FREISCHWEBEND…

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tröstlich
die eine seite des lebens
fatal und abgewetzt
die andere
in den talrinnen
die möglichkeiten
festgelegt
das flöten und jammern
freischwebend noch
du wählst
und fällst
durch luftlöcher
denkst
das habe ich
so nicht gewollt

rosadora

IN MITTE DER EWIGKEIT…

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Ein Traum,
ein Traum ist unser Leben
auf Erden hier.
Wie Schatten auf den Wolken
schweben und schwinden wir.
Und messen unsre trägen Tritte
nach Raum und Zeit;
Und sind (und wissen’s nicht)
in Mitte der Ewigkeit..

Johann Gottfried Herder

träumend fand ich ihn am wegesrand auf der
ARS NATURA – gudensberger runde
künstlerin
roswitha schaab, berlin, träumender

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DIE KARDE…

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DIE KARDE
liebling der schmetterlinge
auch ich liebe sie
sie hat alles in sich vereint
die scharfen dornenzähne
die zarten blüten
die grazilen antennen
um den blumenkörper
wie zum schutz
wind und wetter taxierend
und der stolze stand

BLIEB NUR DIE LIEBE…

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ins kraut geschossen
ist der der sommer
auch
meine liebe schwirrt
und tiriliert nicht mehr
des herbstes nebel
legen früh sich nieder
schon
meine liebe
liegt
im erntehauch
das ganze land
trägt früchte
vom vergangnen jahr
blieb nur die liebe
blieb die liebe nur

aus: INS IMMER UNBEKANNTERE
rosadora g. trümper tuschick

TROPFEN FÜR TROPFEN…

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ich verstehe nicht gleich
was du sagst
die metaphern
der vergangenheit
haben ihre haken
sie treffen auf bilder
der heiterkeit
der oberflächlichkeit
der unwissenheit
auch des verdrängens

dieses vertrauen ins leben
dieses vertrauen in den tod
bis zuletzt
woher nahmst du
die zuversicht
woher nahmst du
diese unbändige kraft zum leben
in dir wuchs
alles was du brauchtes
alles was du geben konntest

der tod lies aus dir
einen brunnen werden
aus dem die menschen
hoffnungsvoll schöpfen
sie trinken das wasser
deiner inspirationen
sie reichen sie weiter
tropfen für tropfen
und lassen dich weiterleben
so

rosadora
für hilde domin

HILDE DOMIN – 27. JULI 1909…

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wie wenig nütze ich bin
ich hebe den finger
und hinterlasse
nicht den kleinsten strich
in der luft

die zeit verwischt
mein gesicht
sie hat schon begonnen
hinter meinen schritten im staub
wäscht regen die strasse blank

ich war hier
ich gehe vorüber ohne spur
die ulmen am weg winken
mir zu wie ich komme
grün blau goldener gruss
und vergessen mich
ehe ich vorbei bin

ich gehe vorüber –
aber ich lasse vielleicht
den kleinen ton meiner stimme
mein lachen und meine tränen
und auch den gruss
der bäume im abend
auf einem stückchen papier

und im vorbeigehn
ganz absichtslos
zünde ich die ein oder andere
laterne an
in den herzen am wegrand

hilde domin

sie liess einiges zurück – den ton ihrer stimme – ich höre ihn noch.
ihr lachen ging über auf die menschen, denen sie ihre texte las, obwohl es in ihren texten nicht allzuviel zu lachen gab. es waren ihre erregungen, ihr aufgebrachtsein, wenn nicht der richtige stuhl und tisch für sie dastanden – kein sesselchen, kein tischchen zum bequemen sitzen – die den menschen ein schmunzeln ablockten.
die lichter, die sie anzündete, absichtslos, wie sie sagte, brennen noch heute in den herzen der menschen.
und das erinnern, an eine kleine frau, die es sich vorgenommen hatte, der welt zu erzählen, vor allem den jungen menschen, wie es war und dass es nicht gut war wie es war und ihnen ans herz legte, daraus zu lernen und es besser zu machen.
alles im vorbeigehn…

SEEROSEN FESTIVAL…

SEEROSEN FESTIVAL…

zwischen himmel und erde
das wasser
zwischen erblühen und verblühen
die entfaltete schönheit
der wasserrose
zwischen schauen und rückschau
die erinnerung

zwischen blicken und erschauen
das tiefe berührtsein
zwischen blütenblättern und staubgefässen
der erzitternde mondscheinduft
zwischen blattgrün und rosenklang
zwei frösche
im reich ihrer glückseligkeit

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TRAUM UND ERWACHEN…

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´…der tiefe brunnen weiss es wohl,
einst aber wussten alle drum,
nun zuckt im kreis ein traum herum´.

und unter blättern
wo die tiefe beginnt
wo es ganz heimlich
und leise sinnt
klingen noch lieder
von altersher
singen und schwingen
zu uns her
entrücken uns
mit ihren klängen
halten uns fest
in ihren fängen
jetzt musst du wissen
das zauberwort
das stumm dich trägt
an andern ort
wo träume
kein traum sind
wo worte
nicht zählen
wo alles nur
schaum ist
du kannst es
wählen
du bist entschlossen
du willst diesen traum
es wachsen dir sprossen
herum wie ein saum
da wird an dinge
dumpf gemahnt
die du als kind noch
hast geahnt
du willst zurück
in mutters schoss
das seerosenblatt
dient dir als floss
dann fällt ein lichtstrahl
dir ins gesicht
durchzuckend sagt es
das gibt es nicht
du kannst nicht gehen
aus der welt
erst wenn sie
ganz zusammenfällt

rosadora

die ersten drei zeilen:
hugo von hofmannsthal
WELTGEHEIMNIS