSC_8152

ICH LIEBE…

IN MEMORIAM

800_ROSMARIE_IMG_20131001_0001_bearbeitet-2

handgeschrieben für mich
gefunden im
BIS AN DEN RAND DER ROSEN UND DER DORNEN…
rosemarie stüdemann
fläming verlag

widmung
– duschenka –
…und bis an das ende aller tage…
rosmarie 20.7.93
am 28.3.1999 waren unsere gemeinsamen tage zuende
rosemarie lebte in hamburg
sie war meine freundin in der ferne

ROSEMARIE ZEICHUNG_IMG_20131001_0002
bild rosemarie stüdemann

original des gedichtes

ich liebe diese zerbrochenen und gesprungenen töne
die in zwischenräumen ausserhalb von linien sich bewegen
ich liebe diese zarten süssen traurigkeiten
die sich um schrille dissonanzen schützend legen
ich liebe diese perlend klaren töne
die losgelöst nach fester form sich sehnen
ich liebe diesen mächtigen akkord
ich liebe dich

sie liebte die liebe
und ging daran zugrunde

KRANICHE AM SONNTAG…

KRANICHE_DSC_7858

kraniche ziehen durchs land
die glücksvögel machen sich vom acker
suchen unter anderen himmeln ihr glück

sonntagskraniche
erst hör ich sie schreien
eine frau sagt KRANICHE – da sind sie –
ich schaue – richte meine kamera –
sie fliegen sehr hoch
sonnenschein und blauester himmel
so viele kraniche auf einmal – ich zähle an die 200 vögel
und das sooo früh im herbst
der mann sagt – das gibt einen frühen kalten winter
jemand sagt noch GLÜCKSVÖGEL

sie sind unterwegs – meine lieblingsvögel
sie sammeln den frühling ein und bringen ihn uns zurück
ich denke an den langen weg den sie zurücklegen
und an die leistung die sie immerwieder vollbringen
etwas wehmütig schaue ich ihnen hinterher

kassel botanischer garten so gegen 16 uhr

F L I E G E N . . .

ETEL ADNAN

‚ich werde mir flügel wachsen lassen und fliegen‘

FLIEGEN_ROSA_ART3

botschaften senden aus dem all fallen die gedanken auf die strassen haben ihren sinn verloren sind die menschen ohne den druck der engel verblassendes weiss verblendet sie haben fremderen wesen ihr vertrauen ist grenzenlos abgewirtschaftet werden die felder keine müde mark ist ihnen geblieben sind sie in alten bahnen verläuft es von meeresküste zu meeresküste sind sie gezogen wird immer nur das weisse an den rändern gibt ihnen zu denken brauchen sie nicht in den abgründen befindet sich eine ungeheure menge an glaubwürdigkeiten wird es mangelt ihnen an diesem und jenem sind sie nicht mehr interessiert gehen sie von einem ort zum nächsten zufallsprodukt werden sie gezwungenermassen haben sie einen grösseren radius müssen sie erst noch in ihrer wahrnehmung haben längst sind die verschiedensten ideen lassen sich nicht in das gehirn ist eine breite nervenmasse schwirrt ihnen vor augen haben sie immer nur das eine ist weiss ganz weiss…

rosadora
11.4.2013

MARLONSBRETT…

ein brett das ich zum kunstwerk erhebe
wann wird etwas zur kunst
wann ist es wert kunst zu werden
und was hat das mit mir zu tun

800_MARLONSBRETT6 Kopie_bearbeitet-1

in diesem falle habe ich eine beziehung zu dem brett das zum MARLONSBRETT wurde
es war der boden im unterschlupfhäuschen im ,untilled‘ von pierre huyghe während der zeit der dOCUMENTA 13
es war ein ruhepol für yuma und senior die beiden d13-hunde und den/die kunstgärtner/in in diesem werk
oft sass ich dort mit marlon oder feodora oder andré im gespräch vertieft geschützt vor den vielen besucher/innen

eine lange weile nach der d13 war klar das häuschen muss weg und kann nicht für weitere kunstaktionen genutzt werden
marlon und ich bauten es ab
marlon wollte alle teile im garten seiner eltern aufstellen
doch dann gingen nicht alle auf seinen kleinen anhänger
also blieben einige teile und auch der boden

MARLONSBRETT UND HOLZSTAPEL__2013-09-2311

später dann war eine kleine féte im kompostloch – marlon sagte mir zu spät bescheid ich war unterwegs und kriegte die kurve nicht mehr
sie hatten fast alles was sie benutzt hatten – feuer essen trinken undsoweiter – wieder aufgeräumt – nur das brett war zu schwer und blieb

das brett ist noch immer da und auch die bagger und rüttelmaschinen konnten es nicht tilgen
ich verfolgte jede situation und machte immer wieder ein paar fotos
und dann erklärte ich es zu MARLOSBRETT indem ich die gemachten fotos für collagen verwendete

KOMPO_BRETT UND WASSER__2013-09-2332

auch da dieser sog der diesem ort innewohnt
ich machte und mache noch immer neue fotos und neue collagen – immer und immerwieder
ich ernenne MARLONSBRETT-collagen zum kunstwerk indem ich sie zusammenhalte und wie zu einem puzzle füge
und vieleicht mache ich – wie etel adnan – ein buch daraus

M
ARLONSBRETT - GETEILT_2013-09-2312

die frage – wann wird etwas zur kunst –
na indem frau macht
und wenn es noch menschen gibt die sich dafür interessieren
wirds kunst im grösseren stil

und wann ist es wert kunst zu werden
das bestimme ich und meine faszination

na und was das mit mir zu tun hat
das weiss ich noch nicht
aber vielleicht weisst du es

ERGÄNZUNG
gerade lese ich bei carolyn christov-bakargiev

‚das rätsel der kunst besteht darin, dass wir nicht wissen, was sie ist, bis sie nicht mehr das ist, was sie war.
darüber hinaus wird kunst ebenso durch das definiert, was sie ist, wie durch das, was sie nicht ist; durch das, was sie tut oder tun kann, wie durch das, was sie nicht tut oder nicht tun kann; sie wird sogar durch das definiert, woran sie scheitert.‘

auf jedenfall regt diese feststellung zum nachdenken an…

PIERRE HUYGHE PARIS…

Das einmalige und poetische Werk von Pierre Huyghe ist Gegenstand einer Retrospektive: Eine Welt der Experimente!

Vom Mittwoch 25. September 2013 bis Montag 06. Januar 2014

Centre Pompidou

Pierre Huyghe, Plastiker, Video-Künstler, Designer und Architekt, schert sich nicht um die Etiketten. Sein polymorphes Werk, zwischen Fiktion und Realität, berührt unter anderem die Frage der Ausstellung, ihres Formats und der Rolle des Besuchers.

Das Centre Pompidou bietet die Gelegenheit, sein Werk mit der Ausstellung von etwa fünfzig Werken über eine Zeit von über zwanzig Jahren seiner künstlerischen Laufbahn, neu zu entdecken.

Auf diesem außergewöhnlichen Rundgang können die Besucher zwei bekannte Filme entdecken bzw. wiederentdecken: zum einen den berühmten Film Schneewittchen Lucie, der die Geschichte von Lucie Dolène, der französischen Schauspielerin des Schneewittchens von Disney erzählt, die einen Prozess gegen die Firma gewonnen haben soll, und die erstaunliche Geschichte Streamside Day, einen weiteren Film zwischen Dokumentarfilm und Fabel, in dem eine sehr realistische Fantasiewelt dargestellt wird!

Ein seltsamer und zugleich faszinierender Rundgang, bei dem Sie einem Hund mit rosa Pfote begegnen werden und mit lebendigen Gemälden experimentieren, organische Werke bewundern und weitere Kuriositäten bestaunen können.

DER PREIS DER LIEBE…

ETEL ADNAN
,der preis der liebe, den wir nicht zahlen wollen‘.

oder doch müssen…

ETEL ADNAN zog in ein haus in sausalito. vor ihrem fenstern bäumte sich der tamalpais ein berg der die landschaft beherrschte auf. er war aus sämtlichen fenstern zu sehen. es war in der zeit als sie mit dem malen begann und sie schreibt:
,ich malte nur noch den berg, und das ging jahrelang so, bis ich nichts anderes mehr denken konnte. es wurde meine hauptbeschäftigung, den berg in seiner unaufhörlichen veränderung zu beobachten. ich schrieb sogar ein buch über den berg. um ihn und meine gefühle in den griff zu bekommen – doch die erfahrung trat über die ufer meines schreibens. ich war süchtig‘.

ROSA IM KOMPO_PK_20130829-1644181

…und ich fotografiere nur noch das kompostloch
um die unaufhörlichen veränderungen zu beobachten
sie gehen schneller als ich schauen kann
und ich laufe hinter ihnen her
vielleicht auch um meine gefühle in den griff zu bekommen
wenn ich auch sage dass es mir in erster linie um das verstehen geht
verstehen wie das leben tickt was es will oder nicht und was es mir vermitteln kann mit meinen vergleichen und verbindungen

meine schwester schreibt:
,…und wünsche mir, dass Du nicht in
Deinem Sumpfloch Wurzeln schlägst ?! Diese Spielchen mit entsprechendem
Reiz waren schon immer Dein Image und die ganze Familie war in Aufruhr
bei Deinen Eskapaden…‘

oder ,wurzeln schlagen‘ ist es das was wir möchten und doch nicht können
sind wir aus dem grunde so ruhelos so umherwandernd und oft getrieben
eher treten die bilder über die ufer meines erfahrens als umgekehrt
und was wäre so schlimm süchtig zu werden nach den dingen die uns rufen und aufrufen
in allem ist leben und sinn versteckt und manchmal zeigt sich mir ein zipfelchen

ETEL ADNAN
reise zum mount tamalpais
nautilus

HERBST-TAGUNDNACHTGLEICHE…

die aufsteigende mondenergie hat schon was
sie hält eine enorme kraft bereit die wir nutzen können – bewusst oder unbewusst
in den letzten 14 tagen habe ich die layouts von drei büchern erstellt
und heute zur herbst-tagundnachtgleiche erhalte ich die nachricht
,die bücher sind lieferbar‘

in meinem fall bezeichne ich das als ernte
es ist die ernte monatelanger arbeit an meinem KOMPOSTLOCH-PROJEKT

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und als höchste bestätigung dass ich richtig in der zeit bin
gestern – heute nacht (vollmond) bin ich in mein kompostloch und habe auf marlonsbrett einen blütenkreis ausgelegt – sozusagen als dank
weder vollmond noch tagundnachtgleiche waren dabei in meinem bewusstsein
einfach nur so gemacht und…
auch der gedanke dass hier ein höhepunkt ein abschluss erreicht ist
lagen tief in mir verborgen

fernando pessoa
spricht es an – dieses ZWIELICHT DES BEWUSSTSEINS
,Das gesamte Leben der menschlichen Seele ist eine Bewegung im Schatten.
Wir leben in einem Zwielicht des Bewußtseins, uns nie dessen sicher, was wir sind, oder dessen, was wir zu sein glauben‘.
Buch der Unruhe

und die griechische geschichte von DEMETER und PERSEPHONE zeigt deutlich den jahreskreislauf
wenn auch das original aus männlicher sicht

,Demeters Tochter Persephone wurde von Hades geraubt und in die Unterwelt entführt, da er keine Frau finden konnte, die freiwillig mit ihm in die Unterwelt ging. Demeter war voller Trauer und Schmerz – überall suchte sie ihre Tochter, doch konnte sie sie nirgends finden. Sie wütete, weinte, klagte, flehte um Gnade, doch nichts half. Schließlich wurde aus ihrer Trauer rasender Zorn und sie verfluchte alles, was fruchtbar auf der Erde war. „Stirb, stirb, stirb!“ schrie sie, und von nun an wurden keine Kinder mehr geboren, kein Weizen gedieh mehr und keine Knospe öffnete sich mehr – die Menschen und Tiere drohten zu verhungern. Die Erde selbst erstarb. Demeter saß am Brunnen und schrie den Namen ihrer Tochter hinein. Hier tritt eine weitere Göttin auf den Plan: Die Göttin Baubo. Sie ist die Göttin des Humors, des unbändigen Gelächters und der ordinären Witze. Sie reitet auf einer Sau, welche ein sehr altes Symbol fürs Gebären und die Wiedergeburt ist. Baubo ritt zu Demeter, tanzte wild, wackelte mit ihren Brüsten und erzählte ihr ein paar schmutzige Witze. Demeter wurde dadurch aus ihrer Trauer aufgeweckt und begann erstmals wieder zu lachen. Der Geschichte nach saßen beide Göttinen am Brunnen und lachten, dass ihnen die Bäuche wackelten. Sie lachten so lange, bis es Hades zuviel wurde, und so ließ er Persephone wieder frei und sie kehrte zurück an die Oberfläche zu ihrer Mutter. Sie durfte zwar nicht das ganze Jahr über oben an der Erde bleiben, denn Persephone hatte bereits Nahrung von der Unterwelt (ein paar Granatapfelkerne) gegessen. Aber sie durfte immerhin zwei Drittel des Jahres bei Demeter auf der Erde verbringen. Das andere Drittel musste sie in der Unterwelt leben. Demeter erklärte sich damit einverstanden. Sie wurde wieder fröhlich und gewann ihre Lebenslust zurück und so wurden auch die Erde, die Menschen und die Tiere wieder fruchtbar und niemand musste verhungern‘.
aus:
http://www.jahreskreis.at/Jahreskreis

VERWEGENHEIT…

800_VERWEGENHEIT_14.08_bearbeitet-1

nach auffassung von claire pentecost sind künstlerinnen und künstler diejenigen, die sich bereiterklären, in der öffentlichkeit zu lernen und das wissen selbst in der kulturellen sphäre der auseinandersetzung über werte zu befragen.

rosmarie aus der schweiz wurde schon ganz ‚krapplig‘ bei dem wort VERWEGENHEIT
und schreibt dazu:

liebste RosaDora

du kannst dir mutmasslich sehr wohl vorstellen, dass mir deine verwegene
tier-collage total spass macht. einmal habe ich bilder gerne, die ich frei
interpretieren darf, zum andern macht mich das wort VERWEGENHEIT
ganz krapplig:
noch immer suche ich in unserer verworrenen aktuellen welt
nach guten worten, welche die energie der drachin auszudrücken
vermögen.
das wort WEG in verwegenheit appeliert für mich ganz deutlich an die
eigenverantwortung in unsern entscheiden und gleichzeitig lächelt es
spitzfindig mit der chance des guten zufalls …. mutig in die zukunft
schreiten.

was sie wohl erst zu dem satz von claire pentecost
die diesen satz auf der dOCUMENTA 13 äusserte
sagen wird
die uns auffordert in der auseinandersetzung über WERTE das wissen in der kulturellen sphäre zu befragen

was schätzen wir als WERT
was ist uns wert zu leben
wo müssen wir sie suchen
und geht es um innere oder auch um äussere werte
wert anundfürsich hat noch keine aussage –
vielleicht auch keine bedeutung
kann KUNST dazu einen beitrag leisten

das wort WERTSCHÄTZUNG fällt mir ein…